Gesundheitsportal für Verdauungsfragen
Anzeige
Krankheiten & Symptome

Magengeschwür: Anzeichen, Symptome, Behandlung

Ein Magengeschwür oder Zwölffingerdarmgeschwür ist eine recht häufige Erkrankung des Verdauungstraktes.
Symbolbild Helicobacter pylori bei Magengeschwür
Zuletzt aktualisiert am: 05.02.2018
Inhalt

Ein Geschwür oder Ulkus kann im Magen oder im Zwölffingerdarm auftreten. Es entsteht durch eine länger andauernde Entzündung der Schleimhaut und zeigt unterschiedliche Symptome. Hier lesen Sie alles über Ursachen und Behandlung.

Ein Magengeschwür oder ein Geschwür im Zwölffingerdarm kann nicht nur durch den sprichwörtlichen Stress entstehen. Produziert der Magen zuviel Säure oder besiedelt das Bakterium Helicobacter pylori die Schleimhaut des Magens, kann sich eine oberflächliche oder auch tiefere Wunde entwickeln. Der Arzt greift bei einem Magengeschwür zunächst zu Medikamenten, die in vielen Fällen zur Abheilung führen. Im Notfall stehen zusätzlich operative Maßnahmen zur Verfügung.

Definition

Was Ärzte unter einem Geschwür des Magens oder des Zwölffingerdarms verstehen

Ein Geschwür oder Ulkus kann im Magen (Ulcus ventriculi) oder im Zwölffingerdarm (Ulcus duodeni) auftreten. Es entsteht durch eine länger andauernde Entzündung der Schleimhaut und kann bis in die Muskelschichten des Magens vordringen. Die Oberfläche der Schleimhaut wird zerstört und kann leicht oder auch stärker bluten. Im Extremfall durchdringt (perforiert) das Ulkus die Magen- oder Darmwand.

Ein typisches Magengeschwür liegt im unteren Teil des Magens. Aber auch im Anschluss an den Magenausgang, im sogenannten Zwölffingerdarm (Duodenum), finden Mediziner regelmäßig Geschwüre. Männer haben im Vergleich zu Frauen ein bis zu dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Das Zwölffingerdarmgeschwür betrifft mindestens doppelt soviele Patienten wie das Magengeschwür. Insgesamt erkranken in Deutschland circa 40.000 Menschen pro Jahr.

Anzeichen

Anzeichen für ein Magengeschwür

Ein Geschwür im Magen oder im Zwölffingerdarm entwickelt sich langsam. Entsprechend treten auch die Symptome nach und nach auf. Viele Betroffene werden erst nach Wochen oder Monaten bei ihrem Hausarzt, Internisten oder Gastroenterologen vorstellig. Die Beschwerden können anderen Magen-Darm-Erkrankungen wie dem Reizmagen oder der Magenschleimhautentzündung ähneln. Erste Symptome sind zum Beispiel:

Möglicherweise spürt ein Patient aber auch gar keine Symptome. Andere Betroffene geben dumpfe Schmerzen an einem genau definierten Punkt im Bauchraum an. Der Schmerz kann in Zusammenhang mit der Aufnahme von Nahrung oder Getränken stehen. Im Fall eines Geschwürs im Zwölffingerdarm klagen die meisten Patienten über einen Nüchternschmerz, besonders auch in der Nacht. Essen sie etwas, lassen die Beschwerden typischerweise nach. Schlecht vertragen werden allerdings Kaffee, Alkohol, Süßigkeiten sowie scharf gewürzte Gerichte. Im Verlauf kann auch blutiges Erbrechen auftreten.

Lokalisation und Ursachen
Anzeige

Wo Geschwüre häufig entstehen

Mediziner unterscheiden Geschwüre im Magen und im Zwölffingerdarm.

  • Ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) kann an verschiedenen Stellen der Schleimhaut auftreten, in einigen Fällen auch gleichzeitig. Beschränkt sich die Erkrankung auf die obere Gewebeschicht, bezeichnen Ärzte die Wunde als Erosion. Reicht das Geschwür bis in die Tiefe der Muskelschichten, steigt das Risiko für eine Blutung, da Gefäße verletzt werden können.
  • Ein Geschwür im Zwölffingerdarm (Ulcus duodeni) kann alleine oder in Kombination mit einem Magengeschwür auftreten. Es liegt meist am Anfang des Duodenums, hinter dem Magenausgang. Männer sind deutlich häufiger von einem Zwölffingerdarmgeschwür betroffen als Frauen.
  • An der Entstehung eines Geschwürs können unterschiedliche Faktoren beteiligt sein. Gemeinsam ist ihnen häufig eine Überproduktion von Magensäure in Kombination mit einem herabgesetzten natürlichen Schutz der Magenwand.

Genetische Veranlagung

Wissenschaftler beobachten eine Häufung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren in einigen Familien. Zusätzlich scheinen Menschen mit der Blutgruppe Null besonders anfällig für die Erkrankung zu sein. Eine genetische Komponente kann also an der Entstehung von Geschwüren beteiligt sein.

Eine Entzündung der Magenschleimhaut

Der wichtigste Auslöser von Geschwüren ist die Magenschleimhautentzündung. Besonders wenn sie bakteriell bedingt ist (Helicobacter pylori), können Menschen chronisch an wiederkehrenden Geschwüren erkranken. Mit dem Helicobacter-Bakterium infiziert sind circa 99 Prozent der Patienten, die an einem Zwölffingerdarmgeschwür leiden. Circa 75 Prozent der Patienten die an einem Magengeschwür leiden und zusätzlich circa 50 Prozent der gesunden Bevölkerung in einem Alter von über 50 Jahren.

Medikamente als Ursache

Häufig genutzte frei verkäufliche Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac) und Azetylsalizylsäure können die Schleimhaut des Magens erheblich angreifen. In diesem Zusammenhang unterstützen sie die Entstehung von Geschwüren des Magens oder des Zwölffingerdarms. Die genannten Medikamente steigern das Risiko auf ein Ulkus um das Vierfache.

Das akute Stressulkus

Weitere Risikofaktoren für ein Geschwür sind körperlicher sowie psychischer Stress, vor allem in der intensivmedizinischen Behandlung nach größeren Traumata wie einem Unfall, Verbrennungen oder ausgedehnten Operationen. Ebenfalls Stress für die Schleimhaut des Verdauungssystems bedeutet Rauchen und der häufige Genuss von Alkohol.

Diagnose

Wie der Gastroenterologe ein Magengeschwür diagnostiziert

Zunächst unterhält sich der Hausarzt oder Internist ausführlich mit dem Patienten und stellt Fragen zu den aktuellen Beschwerden, den Lebensumständen und zur vorhergehenden Krankengeschichte. Eventuelle Erkrankungen der nahen Familie sind ebenfalls interessant für den Mediziner. Erste Hinweise auf ein Geschwür kann hier die Lokalisation von möglichen Schmerzen sowie ihre Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme geben. Sehr wichtig ist auch der Stuhl, der eventuell Anzeichen von Blutungen aufweisen kann (schwarz gefärbter Teerstuhl) und der Mageninhalt im Fall von Erbrechen. Liegt eine Magenblutung vor, kann das Erbrochene an Kaffeesatz erinnern.

Die körperliche Untersuchung

Der nächste Schritt ist die körperliche Untersuchung durch den Arzt. Hier konzentriert er sich besonders auf den Oberbauch, um einen Druckschmerz über dem Magen oder dem Duodenum festzustellen oder auszuschließen. Es folgt häufig eine Untersuchung mit dem Ultraschall, die weitere Hinweise auf einen entzündlichen Prozess liefern kann. Im Akutfall zeigt ein Röntgenbild, ob die Magen- oder Darmwand bereits perforiert und Luft in die Bauchhöhle ausgetreten ist.

Die Laboruntersuchung

Weiterhin kann der Arzt im Blutbild und in weiteren Blutuntersuchungen feststellen, ob eine Entzündung im Körper vorliegt und ob der Patient Blut verliert. Ein spezieller Atemtest oder eine Stuhluntersuchung kann eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori nachweisen.

Die endoskopische Untersuchung

Erhärtet sich der Verdacht auf ein Geschwür, empfiehlt der behandelnde Arzt meist eine endoskopische Untersuchung, die sogenannte Gastroskopie oder Magenspiegelung. Hier kann der Untersucher mit einer Kamera durch Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm sehen. Das flexible Gerät wird über den Mund eingeführt, wobei der Patient wach ist oder auf Wunsch lediglich ein Beruhigungsmittel erhält. Eine Narkose ist normalerweise nicht notwendig. Der Arzt kann Schleimhautdefekte direkt sehen und mit einer kleinen Zange Gewebeproben entnehmen, um die Diagnose zu sichern und zum Beispiel eine Krebserkrankung auszuschließen. Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori kann auf diesem Weg ebenfalls nachgewiesen werden.
Therapie
Anzeige

Die Therapie eines Magengeschwürs

Sind die Beschwerden nur schwach ausgeprägt, kann eine magenfreundliche Ernährung, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol und die Anwendung von Entspannungstechniken die Abheilung des Geschwürs unterstützen. Eine Selbstbehandlung mit säurehemmenden Medikamenten und Hausmitteln wie Kamillentee, Fencheltee oder Anis kann ebenfalls die Symptome lindern.

Ist die Therapie nicht ausreichend, hilft der Gang zum Arzt weiter. Da eine Selbstheilung des Körpers bei einem Geschwür mehrere Monate dauern kann und den Patienten einem relativ hohen Rückfallrisiko von bis zu 80 Prozent aussetzt, empfiehlt der Gastroenterologe für gewöhnlich eine medikamentöse Therapie.

Die medikamentöse Therapie eines Geschwürs

Ein Geschwür wird häufig von einer Infektion der Schleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht. Daher setzt sich die medikamentöse Behandlung aus einem Wirkstoff, der die Bildung der Magensäure hemmt und zwei verschiedenen Antibiotika zusammen. Als Säurehemmer werden moderne Protonenpumpenhemmer eingesetzt, wie Omeprazol, Lansoprazol oder Pantoprazol.

Bei den Antibiotika sind Metronidazol und Amoxicillin eine wirksame Kombination, alternativ werden Amoxicillin und Clarithromycin sowie Metronidazol und Clarithromycin miteinander kombiniert. Die Behandlungsdauer beträgt 7 bis 14 Tage. Im Anschluss kann der Patient den Protonenpumpenhemmer über mindestens vier weitere Wochen einnehmen um die Schleimhaut bei der Abheilung zu unterstützen.

Nach Beendigung der Therapie kann der behandelnde Arzt mit einem speziellen Atemtest (13C-Harnstoff-Atemtest) überprüfen, ob der Patient nun frei von Helicobacter pylori ist. War die Behandlung erfolgreich, ist eine erneute Infektion mit der Bildung von Geschwüren selten.

Therapie eines medikamentös verursachten Geschwürs

Kann der Arzt keinen Bakterienbefall nachweisen und diagnostiziert zum Beispiel nichtsteroidale Antirheumatika (Schmerzmittel) als Ursache für das Geschwür im Magen oder im Zwölffingerdarm, setzt er die schädigenden Medikamente ab und verordnet einen Säurehemmer, um die Regeneration der Schleimhaut zu beschleunigen. Unter dieser Therapie heilen die meisten Geschwüre in wenigen Wochen ab.

Ist eine längerfristige Behandlung mit Schmerzmitteln oder Medikamenten im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung unumgänglich, ergänzt der Mediziner die Therapie um einen Protonenpumpenhemmer. So wird die Schleimhaut in Magen und Darm geschützt und Geschwüren vorgebeugt. In der Apotheke sind Präparate erhältlich, die das Schmerzmittel und den Säurehemmer direkt miteinander kombinieren.

Die Behandlung von Komplikationen

Treten starke Blutungen im Zusammenhang mit einem Geschwür im Magen oder Darm auf, wird der Patient in ein Krankenhaus eingewiesen. Eine Magenspiegelung erlaubt dem Arzt eine exakte Beurteilung der Situation zusammen mit der Möglichkeit, die Blutung direkt vor Ort zu stillen. Die Blutstillung gelingt entweder durch die elektrische Verödung des blutenden Gefäßes oder durch den Einsatz von speziellen Gummibändern sowie chirurgischen Clips. Im Notfall wird das Blutgefäß während einer Operation mit einer Naht verschlossen.

Bei Bedarf erhält der Patient eine Bluttransfusion oder entsprechende Medikamente, um den Blutverlust auszugleichen. Hat ein Geschwür bereits die Wand von Magen oder Darm durchbrochen, Ärzte sprechen von einer Perforation, liegt ein lebensbedrohlicher Notfall vor. Der Patient wird sofort operativ versorgt um eine bestmögliche Prognose zu gewährleisten.

Zeitlicher Verlauf der Erkrankung

Bei einem Geschwür besteht die Möglichkeit, dass der Körper selbst mit der Erkrankung fertig wird. Nach zwei bis drei Monaten kann ein Ulkus ohne spezielle Therapie abgeheilt sein. Allerdings kann das Risiko für die erneute Entstehung eines Geschwürs ohne Behandlung bis zu 80 Prozent betragen. Antibiotika und Magensäurehemmer in Kombination mit einer magenschonenden Ernährung beschleunigen die Heilungsphase auf circa ein bis drei Wochen. Die Prognose ist ausgesprochen gut. Nur wenige Patienten müssen die Therapie wiederholen. Das gilt besonders für Menschen, die von einer Helicobacter pylori-Infektion betroffen sind.

Quellen:

  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2012
  • Gurusamy K, Pallari E. Medical versus surgical treatment for refractory or recurrent peptic ulcer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016, Issue 3. Art. No.: CD011523. DOI: 10.1002/14651858.CD011523.pub2
  • Robert Kopf, Verdauungsbeschwerden selbst behandeln mit Naturheilkunde: Schnell wieder gesund mit altbewährten Naturheilverfahren, BookRix 2012
Weiterlesen

Mehr zum Thema

DoktorDarm.de bietet unabhängige und umfassende Informationen über Erkrankungen, die das Verdauungssystem betreffen. Betroffene und Interessierte finden auf dem Portal eine Übersicht über relevante Ursachen, Symptome, Diagnostik und Behandlungsmethoden für Erkrankungen sowie Wissen über darmgesunde Ernährung. Die redaktionelle Verantwortung obliegt der Fachredaktion des Ratgebers. Das Informationsangebot entsteht in Zusammenarbeit mit ausgesuchten Autoren aus dem medizinischen Fachkreis wie Ärzten und Medizinjournalisten. Die Inhalte des Portals dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.