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Glutenintoleranz: Symptome und Therapie

In ein belegtes Brötchen beißen oder eine leckere Pizza essen – für Menschen mit Glutenintoleranz häufig undenkbar. Denn nach dem Verzehr von glutenhaltigen Speisen wie Weizen- oder Roggenprodukten rebelliert der Darm: Die Beschwerden können von Blähungen über Krämpfe bis hin zu Durchfall reichen.
Brot und Brötchen lösen bei Menschen mit Glutenintoleranz verschiedene Magen-Darm-Probleme aus.
Zuletzt aktualisiert am: 10.01.2020
Inhalt
Unterschied zu Zöliakie

Glutenintoleranz und Zöliakie – wo ist der Unterschied?

Im alltäglichen Sprachgebrauch kommt es häufig zu Verwirrung, da die Begriffe Glutenunverträglichkeit, Glutenintoleranz, Glutensensitivität, Zöliakie sowie Weizenallergie unterschiedlich genutzt und definiert werden. Letztendlich können jedoch alle in Zusammenhang mit Gluten stehen und damit im weitesten Sinne als „Glutenunverträglichkeit“ gelten — und trotzdem unterscheiden sie sich voneinander, was ihre Auswirkungen auf den Körper betrifft. Im Folgenden wird daher differenziert zwischen

  • Zöliakie,
  • Weizenallergie und
  • Glutensensitivität beziehungsweise Glutenintoleranz.

Zöliakie

Bei der Zöliakie handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Hier kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems, die bei Menschen mit einer genetischen Veranlagung dafür durch glutenhaltige Speisen ausgelöst wird. In der Folge werden Abwehrstoffe (Antikörper) gegen körpereigene Zellen des Dünndarms gebildet, woraufhin sich die Darmschleimhaut entzündet. Das wiederum führt dazu, dass sich die sogenannten Zotten – Darmfalten – und auch die Dünndarmschleimhaut selbst zurückbilden.

Das Problem dabei: Durch ihre verringerte Fläche kann die Dünndarmschleimhaut nicht mehr alle über die Nahrung zugeführten Nährstoffe in die Blutbahn abgeben (Malabsorption). Oftmals leiden Menschen mit Zöliakie daher an einem Eisen- oder Vitamin B12-Mangel.

Die chronische Entzündung des Darms kann sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen auftreten und Betroffene müssen lebenslang vollständig auf Gluten verzichten, da die Autoimmunkrankheit nicht heilbar ist.

Weizenallergie

Eine Weizenallergie kann unterschiedliche Auslöser haben. Hier ist nicht nur Gluten (Klebereiweiß) ein möglicher Verursacher, sondern auch Eiweißbestandteile wie Weizen-Albumin (Transportprotein) oder Globulin (Speicherprotein).

Des Weiteren ist es möglich, dass die Beschwerden erst dann auftreten, wenn zusätzlich zu dem Verzehr von Weizen noch ein Trigger (Verstärker) hinzukommt. Das kann beispielsweise körperliche Anstrengung, Alkohol oder ein bestimmtes Arzneimittel sein.

Zur Feststellung einer Weizenallergie sollte ein Allergologe aufgesucht werden, der einen speziellen Allergietest durchführt. Ähnlich wie bei der Zöliakie besteht auch hier die Behandlung aus einer Ernährungsumstellung, bei der Betroffene Weizen und verwandte Getreidesorten wie Dinkel oder Grünkern vom Speiseplan streichen. Eine rein glutenfreie Kost bietet sich hier nicht an.

Glutenintoleranz/-sensitivität

Bislang verfügen Mediziner über keine Möglichkeit, eine Glutenintoleranz beziehungsweise Glutensensitivität eindeutig nachzuweisen — weswegen sie als Ausschlussdiagnose gilt (Zöliakie und Weizenallergie müssen ausgeschlossen werden). Die Glutenintoleranz kann dabei in jedem Alter auftreten und das ganz plötzlich – aber ebenso schnell kann sie auch wieder verschwinden. Es handelt sich also häufig um eine vorübergehende Erscheinung.

Laktose-, Histaminintoleranz und Co.: Temporär oder permanent?

Neben der Glutenintoleranz gibt es noch folgende Unverträglichkeiten, die Magen und Darm zusetzen können:

  • Laktoseintoleranz: Betroffene vertragen Milchzucker (Laktose) nicht
  • Histaminintoleranz: der Körper reagiert auf Histamin, das beispielsweise in manchen Käsesorten wie Emmentaler oder Camembert, aber auch in so manchem Rotwein enthalten ist
  • Fructoseintoleranz: die Beschwerden entstehen nach dem Verzehr von Fruchtzucker, der in den meisten Obstsorten enthalten ist
  • Sorbitintoleranz: der Zuckeralkohol Sorbit kann nicht oder nur unvollständig vom Dünndarm verwertet werden; zu finden ist er in vielen Obst- und Gemüsesorten, aber oftmals auch in industriell hergestellten Produkten

Für alle Intoleranzen gilt: Sie können sowohl vorübergehend (temporär) als auch dauerhaft (permanent) bestehen.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Klebereiweiß (Stoffgemisch aus Proteinen), das in verschiedenen Getreideprodukten enthalten ist. Unter anderem findet es sich in:

  • Weizen
  • Roggen
  • Gerste
  • Dinkel
  • Grünkern
  • Hafer

Neben den genannten Sorten gibt es noch sogenanntes „Urgetreide“, also die Vorgänger der modernen Getreidesorten: Urkorn, Einkorn, Kamut, Emmer und Rotkorn enthalten ebenfalls Gluten.

Symptome
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Glutenintoleranz erkennen: Was sind typische Symptome?

Die Anzeichen einer Glutenintoleranz ähneln denen eine Zöliakie. Sie sind ebenso vielfältig und können sich in ihrer Intensität von Mensch zu Mensch unterscheiden. Im Magen-Darm-Bereich sind zum Beispiel folgende Beschwerden möglich:

Des Weiteren kann es auch zu unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit sowie Unwohlsein kommen.

Diagnose

Per Ausschlussverfahren zur Diagnose

Da die Symptome einer Glutenintoleranz auch auf andere Erkrankungen, wie eine Zöliakie, eine Weizenallergie oder einen Reizdarm (funktionelle Störung des Darms) hindeuten können, ist die Diagnose gar nicht so einfach. Daher muss diese mittels Ausschlussverfahren gestellt werden. Ansprechpartner für die Untersuchungen ist der Gastroenterologe (Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen).

Anamnese und Blutuntersuchung

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten (Anamnese), bei dem der Arzt unter anderem nach vorhandenen Symptomen fragt. Im Anschluss wird er eine Blutuntersuchung veranlassen. Lassen sich bestimmte Antikörper (Gewebs-Transglutaminase-Antikörper) feststellen, deutet dies auf eine Zöliakie hin. Bei einem negativen Test kann die Autoimmunerkrankung mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Aha!

Um die Weizenallergie zu testen, müssen Patienten zum Allergologen, der einen speziellen Allergietest durchführt. Einen weiteren Hinweis kann das Weglassen von Weizen und verwandten Getreidesorten geben, wenn sich im Zuge dessen die Symptome bessern.

Darmspiegelung und Gewebeproben

Um eine Zöliakie auszuschließen, kann der Arzt zudem eine Darmspiegelung (Koloskopie) anordnen. Hier führt der Gastroenterologe einen biegsamen Schlauch über den After bis zum Ende des Dickdarms ein. Dieser besitzt eine Kamera und eine kleine Lichtquelle, die es dem Arzt ermöglichen, die aufgenommenen Bilder gleich am Monitor zu betrachten. Zudem lassen sich weitere Instrumente wie eine Schere oder eine Schlinge einführen, um Gewebeproben zu entnehmen. Im Labor werden diese überprüft. Bei einer Zöliakie lassen sich zurückgebildete Zotten (Darmfalten) nachweisen.

Ernährung auf glutenfrei umstellen

Bestätigen Blutuntersuchung und Darmspiegelung, dass es sich nicht um Zöliakie handelt, hat der Patient noch die Möglichkeit, sich für einige Zeit glutenfrei zu ernähren. Während des Tests ist auf glutenhaltige Produkte zu verzichten, die Hafer, Weizen, Dinkel und Co. enthalten. Sofern sich die Beschwerden bessern, liegt die Diagnose Glutenintoleranz nahe.

Ernährungsumstellung
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Bei Glutenintoleranz Ernährung anpassen

Die Glutenintoleranz besteht meist nur vorübergehend. Daher ist in der Regel auch keine dauerhafte Ernährungsumstellung nötig – im Gegensatz zur Zöliakie, bei der ein lebenslanger Verzicht auf Glutenhaltiges ein Muss ist.

Da es derzeit keine Medikamente zur Behandlung der Glutenintoleranz gibt, stellt die Ernährungsumstellung die einzige Therapiemöglichkeit dar. Für Betroffene ist das oftmals eine große Veränderung der gewohnten Lebensweise, da glutenhaltige Getreidesorten häufig die Grundlage für vielerlei verschiedene Lebensmittel bilden.

Ungeeignet sind zum Beispiel folgende Lebensmittel:

  • Backwaren (Brot, Brötchen…)
  • Pizzateig
  • Pasta
  • Malzbier
  • Cornflakes
  • Couscous und Bulgur
  • Puffreis
  • Fertigprodukte (wie Eintopf aus der Dose)
  • Tiefkühlkost (beispielsweise Pommes)
  • industriell hergestellte Käse- und Wurstwaren

Wo versteckt sich Gluten noch?

Das Klebereiweiß ist nicht nur in Lebensmitteln vorzufinden, auch einige Kosmetika (beispielsweise Lippenstifte) können es enthalten. Auch in manchen Medikamenten findet sich Weizenstärke als Träger- und Füllstoff. Beim Kauf ist daher auf folgende Bezeichnungen zu achten: Triticum vulgare (Weizen), Secale cereale (Roggen), Avena strigosa (Hafer), Triticum spelta (Dinkel). Wer sich unsicher ist, fragt am besten beim Einzelhändler oder Apotheker nach.

Aufgrund der Bandbreite an glutenhaltigen Lebensmitteln, scheint es schier unmöglich zu sein, sie zu umgehen. Allerdings ist der Verzicht auf Gluten heutzutage gar nicht mehr so schwer. Mittlerweile gibt es Brötchen, Pizzateig, Müsli und Co. in einer glutenfreien Variante. Darüber hinaus lässt sich auch ohne das Klebereiweiß ein abwechslungsreicher Speiseplan zusammenstellen.

Als geeignet gelten zum Beispiel folgende Lebensmittel:

  • Pseudogetreide wie Quinoa oder Buchweizen
  • Hülsenfrüchte und Nüsse
  • Reis
  • Obst und Gemüse
  • Fleisch und Fisch
  • Milch und Milchprodukte

Wem die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung schwer fällt, kann sich zu Beginn an einen Ernährungsberater wenden. Dabei handelt es sich um eine zertifizierte Fachkraft, die Ihnen dabei hilft, diese einschneidende Veränderung zu meistern und Ihnen Tipps für den Alltag an die Hand gibt.

Interessant:

Bei den meisten Betroffenen stellt sich bereits kurze Zeit nach der Ernährungsumstellung eine Besserung der Symptome ein. Das lässt auf eine Glutenintoleranz schließen. Zur Sicherheit sollten Patienten nach einigen Monaten wieder mit dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel beginnen. Kehren die Beschwerden zurück, macht auch in Zukunft eine Einschränkung von Gluten Sinn.

Quellen

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