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Mutter & Kind

Verstopfung bei Baby und Kleinkind: Wie erkennen und was hilft?

Zuletzt aktualisiert am: 21.11.2016 12:52:42

Inhalt

Gesunde ungeborene Kinder im Bauch der Mutter entleeren ihren Darm noch nicht. Erst nach der Geburt nimmt der Darm seine eigentliche Arbeit auf. Das Neugeborene setzt das sogenannte Mekonium oder Kindspech ab, den ersten Stuhl, der aus abgeschilferten Darmzellen und Verdauungsfermenten besteht. In den folgenden Monaten und den ersten Lebensjahren verändert sich die Konsistenz des Stuhls mit der Ernährung und auch die Häufigkeit, mit der ein Kind Stuhl entleert, kann stark variieren.

Hat der Darm Schwierigkeiten, sich auf unbekannte Nahrung einzustellen, kann Verstopfung entstehen. Viele Eltern erleben dieses Symptom bei Einführung der ersten Beikost. Aber auch auf eine Umstellung von Muttermilch auf Flaschenmilch kann ein Säugling mit Verstopfung reagieren. Ein weiterer typischer Zeitpunkt ist das erste Üben des Toilettengangs. Seltener sind Erkrankungen die Ursache für das Symptom. Mit Ihrer Hebamme und Ihrem Kinderarzt haben Sie kompetente Ansprechpartner, die Ihrem Kind und Ihnen weiterhelfen.

Auf einen Blick

  • Verstopfung ist eine der häufigsten Ursachen für Bauchschmerzen im Kindesalter.
  • Ein großer Stuhldurchmesser kann ein Hinweis auf eine chronische Verstopfung sein.
  • Verwenden Sie keine Abführmittel bei Ihrem Säugling, ohne die Therapie vorher mit dem Kinderarzt zu besprechen.
  • Auch ein Säugling braucht Bewegung. Geben Sie Ihrem Baby Gelegenheit sich auf der Krabbeldecke frei zu bewegen und animieren Sie es mit altersgerechten Spielen. Gymnastik auf dem Wickeltisch hilft dem Darm ebenfalls in Schwung zu kommen.
Woran man eine Verstopfung erkennt

Woran man eine Verstopfung erkennt

Die Stuhlfrequenz bei Säuglingen und Kleinkindern variiert extrem von Kind zu Kind und von Altersstufe zu Altersstufe. So können gestillte Babys in einem Alter von drei Monaten zwischen fünf und vierzig Stühlen pro Woche entleeren. Voll gestillte Säuglinge haben teilweise bis zu zwei Wochen keinen Stuhlgang, ohne erkrankt zu sein.

Anzeichen für eine Verstopfung sind Beschwerden wie starke Anstrengung bei der Entleerung von Stuhlgang, harter Stuhl und wiederkehrende Bauchschmerzen sowie Schmerzen am After. Einrisse der Haut am After und Blutauflagerungen auf dem Stuhl können zusätzlich auftreten. Harte Kotballen im Darm können aufgrund des Magen-Darm-Reflexes (gastrokolischer Reflex) Bauchschmerzen nach dem Essen auslösen. Circa 25 Prozent der Kinder mit chronischer Verstopfung haben diese typischen Symptome nicht und halten trotzdem große Stuhlmengen zurück.

Wenn der Darm überläuft

Ein irreführendes Symptom im Rahmen der Verstopfung ist die sogenannte "Überlaufenkopresis". Das betroffene Kind kann den Stuhl nicht halten und setzt ungewollt flüssig schmierigen Stuhl in die Hose ab. Die Eltern denken zunächst an eine Durchfallerkrankung. Der dünne Stuhl läuft aber nur an den harten Stuhlpropfen vorbei, die den Enddarm in seiner Funktion behindern. Eventuell nässen Kleinkinder zusätzlich wieder ein, obwohl sie eigentlich keine Windel mehr tragen. Eine Behandlung der Verstopfung beendet auch diese für das Kind sehr belastenden "Unfälle".

Der erste Eindruck kann auch täuschen

Viele gesunde Säuglinge machen einen angestrengten Eindruck bei der Stuhlentleerung. Sie pressen stark, bekommen einen roten Kopf und ziehen die Beinchen an den Bauch, setzen aber trotzdem weichen Stuhl ab und haben keine Schmerzen. Dieses Verhalten ist kein Grund zur Beunruhigung.

Ursachen

Ursachen für Verstopfung bei Babys und Kleinkindern

Eine akute oder chronische Verstopfung kann sowohl bei Babys als auch bei Kleinkindern unterschiedliche Ursachen haben. Zögern Sie nicht zu lange mit einem Besuch bei Ihrem Kinderarzt, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind Probleme bei der Stuhlentleerung hat. Warnsymptome wie Blutauflagerungen auf dem Stuhl und starke Bauchschmerzen sollten rasch abgeklärt werden. In den meisten Fällen ist die Verstopfung eine vorübergehende Episode, die aufgrund eines falschen Ernährungsverhaltens oder im Zusammenhang mit einer Nahrungsumstellung entstanden ist.

Umstellung von Muttermilch auf Flaschennahrung

Muttermilch ist die optimale Ernährung für die ersten Lebensmonate und auch darüber hinaus. Gestillte Säuglinge haben für gewöhnlich einen weichen senffarbenen Stuhl, der je nach Ernährung der Mutter etwas in Konsistenz und Farbe variieren kann. Ist es notwendig, die Muttermilch mit Flaschenmilch zu kombinieren, tritt eventuell zu Beginn Verstopfung auf. Führen Sie die Flaschennahrung daher nur langsam ein und füttern Sie abwechselnd Muttermilch und Ersatznahrung. Eventuell verträgt Ihr Kind eine bestimmte Marke nicht. Haben Sie aber etwas Geduld und verwenden Sie nicht zu viele verschiedene Milchsorten. Pre-Nahrung ist im Allgemeinen gut verträglich und enthält alle notwendigen Nährstoffe, auch für ältere Säuglinge.

Schwierigkeiten bei Einführung der Beikost und die Stillstreik-Problematik

Besonders vollgestillte Kinder können leichte Anpassungsschwierigkeiten mit ihrer Verdauung haben, wenn der erste Brei eingeführt wird. Der Darm muss sich erst an die neue Nahrungsform gewöhnen. Haben Sie Geduld und beobachten Sie Ihr Kind genau beim Füttern und beim Absetzen von Stuhl. Verweigert ein Säugling plötzlich die Brust und tritt in den sogenannten Stillstreik, kann Verstopfung der Grund für dieses Verhalten sein. Einen Stillstreik erkennen Sie daran, dass Ihr Kind die Brust verzweifelt anschreit und den Kopf wegdreht, dabei aber eigentlich einen hungrigen Eindruck macht. Ihr Baby hat die Erfahrung gemacht, dass der Magen-Darm-Reflex Bauchschmerzen beim Stillen auslösen kann, wenn der Darm übervoll mit festem Stuhlgang ist. Holen Sie sich Hilfe bei einer Stillberaterin. Ein Stillstreik ist kein Grund zum Abstillen. Sie haben die Möglichkeit die Muttermilch für ein paar Tage abzupumpen und mit einem Becher oder einer Flasche zu füttern. Probieren Sie das Stillen in entspannten Situationen wieder einzuführen. Legen Sie sich zum Beispiel mit Ihrem Baby in die warme Badewanne. Die neue Situation kann Ihr Kind ablenken und zum Trinken bewegen. Haben Sie Geduld, auch wenn es Ihnen schwerfällt. Machen Sie eine Beikostpause und fangen Sie langsam mit milden Gemüsesorten wie Pastinake und Zucchini wieder an. Karotten führen bei Babys rasch zu Verstopfung.

Stressfaktoren: Wenn Babys Angst vor Stuhlgang haben

Wenn Babys Angst vor Stuhlgang haben

Einige Kinder, die an Verstopfung leiden, hatten ein unangenehmes Erlebnis im Zusammenhang mit dem Absetzen von Stuhl. Der Grund kann eine kleine Verletzung am After sein, die Schmerzen bei der Darmentleerung verursacht oder eventuell eine Episode mit starken Blähungen. Die Kinder haben Angst vor dem Schmerz und halten den Stuhl zurück. Der Stuhlgang wird nun vom Darm zurück ins kleine Becken transportiert und dort gesammelt. An dieser Stelle kann der Stuhl keinen Reiz zur Darmentleerung mehr auslösen und dickt ein. So wird es immer schwieriger und schmerzhafter für das Kind, Stuhl abzusetzen und es bekommt immer mehr Angst auf die Toilette zu gehen. Ein Teufelskreis entsteht.

Familiäre Stress- und Drucksituationen können Babys belasten

Neben Schmerzen bei der Stuhlentleerung können auch andere Faktoren von außen für eine Verstopfung verantwortlich sein. Ein typischer Zeitraum, in dem Kinder Probleme mit dem Absetzen von Stuhlgang entwickeln, ist das Sauberwerden. Druck aus dem Umfeld von Eltern oder Erziehern im Kindergarten oder eine Änderung der familiären Situation durch Umzug oder Trennung der Eltern kann das Kind verunsichern. Es verweigert den Gang zur Toilette und hält den Stuhl willentlich ein, wodurch eine Verstopfung entstehen kann. Es folgt der bereits beschriebene Teufelskreis von Schmerz und Angst. Der Kinderarzt kann mit entsprechenden Medikamenten helfen, die Situation zu entspannen und den Stuhlgang zu normalisieren. Positive Erfahrungen auf Töpfchen oder Toilette geben dem Kind die notwendige Sicherheit zurück.


Weitere Ausnahmesituationen, die eine Verstopfung bei Babys nach sich ziehen können:

  • eine zu geringe Trinkmenge
  • eine Fehlernährung mit stopfenden Lebensmitteln und zu wenig Ballaststoffen
  • längere Bettlägerigkeit
  • Abneigung gegen schmutzige Toiletten auf Reisen

Medikamente, die Verstopfung verursachen können:

  • Hustenblocker,
  • Säureblocker für den Magen,
  • Anticholinergika (Arzneimittel, die z.B. bei einer überaktiven Blase eingesetzt werden),
  • Antidepressiva,
  • Antiepileptika und
  • Beruhigungsmitteln (Opiate).

Erkrankungen, die Verstopfung verursachen können

In seltenen Fällen ist eine Verstopfung das Symptom einer körperlichen Erkrankung. Handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung, bestehen die Beschwerden meist von Anfang an. Beim Morbus Hirschsprung fehlen zum Beispiel wichtige Nervenzellen in der Darmwand. Weitere Erkrankungen in diesem Zusammenhang sind eine Verengung des Analkanals (Analstenose), eine Spina bifida (offener Rücken), eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), eine Mukoviszidose oder eine Entgleisung der Blutsalze.

Was beim Kinderarzt passiert, wenn Ihr Kind an Verstopfung leidet

Ihr Kinderarzt hat wahrscheinlich viel Erfahrung mit dem Thema Verstopfung, da dieses Symptom jede Woche in seiner Praxis auftaucht. Hat Ihr Kind das Problem zum ersten Mal, wird es gründlich körperlich untersucht und eventuell ein Ultraschall des Bauchs veranlasst. Sprechen alle Umstände für eine unkomplizierte akute Verstopfung, sind abführende Maßnahmen und eine Ernährungsberatung meist ausreichend.

Chronische Verstopfung

Tritt eine Verstopfung aber chronisch auf und führt zu einem erheblichen Leidensdruck, sind ausführlichere Untersuchungen angebracht, um organische Ursachen zu finden. Zur Verfügung stehen hier zum Beispiel:

  • Röntgenuntersuchungen des Bauchs (Kolonkontrasteinlauf)
  • Magnetresonanztomografie von Bauch und Becken
  • Endoskopie mit der Entnahme von Gewebeproben
  • Messung des Drucks im Enddarm
  • Blutuntersuchungen (Hormonstatus, Elektrolytspiegel, Vitamin-D-Spiegel)
  • Gespräch mit einem Kinderpsychiater
     
Behandlung
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Wie eine Verstopfung behandelt werden kann

Sie können selbst einiges tun, um Ihrem Kind zu helfen, einer Verstopfung vorzubeugen oder sie zu überwinden. Der erste Schritt ist eine gesunde Ernährung, um eine gesunde Verdauung zu erhalten. Besteht die Verstopfung bereits, können alte Hausmittel, Naturheilmittel, homöopathische und schulmedizinische Medikamente helfen.

Erste Hilfe bei Verstopfung

Eine erste Entspannung der Situation kann mit einer rektalen Abführmaßnahme erreicht werden. Bei einer akuten Verstopfung und einem relativ jungen Kind ist die Behandlung mit einem Glycerinzäpfchen, das den Stuhl gleitfähig macht, kein Problem. Bei Bedarf setzt der Arzt auch einen kleinen Einlauf ein, der osmotisch wirksam ist. Das bedeutet, der Wirkstoff Natriumcitrat oder Natrium-Laurylsulfoacetat zieht Wasser in den Darm, das den Stuhl auflockert und den Reiz zum Absetzen auslöst. Ist das Baby oder das Kleinkind zu traumatisiert, um eine rektale Manipulation auszuhalten, kann der Arzt auf den Wirkstoff Macrogol zurückgreifen. In hoher Dosis wirkt das Medikament nach Einnahme wie ein Einlauf und führt rasch zu einer gründlichen Entleerung des Darms.

Medikamente aus der Schulmedizin

Ist die erste Verstopfung gelöst, folgt eine Periode der Nachbehandlung, um den Darm bei seiner Erholung zu unterstützen. Es ist wichtig, einer erneuten Verstopfung effektiv vorzubeugen. Für Babys und Kleinkinder stehen folgende Medikamente zur Verfügung:

  • Macrogol (Polyethylenglykol 3350-4000, PEG) kann auf das Körpergewicht dosiert werden und wirkt sehr gut gegen Verstopfung. Es weicht den Stuhl ein, in dem es Wasser in den Darm zieht und so die Ausscheidung erleichtert. PEG kann in verschiedenen Getränken aufgelöst oder der Nahrung beigemischt werden.
  • Lactulose (Milchzucker) wird gerne bei leichten Fällen der Verstopfung eingesetzt und hat ebenfalls eine osmotische Wirkung. Zusätzlich fördert Lactulose das Wachstum des Darmkeims Lactobazillus bifidus, der den Stuhl auflockert.
  • Sind Schmerzen am After die Ursache für die Verstopfung, kann Ihnen Ihr Kinderarzt eine betäubende Salbe für Ihr Kind verschreiben. So werden weitere schmerzhafte Erfahrungen beim Absetzen von Stuhlgang vermieden.

Quellen:

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Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin