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Darm & Gesundheit

Die Stuhlprobe: Das müssen Sie darüber wissen

Vor allem zur Darmkrebsvorsorge ist ein Stuhltest heute ein wichtiges Instrument.
Zuletzt aktualisiert am: 05.12.2017 17:35:24

Inhalt

Der menschliche Stuhl besteht zu circa 75 Prozent aus Wasser. Die restlichen 25 Prozent bilden Nahrungsreste, Bakterien, Gallefarbstoffe und abgeschilferten Darmzelle. Diese Bestandteile sind für den Arzt hochinteressant, denn sie können Auskunft über verschiedene Stoffwechselprozesse des Körpers und eventuell vorliegende Erkrankungen geben. Bei Bedarf wird eine Stuhlprobe angeordnet, bei der der Kot im Labor auf seine Zusammensetzung und Krankheitserreger untersucht wird. Vor allem zur Darmkrebsvorsorge ist ein Stuhltest heute ein wichtiges Instrument.

Warum Ihr Arzt Sie um eine Stuhlprobe bittet

Eine Stuhlprobe wird in verschiedenen medizinischen Fachgebieten zur Diagnostik genutzt. Allen voran interessieren sich natürlich Ihr Gastroenterologe und Ihr Hausarzt für Ihren Stuhlgang. Aber auch der Frauenarzt, der Kinderarzt oder der Heilpraktiker bittet Sie eventuell um eine Stuhlprobe. Oft geht es um die Diagnostik einer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, zum Beispiel einer Infektion durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten.

Typische Symptome, die eine Stuhluntersuchung erforderlich machen können:

Ab einem Lebensalter von 50 Jahren gehört eine Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl zur Vorsorgeuntersuchung, um Darmkrebs frühzeitig zu entdecken. Zusätzlich geben der Fettgehalt des Stuhls und der Gehalt an Verdauungsenzymen Auskunft über die Funktion der Leber, der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Bereits vor der Untersuchung im Labor kann der Mediziner wichtige Informationen aus einer Stuhlprobe gewinnen. Farbe, Geruch, Konsistenz und eventuell sichtbare Blutauflagerungen oder Schleimbeimengungen weisen den Weg zur richtigen Diagnose. Informieren Sie sich zu diesem Thema auch in unserem Ratgeberbeitrag Stuhlgang: Was der Stuhl über die Gesundheit verrät.

Wie man eine Stuhlprobe nimmt

Wie man eine Stuhlprobe nimmt

Da Stuhlgang für gewöhnlich nicht auf Kommando in der Arztpraxis verfügbar ist, wird Ihr Arzt Ihnen ein Plastikröhrchen mit Schraubverschluss mit nach Hause geben. Im Deckel des Röhrchens ist eine kleine Plastikschaufel angebracht, die Ihnen dabei hilft, die Stuhlprobe in das Behältnis zu füllen. Warten Sie einfach, bis Sie das nächste Mal Stuhlgang haben, und setzen Sie den Stuhl zum Beispiel in ein sauberes Einwegplastikgefäß ab. Oder spannen Sie Toilettenpapier über die Toilettenschüssel, die den Stuhl auffängt. In der Apotheke erhalten Sie für diesen Zweck auch spezielle Toiletteneinsätze aus Pappe oder Plastik. Entnehmen Sie mit der kleinen Schaufel an drei verschiedenen Stellen Proben, die Sie in das Laborröhrchen füllen. Erkennen Sie auffällige Beimengungen wie Blut, Eiter oder Schleim, fügen Sie bitte eine Probe davon hinzu. Die meisten Labore benötigen eine Füllhöhe von circa einem Drittel des Röhrchens. Den restlichen Stuhl entsorgen Sie wie gewohnt in der Toilette.

Umgang mit der Stuhlprobe

Was Sie im Umgang mit der Stuhlprobe beachten sollten

Nachdem Sie die Stuhlproben abgefüllt haben, schließen Sie den Schraubdeckel fest und verpacken Sie das Röhrchen in den dafür vorgesehenen Behälter. Geben Sie die Probe so rasch wie möglich bei Ihrem behandelnden Arzt oder im Labor ab. Über wenige Stunden kann der Stuhl bei Raumtemperatur gelagert werden. Sollte es länger dauern, bis Sie Zeit haben die Arztpraxis aufzusuchen, legen Sie das Röhrchen bitte in den Kühlschrank, um das Untersuchungsergebnis durch künstliches Bakterienwachstum nicht zu verfälschen. Benötigt Ihr Arzt eine Stuhlprobe für eine spezielle Untersuchung, wird er Sie vorher informieren. Für einen Test auf Würmer sollte zum Beispiel an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine frische Stuhlprobe ins Labor gesandt werden. Und verschiedene tropische Erreger können am besten in einer Stuhlprobe gefunden werden, die nicht älter als eine Stunde ist.

Untersuchungsmöglichkeiten

Was der Arzt in der Stuhlprobe erkennen kann

Der behandelnde Arzt erhält vom Labor einen ausführlichen Untersuchungsbericht, den er im Zusammenhang mit Ihren Angaben aus dem Anamnesegespräch und den Ergebnissen der körperlichen Untersuchung sowie bildgebenden Verfahren interpretiert. Mögliche Untersuchungsergebnisse sind zum Beispiel:

  • Viren im Stuhl (Rotaviren, Noroviren, etc.)
  • krankmachende Bakterien im Stuhl (Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Helicobacter pylori, etc.), die auf einem Nährboden angezüchtet werden können und auf ihre Resistenz gegenüber verschiedenen Antibiotika getestet werden
  • Parasiten im Stuhl (einheimische Würmer und tropische Parasiten)
  • okkultes (verstecktes) Blut im Stuhl, zur Abklärung von möglichen Polypen, Darmkrebs oder generell entzündlichen Prozessen im Darm
  • molekulare Marker (M2PK) zeigen, wie wahrscheinlich sich ein Tumor im Dickdarm entwickelt
  • Histamin als Entzündungsmarker
  • der pH-Wert des Stuhls kann Verdauungsprobleme aufzeigen
  • das Alpha-1-Antitrypsin steht für die Verdauungsleistung der Bauchspeicheldrüse
  • das sekretorische IgA (Antikörper) repräsentiert einen Teil des Immunsystems
  • Nahrungsbestandteile im Stuhl, die Rückschlüsse auf die Funktion der Verdauung zulassen, wie Stärke, Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße
Analyse der Darmflora

Die Analyse der Darmflora

Über den Gesundheitszustand eines Patienten, sein Immunsystem, einzelne Verdauungsprozesse sowie Entzündungen des Darms kann die Zusammensetzung der Darmflora Auskunft geben. Das sogenannte Leitkeimprofil zeigt, welche guten Bakterien wie im Darm verteilt sind. Aber auch potenziell krankmachende Keime sind von Interesse. Der Arzt kann anhand der Stuhluntersuchung erkennen, ob das Gleichgewicht im Darm zwischen der Darmflora, den Zellen der Darmschleimhaut, den Darmsekreten und dem Immunsystem gestört ist. Wichtige Verdauungsorgane wie die Bauchspeicheldrüse, der Magen, die Galle und die Leber können ebenfalls in ihrer Funktion beurteilt werden.

Kosten
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Welche Untersuchungen die Krankenkasse erstattet

Vom Arzt im akuten Krankheitsfall angeforderte Untersuchungen werden im Regelfall sowohl von der gesetzlichen als auch von der privaten Krankenkasse übernommen. Die Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl (okkultes Blut) im Rahmen der Darmkrebsvorsorge ist seit April 2017 keine Kassenleistung mehr. Stattdessen stehen gesetzlich Versicherten von nun an quantitative immunologische Stuhltests zur Darmkrebs-Früherkennung zur Verfügung. Anspruch auf die neue Kassenleistung haben Patienten ab 50 Jahren.  

Stuhlanalysen der Darmflora werden zum Teil bei akuten Durchfallerkrankungen zum Beispiel nach einem Tropenaufenthalt erstattet. In Zusammenhang mit einer schulmedizinischen Diagnose und einer Überweisung vom Arzt haben Sie ebenfalls Chancen, zumindest einen Kostenzuschuss zu erhalten.

Stuhlprobe auf eigene Kosten?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, vorliegende Symptome mit einem Arzt zu besprechen und das diagnostische Vorgehen gemeinsam zu planen. Ist dies aus verschiedenen Gründen nicht möglich, können Sie auch privat eine Stuhlanalyse bei einem Labor in Auftrag geben. Leiden Sie immer wieder an Infekten, gehören Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung zu Ihrem Alltag? Sind Sie Allergiker oder vermuten Sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit bei sich? Auch die Ursache von Hautproblemen oder allgemeinen Symptomen wie ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie Konzentrationsprobleme können eventuell mit einer Stuhluntersuchung aufgedeckt werden. Die Kosten unterscheiden sich von Labor zu Labor. Lassen Sie sich zu Beginn entsprechend beraten. Eine orientierende Untersuchung der Darmflora und der Verdauungsfunktionen kann zwischen 100 Euro und 300 Euro kosten. Einzelne Untersuchungen liegen in einem Bereich zwischen 10 Euro und 70 Euro.

Quellen

  • Elvira Bierbach, Naturheilpraxis heute: Lehrbuch und Atlas - mit Zugang zum Elsevier-Portal, Elsevier Health Sciences, 2013
  • Irmtraut Koop, Gastroenterologie compact: Alles für Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Giulia Enders, Darm mit Charme, Alles über ein unterschätztes Organ, Ullstein, Berlin 2014
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Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin