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Krankheiten & Symptome

Akute Gastritis: Symptome und Behandlung

Leiden Sie ganz plötzlich an Völlegefühl, Magenschmerzen und Übelkeit, kann eine akute Entzündung der Magenschleimhaut vorliegen.
Zuletzt aktualisiert am: 05.02.2018
Inhalt

Um zu verstehen, wie es zu einer akuten Gastritis kommen kann, ist es sinnvoll, sich den Aufbau der Magenschleimhaut zu veranschaulichen. Die Schleimhaut bildet die innere Oberfläche des Magens und verfügt über mehrere Schichten und Schutzmechanismen, die ihn vor dem sauren Magensaft schützen. Mit dem bloßen Auge werden auf der spiegelnden rosa Oberfläche die Falten sichtbar, in die die Schleimhaut gelegt ist. Mit einem Endoskop kann der Mediziner die sogenannte Magenstraße betrachten, die von der Speiseröhre bis zum Magenausgang verläuft und für eine umkomplizierte Passage der Nahrung durch den Magen sorgt.

Allgemeine Tipps

Allgemeine Tipps bei Gastritis

  • Nehmen Sie Abstand vom Rauchen.
  • Gönnen Sie sich Ruhepausen im Liegen.
  • Vermeiden Sie die Einnahme von Medikamenten, die Ihrer Magenschleimhaut schaden können. Besprechen Sie Ihren Behandlungsplan mit Ihrem Arzt und vergessen Sie auch die Selbstmedikation mit Kopfschmerztabletten oder Erkältungsmitteln nicht.
  • Probieren Sie verschiedene Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training aus.

Die Magenschleimhaut unter dem Mikroskop

Das Mikroskop erlaubt einen genauen Blick auf die ca. einen halben Zentimeter dicke Schleimhaut des Magens. Sie ist nicht eben, sondern von vielen kleinen Grübchen durchzogen. Auf den Grund der Grübchen münden die Gänge der Magendrüsen. Die oberste Schicht der Magenschleimhaut besteht aus einem einschichtigen Epithel, das die Zellen zur Produktion von Magensäure enthält. Zusätzlich entsteht hier ein schützender Schleim, der sich auf die Schleimhaut legt, um sie vor dem säurehaltigen Mageninhalt zu schützen. Die nächste Schicht besteht aus Bindegewebe und enthält Blutgefäße, Lymphgefäße und Drüsen. Sie ist für die Regeneration der Schleimhaut verantwortlich. Es folgt die sogenannte Submukosa, eine Schleimhautschicht mit einer Ansammlung von Nervenzellen, die auch die Magenmuskulatur versorgt. Eine Muskelschicht bedeckt die Magenschleimhaut von außen.

Schutzschicht aus Schleim: Wie die Magenschleimhaut funktioniert

Die Magenschleimhaut produziert Verdauungsstoffe und bildet eine Schutzschicht vor der aggressiven Magensäure. Schon am Mageneingang wird vermehrt Schleim produziert, während Enzyme das Eindringen von Bakterien verhindern. Die Verdauungsarbeit durch die Magensäure findet hauptsächlich im mittleren Teil des Magens statt. In Richtung des Magenausgangs überwiegt wieder die Schleimproduktion, um den niedrigen pH-Wert des Mageninhalts zu erhöhen und die anschließenden Darmabschnitte nicht zu schädigen. Ohne die verschiedenen Funktionen der Magenschleimhaut würde sich das Organ selbst verdauen. Dieser Prozess setzt für gewöhnlich erst nach dem Tod eines Menschen ein. Oder an definierten Stellen des Magens, wenn ein Magengeschwür auftritt.

Ursachen und Formen

Ursachen und Formen der Gastritis

Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut. Sie kann oberflächlich auftreten oder sich im Verlauf weiter in die Tiefe der Schleimhautschichten ausbreiten. Je nach Verlauf beobachten Mediziner zwei unterschiedliche Formen, die akute und die chronische Gastritis.

Die akute Gastritis

Im Zusammenhang mit äußeren Einflüssen wie übermäßigem Alkoholgenuss oder einer Lebensmittelvergiftung (zum Beispiel durch Salmonellen oder Staphylokokken) kann sich die Magenschleimhaut akut entzünden. Auch extremer Stress wie nach einer Operation oder einer großflächigen Verbrennung kann zu einer akuten Gastritis führen. Scharfe Gewürze, Alkohol, Medikamente oder Stresshormone können die schützende Magenschleimhaut schädigen. Im Anschluss dringt die aggressive Magensäure in die tieferen Schichten der Magenwand vor und löst dort eine Entzündungsreaktion aus.

Die Erkrankung ist zeitlich beschränkt und gut behandelbar. In den meisten Fällen heilt eine akute Magenschleimhautentzündung komplikationslos aus. Die Dauer der Erkrankung ist von vielen Faktoren abhängig. Sie kann binnen weniger Tage wieder abgeheilt sein oder über Wochen andauern. Unter Umständen kann die akute Gastritis aber auch in eine chronische Form übergehen. In diesen Fällen reagiert zum Beispiel das betroffene Immunsystem zu stark, es kommt das Bakterium Helicobacter pylori ins Spiel oder auslösende Medikamente werden über einen langen Zeitraum eingenommen.  

Weitere mögliche Ursachen einer Gastritis:

  • fettreiches, scharfes Essen
  • regelmäßiger Konsum von Nikotin
  • Leistungssport (dem sogenannten „Runner’s stomach“ liegt eine Übersäuerung des Magens durch die Kombination von intensiver physischer Anstrengung und einer Ernährung mit einem hohen Anteil an Kohlehydraten zugrunde.)
  • Medikamente (Aspirin, Ibuprofen, etc.)
  • Kortison in hoher Therapiedosis
  • Chemotherapie
  • Gehirnerkrankungen
  • körperliche oder seelische Stressfaktoren

Die chronische Gastritis

Eine chronische Magenschleimhautentzündung kann über Jahre unbemerkt verlaufen. Meist tritt die Erkrankung in der zweiten Lebenshälfte auf. Obwohl die Symptome in der Regel unauffällig sind, ist eine Behandlung wichtig, um Komplikationen wie Magengeschwüre zu vermeiden. Eine häufige Ursache für eine chronische Gastritis ist das Bakterium Helicobacter Pylori. Aber auch Medikamente oder das eigene Immunsystem kommen als Auslöser infrage. Lesen Sie zu dieser Erkrankung unseren speziellen Ratgeber zur chronischen Gastritis.

Symptome
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Symptome der akuten Magenschleimhautentzündung

Eine akute Gastritis tritt ganz plötzlich auf und kann sehr schmerzhaft sein. Betroffene berichten von ziehenden oder stechenden Schmerzen im Oberbauch, direkt am Rippenbogen oder unterhalb des Brustbeins. Der Arzt stellt bei der Untersuchung oft zusätzlich einen Druckschmerz an der Stelle fest. Eventuell strahlen die Schmerzen bis in den Rücken aus.

Typische Beschwerden sind außerdem:

Wie der Arzt eine akute Gastritis diagnostiziert

Im ersten Patientengespräch erfragt der Hausarzt, Internist oder Gastroenterologe (Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen) gezielt Ihre Ernährungsgewohnheiten, Ihre Lebensumstände, Vorerkrankungen und die Einnahme von Medikamenten. Zusammen mit der Beschreibung Ihrer Symptome und dem körperlichen Untersuchungsbefund kommt rasch der Verdacht auf eine akute Gastritis auf.

Bildgebende Verfahren

Um einen ersten Eindruck der Magenschleimhaut zu erhalten, nutzt der Arzt die Sonografie. Eine Ultraschalluntersuchung kann Hinweise auf einen entzündlichen Prozess liefern und ähnliche Diagnosen ausschließen. Deutlich bessere Ergebnisse erzielt der Mediziner aber mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie). Für diese Untersuchung wird Ihnen ein flexibler Schlauch mit einer Kamera und einer Lichtquelle an der Spitze über die Speiseröhre in den Magen geschoben. Der Mediziner kann sich so die Magenschleimhaut direkt ansehen und mit einer kleinen Zange Proben entnehmen. Im Labor können die Zellen unter dem Mikroskop auf entzündliche Veränderungen untersucht werden. Eine Magenspiegelung kann etwas unangenehm sein, wird aber selten als schmerzhaft empfunden. Bei Bedarf gibt Ihnen der untersuchende Arzt ein Beruhigungsmittel, damit Sie möglichst wenig von dem Schlauch in Ihrem Hals mitbekommen. Lesen Sie zum Thema Gastroskopie auch unseren ausführlichen Ratgeber.

Therapie

Die Therapie einer akuten Gastritis

Zunächst wird Ihr Arzt Ihnen magenschonende Maßnahmen empfehlen. Schonkost oder eine kurze Fastenperiode ergänzt sich mit körperlicher und seelischer Entspannung. Zusätzlich verschreibt Ihr Arzt Ihnen eventuell Medikamente, um die akute Gastritis rasch in den Griff zu bekommen. Die Wirkstoffe puffern die Magensäure oder hemmen ihre Produktion, um der Schleimhaut des Magens eine Erholungspause zu gewähren, in der sie weder Magensäure ausschütten noch die empfindliche Magenwand schützen muss. 

Folgende Substanzen kommen dafür infrage:

  • Antazida: Binden die Magensäure und haben eine relativ kurze Wirkungsdauer
  • Antihistaminika oder H2-Blocker: Hemmung der Wirkung von Histamin und somit Drosselung der Sekretion von Magensäure, stärkste Wirkung über Nacht
  • Protonenpumpenhemmer: Hemmung der Protonenpumpe direkt in der Zelle stoppt die Ausschüttung von Magensäure, lange Wirkungsdauer über Tage
  • Prokinetika: beschleunigen die Verdauung und haben einen mildernden Effekt auf Erbrechen und Übelkeit

Ernährung bei akuter Gastritis

Ein wichtiger Bestandteil der Therapie einer akuten Gastritis ist die Ernährung. Lindern Sie die akute Entzündung zum Beispiel, indem Sie ein bis zwei Tage ganz auf Nahrung verzichten oder nur Schonkost zu sich nehmen. Achten Sie darauf, viel zu trinken. Stilles Wasser und milde Kräutertees bieten sich hier an, da sie die Magenschleimhaut nicht reizen. Beginnen Sie den Kostaufbau mit kleinen Mahlzeiten. Eine Besserung wird bei einer akuten Gastritis meist rasch spürbar. Pflegen Sie Ihre Magenschleimhaut mit Reisschleim, eingeweichtem Zwieback und geriebenem Apfel oder Apfelmus.

Auf die folgenden Nahrungs- und Genussmittel sollten Sie im Rahmen einer Gastritiserkrankung besser verzichten:

  • Alkohol
  • Kaffee
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • säurehaltige Säfte
  • Zitrusfrüchte
  • fette Speisen
  • stark gewürzte Speisen
  • Süßigkeiten

Sobald eine akute Gastritis ausgeheilt ist, können Sie sich langsam wieder an die genannten Lebensmittel wagen. Achten Sie dabei aber gut auf die Reaktion Ihres Magens. Vertragen Sie Alkohol oder Kaffee zum Beispiel nur schlecht, verzichten Sie in Zukunft besser darauf. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, welche Vorgehensweise er empfiehlt, wenn Sie an einer chronischen Gastritis leiden. Wenn es Ihnen zum Beispiel schwerfällt, ganz auf Ihren Kaffee oder die geliebte Schokolade zu verzichten, probieren Sie es mit Milchkaffee oder weißer Schokolade. Mehrere kleine Mahlzeiten schonen den Magen. Gönnen Sie Ihrem Verdauungssystem regelmäßige Pausen, lassen Sie den Hunger aber nicht zu groß werden. Gute Zwischenmahlzeiten sind zum Beispiel magerer Quark oder Joghurt und mildes Obst.    

Quellen

  • Herbert Lippert, Lehrbuch Anatomie, Urban und Schwarzenberg, München 1993
  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2012
  • Wolfgang Gerok, Die Innere Medizin: Referenzwerk für den Facharzt, Schattauer Verlag, 2007
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