Gesundheitsportal für Verdauungsfragen
Anzeige
Krankheiten & Symptome

Blähungen und Blähbauch: Ursachen, Symptome, Vorbeugen

Ein Blähbauch ist ein „anrüchiges“ Phänomen, das jeder kennt: Der Hosenbund spannt, der Bauch drückt und fühlt sich übervoll an. Erst durch Aufstoßen oder abgehende Winde entspannt sich die Situation langsam.
Zuletzt aktualisiert am: 22.01.2018 17:21:52

Inhalt

Blähungen treten in jeder Altersgruppe auf. Schon Neugeborene sind betroffen und versetzen durch ihren Blähbauch ihre Eltern in Stress. Ursächlich für die vermehrte Luftansammlung in Magen und Darm sind meist eine falsche Ernährung oder Verdauungsstörungen. Aber auch eine Erkrankung kann hinter den Beschwerden stecken. Treten Blähungen und Völlegefühl ständig auf, kann eine Ernährungsumstellung in Kombination mit einer Aufklärung über gesundes Essverhalten helfen. Auch traditionelle Naturheil- und Hausmittel können hilfreich sein, ebenso wie Medikamente aus der Schulmedizin.

Was passiert im Blähbauch?

Die Begriffe Blähungen, Blähbauch, Blähsucht, Flatulenz und Meteorismus bezeichnen eine gesteigerte Ausscheidung von Darmgasen (Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff oder Methan zum Beispiel) über den After. Die überschüssigen Darmgase entstehen während der Verdauung oder die Betroffenen schlucken aufgrund ihres Essverhaltens zu viel Luft. Ein Teil der verschluckten Luft wird durch Aufstoßen wieder abgegeben, der Rest wandert in den Verdauungstrakt. Kohlendioxid hat keinen Eigengeruch und wird teilweise über die Lungen ausgeschieden, es wird abgeatmet. Die übrigen Darmgase werden im Verdauungsprozess unter anderem mit Schwefel und Ammoniak angereichert und erhalten so ihre unangenehme Ausdünstung, die je nach Nahrungszusammensetzung variiert. Fleischprodukte erzeugen zum Beispiel einen wesentlich intensiveren Geruch der aus dem Darm abgegebenen Luft als eine vegetarische Ernährung.

Der Gasgehalt des Darms – wieviel „Abgas“ ist normal?

Aber auch Menschen mit einem unauffälligen Darmgasgehalt können an einem Blähbauch mit Völlegefühl leiden. Ein gesunder Mensch gibt zwischen 500 und 2000 Millilitern Gas pro Tag an die Umwelt ab. Mediziner bezeichnen einen Gasgehalt des Darms von bis zu 150 Millilitern als normal.

Ursachen

Ursachen für Blähungen

Ein Blähbauch kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Entweder ist die Ernährung und negatives Verhalten im Alltag die Ursache, oder es verbirgt sich eine Erkrankung hinter den Beschwerden. Begünstigt werden die Symptome durch Bewegungsmangel und kohlenhydrat- und ballaststoffreiches Essen sowie Getränke, die viel Kohlensäure enthalten. Manche Menschen reagieren außerdem empfindlich auf Zuckeraustauschstoffe in der Nahrung wie Fructose, Xylit oder Sorbit. Zu hastiges Essen kann darüber hinaus zu Verdauungsproblemen und dem Verschlucken von Luft führen, was sich als Blähungen schnell bemerkbar macht. 

Erkrankungen als Ursache für Blähungen

Immer wieder auftretende, sogenannte chronische Blähungen haben eventuell eine der folgenden Ursachen:

  • Verstopfung (Obstipation)
  • Nahrungsmittelallergien
  • das Reizdarmsyndrom
  • das Kurzdarmsyndrom
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Darminfektionen
  • Laktasemangel (Laktoseintoleranz)
  • Fruktoseintoleranz
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Verdauungsstörungen (Mangel an Verdauungsenzymen, Galle oder Magensäure)
  • Störung der bakteriellen Darmflora
  • Pfortaderhochdruck
  • Herzschwäche
  • eine Schwangerschaft, die selbstverständlich keine Krankheit ist, aber eine Situation voller Veränderungen für den Körper der werdenden Mutter

Notfall Darmverschluss

Eine unverzügliche Vorstellung beim Arzt oder in der Notfallambulanz im Krankenhaus ist angezeigt, wenn ein ausgeprägter Blähbauch ganz plötzlich in Kombination mit starken Bauchschmerzen auftritt und der Stuhlgang ausbleibt. Es besteht der dringende Verdacht auf einen Darmverschluss. Auch wenn Sie Blut im Stuhl bemerken, die Schmerzen heftig in den Brustkorb ausstrahlen oder die Blähungen mit hohem Fieber und Erbrechen einhergehen, sollten Sie einen Arzt um Rat fragen.

Diagnose
Anzeige

Diagnostik bei Blähungen und Blähbauch

Das Patientengespräch

Veranlasst Sie ein quälender Blähbauch dazu, einen Arzt aufzusuchen, sind Sie am besten bei Ihrem Hausarzt aufgehoben. Er kennt Ihre Krankengeschichte bereits und kann nach wenigen Fragen zu aktuellen Vorkommnissen und Veränderungen in Ihrem Leben absehen, ob es sich um gewöhnliche Blähungen oder eher um eine ernsthafte Erkrankung handelt.

Die körperliche Untersuchung

Hat der Arzt einen ersten Überblick über die Situation gewonnen, wird er Sie körperlich untersuchen. Durch das Abtasten Ihres Bauches kann er zum Beispiel ganz ohne technische Geräte feststellen, ob Ihre Leber vergrößert ist oder ob eine weitere Untersuchung des Darms sinnvoll wäre. Die Untersuchung schließt alle Organsysteme ein und der Mediziner kann sich im Anschluss ein genaues Bild von Ihrem körperlichen Zustand machen. Finden sich keine Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung, wird der Arzt Sie zum Symptom Blähungen beraten und mit einem Therapievorschlag nach Hause schicken. Ein Ernährungsprotokoll kann sehr sinnvoll sein, um einen Bezug zwischen den Beschwerden und Ihrer Ernährung aufzuzeigen und Ihnen ein besseres Gefühl für eine gesunde Ernährungsweise zu geben, die Ihnen gut tut. Besteht der Verdacht, dass Ihr Blähbauch eine weiterreichende Ursache hat, folgen genauere Untersuchungen.

Bildgebende Verfahren und weitere technische Untersuchungen

Die Kombination aus Krankengeschichte und körperlicher Untersuchung zeigt an, welcher Schritt auf dem Weg zur Diagnose der nächste sein wird. Zur Abklärung von Blähungen werden zum Beispiel folgende Verfahren eingesetzt:

  • Ultraschall
  • Röntgen
  • Stoffwechseltests (Atemtest bei Verdacht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit)
  • Blutanalyse
  • Stuhluntersuchung
  • EKG
  • Endoskopie (Magenspiegelung und Darmspiegelung)

Bei wenigen Patienten erbringen diese Untersuchungen keine Ursache für den Blähbauch und die Beschwerden bestehen weiterhin. In diesen Fällen stehen aufwendige diagnostische Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) zur Verfügung.

Therapie

Therapie bei Blähbauch

Kann eine die Blähungen verursachende Grunderkrankung diagnostiziert werden, wird diese behandelt. In den meisten Fällen liegt aber ein unkomplizierter Blähbauch vor, der mit einer Ernährungsumstellung, mit Hausmitteln oder mit Medikamenten aus Naturheilkunde und Schulmedizin therapiert werden kann.

Die zentrale Rolle und erster Ansatz zur Behandlung von Blähungen ist die Analyse und Anpassung Ihrer Ernährung, denn diese nimmt in ihrer ganz individuellen Zusammensetzung direkt Einfluss auf Ihren Darm. Die Verdauungsprozesse produzieren Darmgase, die wiederum Blähungen hervorrufen können. Nehmen Sie bevorzugt große Mengen an Eiweiß, Kohlenhydraten und Ballaststoffen zu sich, entsteht vermehrt Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff. Ein entscheidender Anteil dieser Gase kann nicht abgeatmet werden und staut sich im Darm. So entstehen die für den Blähbauch typischen Beschwerden Völlegefühl, Bauchschmerzen und vermehrte Flatulenz.

Ernährung

Um Blähungen vorzubeugen bietet sich eine ausgewogene Vollkost an, die keine übermäßigen Anteile an Kohlenhydraten und Ballaststoffen enthält. Greifen Sie beim Kochen zu milden Gewürzen und pflegen Sie Ihren Darm mit Kamille, Kümmel, Fenchel und Anis. Essen Sie Gemüse bevorzugt gedämpft oder gekocht. Backwaren werden von einigen Betroffenen besser in der Vollkornversion vertragen, während andere Patienten mit Blähbauch von Weißmehlprodukten profitieren.

Blähungsfördernde Lebensmittel

Probieren Sie aus, welche Lebensmittel Sie vertragen. Ein Ernährungstagebuch hilft Ihnen dabei. Erfahrungsgemäß haben viele Menschen eher Probleme mit folgenden, oft als blähungsfördernd empfundenen Nahrungsmitteln:

  • Kohl in seinen verschiedenen Variationen
  • Rohkost
  • Spargel
  • Hülsenfrüchte
  • Zwiebeln
  • Lauchgemüse
  • Bananen
  • Feigen
  • Trockenobst
  • Süßigkeiten
  • Industriezucker
  • Eier
  • Alkohol
  • kohlensäurehaltige Getränke

Variieren Sie die Menge an gesunden Ballaststoffen. Ihr Darm gewöhnt sich langsam an die Verarbeitung dieses Nahrungsbestandteils. Eventuell braucht er nur etwas Zeit, bis sich die Blähungen wieder legen.

Hausmittel

Hausmittel gegen Blähungen

Leiden Sie nur ab und zu an einem geblähten Bauch, helfen Ihnen eventuell alte Hausmittel weiter. Auch zur Unterstützung einer medikamentösen Therapie sind die Rezepte geeignet.

  • Essen Sie langsam und lenken Sie sich nicht mit Fernsehen oder Lesen von Ihrer Mahlzeit ab. So reduzieren Sie das Schlucken von Luft.
  • Bleiben Sie in Bewegung und treiben Sie regelmäßig Sport an der frischen Luft. Der Darm kann sich so entspannen und Winde gehen einfacher ab.
  • Tragen Sie bequeme Kleidung und engen Sie Ihren Bauch nicht mit einem Gürtel ein.
  • Trinken Sie eine warme Tasse Anis-Fenchel-Kümmel-Tee.
  • Machen Sie einen feuchtwarmen Bauchwickel mit einem feuchten Baumwolltuch als Grundlage, bedeckt von einem trockenen Wolltuch. Ruhen Sie für circa 20 Minuten während der Anwendung.
  • Massieren Sie den Bauch im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel mit warmem Kümmelöl. Dieses Hausmittel ist schon für Säuglinge geeignet.
  • Kauen Sie nach dem Essen Petersilienstängel.
  • Trinken Sie vor der Mahlzeit ein Glas warmes Wasser, in das Sie zwei Teelöffel Fenchelhonig und zwei Esslöffel Apfelessig gerührt haben.
Medikamente
Anzeige

Wirkstoffe aus der Naturheilkunde

Die Pflanzenheilkunde hält bei Blähungen eine ganze Reihe hilfreicher Mittel bereit.

Medikamente aus der Schulmedizin

Falls Sie trotz Ernährungsumstellung und einer Therapie aus der Naturheilkunde weiter Beschwerden bemerken, wird Ihr Arzt zu Wirkstoffen aus der Schulmedizin greifen. Die Medikamente werden im Akutfall eingesetzt und wirken direkt im Darm. 
Simeticon reduziert die Oberflächenspannung von Gasblasen. Es entschäumt und entspannt den überdehnten Darm. Die freigesetzten Gase kann der Organismus nun über die Lunge abatmen. Sie erhalten Simeticon als Weichkapseln, Kautabletten, Flüssigkapseln, Granulat und Suspension. Der Wirkstoff ist gut verträglich und verursacht kaum Nebenwirkungen. Nehmen Sie Simeticon regelmäßig mit oder nach dem Essen ein. Anweisungen zur Dosierung finden Sie im jeweiligen Beipackzettel. 
Dimeticon ist mit dem Simeticon verwandt und kann ebenso verwendet werden. Die Informationen von Simeticon gelten auch hier.

Quellen

  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag Köln, 2012
  • http://www.kolo-proktologie-kiel.de/downloads/Ernaehrungstipps_Blaehungen.pdf
  • http://www.docjones.de/krankheiten/blaehungen-voellegefuehl#Nat%C3%BCrliche%20Hilfe%20bei%20Bl%C3%A4hungen
  • Astrid Schobert, Die 50 besten Blähbauch-Killer, Georg Thieme Verlag, 2015
Weiterlesen

Mehr zum Thema

Liebe Leser,
die Inhalte, die Sie auf DoktorDarm.de finden, dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin