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Krankheiten & Symptome

Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)

Ein Reizmagen fasst Symptome wie Völlegefühl, Krämpfe und Bauchschmerzen zusammen, für die es keine organische Ursache gibt. Oft spielt auch die Psyche eine Rolle.
Zuletzt aktualisiert am: 13.04.2017
Inhalt

Der Reizmagen oder das Reizmagensyndrom gehört wie der Reizdarm zu den funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Mediziner sprechen auch von einer funktionellen Dyspepsie, einer funktionellen Verdauungsstörung. Die Erkrankung fasst mehrere Symptome zusammen, die im Oberbauch entstehen, aber keine erkennbare organische Ursache haben. Die medizinische Forschung ist der Entstehung des Syndroms derzeit noch auf der Spur, seine Ursachen sind noch nicht vollständig bekannt. Aktuell wird zum Beispiel eine verstärkte Wahrnehmung von Schmerzen oder eine herabgesetzte Magenbeweglichkeit diskutiert.

Ein Reizmagen tritt auch in Kombination mit einem Reizdarm oder einer Refluxkrankheit auf, was die Diagnose zusätzlich erschwert. Da die Symptome variieren und schubweise auftreten können, besteht ein Reizmagen oft über Monate bis Jahre, bevor die definitive Diagnose gestellt wird. Dabei tritt die Erkrankung in Deutschland relativ häufig auf. Bei circa 50 Prozent der Patienten mit Verdauungsbeschwerden können Mediziner keine organische Ursache entdecken.

Die Prognose bei Reizmagen ist recht günstig, da keine schwerwiegenden Folgeerkrankungen zu erwarten sind. Trotzdem ist noch keine medikamentöse Heilung möglich und die Erkrankung kann die Betroffenen schubweise über eine lange Zeit begleiten.

Ursachen

Die Ursachen für Reizmagen

Da die Organe des Magen-Darm-Trakts bei einem Reizmagen gesund sind, werden andere Faktoren für die Entstehung der Funktionsstörung in Erwägung gezogen.

  • Motilitätsstörung: Sind die Bewegungsabläufe im Magen und im anschließenden Verdauungstrakt zu langsam (selten auch zu schnell), wird die Nahrung unzureichend verarbeitet und es kann ein Reizmagen entstehen
  • Störung des Nervensystems von Magen und Dünndarm: Reagiert das Nervensystem überempfindlich auf Reize aus der Umgebung und aus dem eigenen Körper, oder ist die Schmerzwahrnehmung gesteigert, kann dies zu einem Reizmagen führen
  • Genetische Faktoren: Studien haben Hinweise darauf geliefert, dass ein Reizmagen erblich bedingt sein kann
  • Magensäureüberschuss: In wenigen Fällen wird eine Überproduktion von Magensäure für einen Reizmagen verantwortlich gemacht. Trotz einer unauffälligen Magenschleimhaut helfen diesen Patienten Medikamente, die die Magensäure reduzieren
  • Infektion mit Bakterien: Aktuelle Studien legen nahe, dass ein Reizmagen im Anschluss an eine Infektion des Magens durch Helicobacter-pylori-Bakterien entstehen kann
  • Psychische Faktoren wie Stress und ungesunde Ernährungsangewohnheiten können einen Reizmagen ebenfalls negativ beeinflussen.
Symptome

Symptome bei Reizmagen

Typischerweise sind die meisten Beschwerden, die Patienten im Zusammenhang mit einem Reizmagen angeben, mit der Verdauung verbunden. Zu Beginn verspüren Betroffene ein Druckgefühl im Oberbauch, gefolgt von Magenschmerzen und Krämpfen, die gürtelförmig ausstrahlen können. Ein häufiges Symptom ist dazu das Völlegefühl, das unabhängig von der Menge der aufgenommenen Nahrung auftritt. Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Betroffene leiden an saurem Aufstoßen und Appetitlosigkeit.

Auch die plötzliche Entwicklung einer Abneigung gegenüber Lebensmitteln, die vorher gerne gegessen wurden, ist typisch für einen Reizmagen. All diese Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten. Sie hängen in unterschiedlichem Grad von der Zeit der Nahrungsaufnahme ab. Jeder Patient hat sein individuelles Beschwerdebild und reagiert anders auf therapeutische Maßnahmen.

Allgemeine Symptome, die bei Reizmagen außerdem auftreten können:

  • Kreislaufprobleme
  • vermehrtes Schwitzen
  • Stechen in der Herzgegend
  • Herzrasen

Diese Beschwerden sind zum Teil auf eine Fehlregulation des Nervensystems, das den Magen-Darm-Trakt versorgt, zurückzuführen.

Diagnose
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Wie die Diagnose Reizmagen gefunden wird

Da das Syndrom zu einem großen Teil eine Ausschlussdiagnose ist, gibt es derzeit noch keine diagnostischen Tests, mit denen sich die Erkrankung direkt nachweisen lässt. Die Diagnosefindung gestaltet sich daher schwierig. Wenn Sie einen Hausarzt, Internisten oder Gastroenterologen aufgrund Ihrer Verdauungsbeschwerden aufsuchen, wird der Mediziner daher einem Schema folgen, um keine andere behandlungsbedürftige Erkrankung zu übersehen.

Das Patientengespräch

Bereiten Sie sich vor dem Gespräch mit Ihrem Arzt gut vor, weil er eine Menge Fragen an Sie haben wird. Eine sorgfältige Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese) führt die folgenden Untersuchungen in die richtige Richtung. Beschreiben Sie Ihre aktuellen Symptome so genau wie möglich. Denken Sie auch über Ihre Ernährungsgewohnheiten nach. Legen Sie am besten bereits in den Wochen vor dem Arzttermin ein Ernährungstagebuch an und halten darin Ihre Beschwerden und Ernährungsgewohnheiten detailliert mit Datum und Uhrzeit fest. Erkennt der Mediziner hier bestimmte Muster, führt ihn das bereits auf die Spur einer funktionellen Magen-Darm-Erkrankung wie dem Reizmagen. Ihr Arzt wird sich außerdem für Ihren Beruf und Ihre Familiensituation interessieren.

Weitere Fragen gelten

  • der Einnahme von Medikamente,
  • Ihrem Konsum von Alkohol und Nikotin,
  • möglichen Vorerkrankungen (besonders Nahrungsmittelunverträglichkeiten und vorangegangenen Infektionen des Magens mit Helicobacter pylori),
  • Ihrem Schlafverhalten,
  • beruflichem oder privatem Stress

Die körperliche Untersuchung

Es folgt eine sorgfältige körperliche Untersuchung, die sich besonders auf den Bereich des Bauches konzentriert. Auch ohne technische Geräte erhält Ihr Arzt dadurch erste wichtige Informationen über Ihre inneren Organe und Ihren allgemeinen Gesundheitszustand. Die Messung von Puls, Temperatur und Blutdruck gehört ebenfalls zur Routine.

Laboruntersuchungen

Zu einer ersten Abklärung Ihrer Verdauungsbeschwerden gehört auch eine Untersuchung Ihrer Blutwerte. Ein Routinelabor umfasst Entzündungszeichen, Leberwerte, Nierenwerte und Elektrolyte. In einer Stuhlprobe werden eventuell die Zusammensetzung des Stuhls und das Vorhandensein von Krankheitserregern untersucht. Bei einem Reizmagensyndrom erwartet Ihr Arzt Normalwerte. Auffälligkeiten lenken die Diagnostik eher in eine andere Richtung.

Bildgebende Verfahren

Dauern Ihre Beschwerden bereits Wochen bis Monate an, wird Ihr behandelnder Arzt wahrscheinlich einen Schritt weiter zur bildgebenden Diagnostik gehen. Die unkomplizierteste Untersuchung ist hier ein Ultraschall (Sonografie) Ihres Bauches. Während Sie entspannt auf der Untersuchungsliege liegen, sieht der Mediziner per Schallkopf direkt in Ihren Bauch hinein. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Minuten und tut nicht weh. Der Ultraschall macht strukturelle Veränderungen an den Bauchorganen sichtbar. Auch hier sind bei einem Reizmage keine Auffälligkeiten zu erwarten.

Die Magenspiegelung

Konnte Ihr Arzt bis jetzt keine Ursache für Ihre Symptome finden, wird er Ihnen eine Magenspiegelung vorschlagen. Im Fall eines Reizmagens ist der Befund einer Magenspiegelung völlig normal. Die endoskopische Untersuchung wird auch Gastroskopie genannt und liefert per Kamera einen direkten Einblick in die Speiseröhre, den Magen und den anschließenden Zwölffingerdarm. Mit einer speziellen integrierten Zange kann der Mediziner direkt Proben der Schleimhaut entnehmen. Meist wird die Gastroskopie von einem Gastroenterologen durchgeführt, einem Spezialisten für den Magen-Darm-Trakt. Die Kamera sitzt an einem langen Schlauch, dem Endoskop, das vorsichtig über den Mund in Ihren Magen eingeführt wird. Sie liegen bei der Untersuchung auf der Seite und erhalten ein Spray gegen den Würgereiz, der aber rasch vergeht, wenn die Spitze des Endoskops den Rachen und den Kehlkopf passiert hat. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Möglichkeit während der Gastroskopie eine Sedierung oder eine Kurznarkose zu erhalten.

Rom-II-Kriterien bei Reizmagen

Wissenschaftler haben mit den sogenannten Rom-II-Kriterien für die funktionelle Dyspepsie eine allgemeingültige Definition der Erkrankung entwickelt, nicht zuletzt um Studien vergleichbar zu machen. Es treffen folgende Punkte während der letzten 12 Monate über mindestens 12 Wochen zu:

  • Der Patient sucht aufgrund von wiederkehrenden oder durchgängig vorhandenen Oberbauchbeschwerden wie Schmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, etc. einen Arzt auf
  • Es liegt kein Hinweis auf eine organische Erkrankung vor.
  • Die Beschwerden haben keinen Zusammenhang mit dem Absetzen von Stuhl und es tritt keine Veränderung der Stuhlkonsistenz oder der Stuhlfrequenz auf.
Behandlung

Therapie bei Reizmagen

Die medikamentöse Behandlung der funktionellen Dyspepsie bezieht sich auf die Symptome. Die Erkrankung selbst kann durch Medikamente nicht direkt gebessert oder geheilt werden. Oft behandeln Mediziner mit einer Kombination aus pflanzlichen und schulmedizinischen Wirkstoffen. Möchten Sie selbst noch etwas tun, stehen Ihnen verschiedene Hausmittel zur Verfügung, die eine Verbesserung der Symptome versprechen.

Sanfte Mittel aus der Naturheilkunde
Weitere Hausmittel

Andere Hausmittel bei Reizmagen

  • Rühren Sie einen Teelöffel Apfelessig in ein Glas (250 ml) lauwarmes Wasser. Trinken Sie die Mischung nach einer Mahlzeit, wenn Sie Völlegefühl verspüren.
  • Lösen Sie einen Teelöffel Bikarbonatpulver in 300 ml Wasser auf, geben Sie ein paar Tropfen Zitronensaft hinzu und trinken Sie die Lösung bei eher säurebedingten Beschwerden. Das Bikarbonat neutralisiert die Magensäure für kurze Zeit.
  • Erlernen Sie Entspannungsstrategien, um die Stresskomponente der Erkrankung auszuschalten.
Wirkstoffe aus der Schulmedizin

Wirkstoffe aus der Schulmedizin

Kommt ein Patient mit Reizmagensyndrom auch nach der Anwendung von pflanzlichen Medikamenten und einer Umstellung seiner Lebens- und Ernährungsweise nicht zur Ruhe, verordnet der behandelnde Arzt für den Zeitraum von wenigen Wochen ein schulmedizinisches Medikament. Welche kommen hier in Frage?

  • Protonenpumpenhemmer (z.B. Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol) blockieren Enzyme in der Magenschleimhaut, die für die Ausschüttung von Magensäure zuständig sind. Patienten, die vorrangig säurebedingte Beschwerden haben, profitieren von diesem Medikament am meisten. Bekannte Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Schwindel, Kopfschmerzen und vermehrte Müdigkeit.
  • Histamin-H2-Rezeptor-Antagonisten besetzen die entsprechenden Rezeptoren und hemmen so die Ausschüttung von Magensäure und Pepsin. Ihre Wirkung entspricht der von Protonenpumpenhemmern und auch das Spektrum der Nebenwirkungen ist vergleichbar.
  • Prokinetika (Domperidon, Metoclopramid) helfen Patienten, die an Magendruck, Völlegefühl, Übelkeit und nicht-saurem Aufstoßen leiden. Diese Wirkstoffe besetzen bestimmte Rezeptoren in den Zellen und regen so die Magen-Darm-Bewegungen an. Die Passage der Nahrung durch den Magen und den Darm wird beschleunigt und die Symptome werden gelindert. Bekannte Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Unruhe, Depressionen, Störungen des Bewegungsablaufs, eine übermäßige Produktion des Hormons Prolaktin, allergische Reaktionen und Herzrhythmusstörungen.

Beseitigung des Bakteriums Helicobacter pylori

In wenigen Fällen kann ein Reizmagensyndrom mit einer Infektion durch Helicobacter pylori zusammenhängen. Wurde das Bakterium nachgewiesen, ist eine Therapieoption die medikamentöse Eradikation. Der Patient erhält eine Kombination aus zwei verschiedenen Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer über einen Zeitraum von bis zu zehn Tagen. Das Ziel ist eine vollständige Beseitigung des Helicobacters. Eine eventuelle Besserung der funktionellen Dyspepsie zeigt sich erst Wochen bis Monate nach der Therapie. Mögliche Nebenwirkungen der Medikamentenkombination sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Blähungen.

Der psychosomatische Aspekt der funktionellen Dyspepsie

Studien haben gezeigt, dass besonders bei ausgeprägten Formen des Reizmagensyndroms eine medikamentöse Therapie alleine nicht ausreicht. Eine optimale Behandlung schließt eine Verhaltenstherapie ein, die dem Patienten hilft, Zusammenhänge der Erkrankung zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Eine psychodynamische oder kognitive Verhaltenstherapie kurzer Dauer (10 bis 20 Therapiestunden) ist häufig schon ausreichend, um sich auf die Erkrankung einzustellen.

Ernährung bei Reizmagen
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Ernährung im Rahmen des Reizmagensyndroms

Bislang konnte keine spezielle Diät für funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizmagen oder Reizdarmentwickelt werden. Oberste Priorität haben eine gesunde Lebensweise und ein sensibler Umgang mit dem eigenen Magen. Welche Zeichen sendet Ihnen Ihr Körper? Hören Sie auf ihn und lassen Sie Lebensmittel weg, die Sie wiederholt nicht vertragen haben. Das bereits erwähnte Ernährungstagebuch kann Ihnen helfen, Zusammenhänge aufzudecken. Notieren Sie Lebensmittel, Getränke und Beschwerden genau mit Datum und Uhrzeit. Stehen Sie öfter unter Stress, berücksichtigen Sie auch dies in Ihren Aufzeichnungen. Ein paar Regeln für eine gesunde Ernährung sind:

  • Essen Sie in Ruhe und kauen Sie sorgfältig. Zählen Sie am Anfang, wie oft Sie einen Bissen kauen, bevor Sie ihn schlucken. Lassen Sie sich nicht von Fernseher oder Smartphone ablenken. Führen Sie keine unangenehmen Tischgespräche.
  • Stellen Sie Ihren Speiseplan auf circa fünf kleinere Mahlzeiten um. So vermeiden Sie es, sich den Magen zu voll zu schlagen.
  • Bleiben Sie auf dem sprichwörtlichen goldenen Mittelweg und vermeiden Sie Extreme in Ihrer Ernährung. Meiden Sie zu süßes, zu salziges und zu fettes Essen. Würzen Sie nur mäßig und verzichten Sie auf Kohlensäure, Alkohol und Nikotin. Genießen Sie Ihre Mahlzeiten warm, aber nicht heiß oder eisgekühlt.

Quellen:

  • Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2014, Köln Gerd Herold
  • Fülgraff, Pharmakotherapie, klinische Pharmakologie, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1997
  • Helmut Messmann, Klinische Gastroenterologie: Das Buch für Fort- und Weiterbildung plus DVD mit über 1.000 Befunden, Georg Thieme Verlag, 2011
  • http://www.docjones.de/krankheiten/reizmagen/reizmagen-pflanzliche-wirkstoffe
  • Functional Dyspepsia. Talley, Nicholas J; Ford, Alexander C (2015). The New England journal of medicine vol. 373 (19) p. 1853-63
  • Helicobacter pylori eradication: role of individual therapy constituents and therapy duration.
  • Qasim, Asghar; O'Morain, Colm A; O'Connor, Humphrey J (2009). Fundamental & clinical pharmacology vol. 23 (1) p. 43-52
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