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Krankheiten & Symptome

Chronische Gastritis: Formen, Diagnose, Behandlung

Eine chronische Magenschleimhautentzündung zeigt sich oft nur durch unspezifische Beschwerden. Alles über Formen, Diagnose und Behandlung.
Helicobacter pylori bei chronischer Gastritis
Inhalt

Hausärzte und Gastroenterologen sehen regelmäßig Patienten mit einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) in ihren Praxen. Die akute und die chronische Form der Gastritis fallen durch ähnliche Symptome auf. Erste Beschwerden sind häufig diskret und ziehen sich über einen langen Zeitraum hin, bevor der Betroffene seinen Hausarzt aufsucht. Eine chronische Gastritis kann diverse Ursachen haben. Wissenschaftler unterteilen die Erkrankung daher in unterschiedliche Typen.

Symptome und Formen

Symptome und Formen einer chronischen Gastritis

Bis eine chronische Gastritis deutlich spürbare Beschwerden verursacht, können Monate bis Jahre vergehen. Je nach Typ der Erkrankung können unterschiedliche Symptome auftreten. Eine Besiedelung des Magen-Darm-Trakts mit dem Bakterium Helicobacter pylori kann Mundgeruch oder unspezifische Beschwerden im Oberbauch verursachen. Das Krankheitsbild ist klinisch schwer von einer akuten Magenschleimhautentzündung zu unterscheiden. Mögliche Symptome sind zum Beispiel:

Formen der chronischen Gastritis

Mediziner sprechen bei einer chronischen Gastritis von den Typen A, B und C sowie von selteneren Sonderformen. Die Häufigkeitsverteilung zeigt, dass die Gastritis vom Typ B mit 80 Prozent der Betroffenen unangefochten an der Spitze steht. Jedem Gastritis-Typ liegt eine andere Ursache zugrunde.

Typ A der chronischen Gastritis (autoimmune Gastritis)
Circa fünf Prozent der Fälle einer chronischen Magenschleimhautentzündung basieren auf einer Fehlleitung des körpereigenen Abwehrsystems und werden als Typ A oder auch als Autoimmungastritis bezeichnet. Immunzellen stoßen die Zellen der Magenschleimhaut ab, was zu einer chronischen Entzündungsreaktion führen kann. Der genaue Mechanismus ist nicht bekannt. Meist ist hauptsächlich der Korpus des Magens (größter Anteil des Magens) betroffen. Die Typ-A-Gastritis kann Teil eines ganzen Autoimmunsyndroms sein und gemeinsam mit weiteren Erkrankungen wie einem Diabetes mellitus Typ 1, einer Hashimoto-Schilddrüsenentzündung sowie einem Morbus Addison (Zerstörung der Nebennierenrinde) auftreten.

Symptome

Nimmt die fehlgeleitete Abwehrreaktion im Magen ihren Lauf, kann sie verschiedene Ziele angreifen. Schädigt sie die Belegzellen, wird die Produktion der Magensäure heruntergefahren. Betroffene können so Verdauungsbeschwerden entwickeln oder einem erhöhten Risiko an Magen-Darm-Infektionen ausgesetzt sein, da aufgrund der fehlenden Magensäure weniger Keime abgetötet werden. Ein weiteres mögliches Symptom ist der Mangel an Vitamin B12 aufgrund eines Eiweißmangels im Rahmen der Autoimmunreaktion. Dem Vitaminmangel kann eine Blutarmut (perniziöse Anämie) folgen. Außerdem ist das Risiko für Magenkrebs bei Patienten mit einer Typ-A-Gastritis auf 1:3000 erhöht.
Typ B der chronischen Gastritis (bakterielle Gastritis)
Circa 80 Prozent der chronischen Magenschleimhautentzündungen haben eine bakterielle Ursache. In diesem Fall spricht man von einer Typ-B-Gastritis oder bakteriellen Gastritis. Meist ist die Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert. Sehr selten handelt es sich auch um den Erreger Helicobacter heilmannii, der durch Katzen und Hunde übertragen werden kann. Die Infektion kann von Mund zu Mund oder über die Aufnahme von kontaminierter Nahrung erfolgen. Mit dem Lebensalter nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, mit Helicobacter pylori infiziert zu sein. Menschen über 50 Jahre haben eine Chance von 50 Prozent, den Keim in ihrem Verdauungssystem zu beherbergen und eine chronische Gastritis zu entwickeln. Die Magenschleimhautentzündung vom Typ B ist vorwiegend im Antrum des Magens zu finden. Als Antrum wird der letzte Teil des Magens vor dem Magenausgang bezeichnet.

Symptome

Nach anfänglich eher unspezifischen Symptomen wie Mundgeruch und Druck im Oberbauch können Patienten mit einer Typ-B-Gastritis später typische Folgeerkrankungen entwickeln. Mediziner sprechen hier von einem Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni), von Magenkrebs oder von einem speziellen Krebs des Abwehrgewebes im Magen (MALT-Lymphom).
Typ C der chronischen Gastritis (chemische Gastritis)
Circa 15 Prozent der Betroffenen leiden an einem Typ C, der chemischen Gastritis. Für gewöhnlich verursachen Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Entzündung. Bekannte Wirkstoffe sind zum Beispiel Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure. Auch der Rückfluss von Galle in den Magen kann die empfindliche Schleimhaut chronisch reizen.

Symptome

Entsteht die Erkrankung nur aufgrund einer lokalen chemischen Reizung der Magenschleimhaut, sind die Symptome wenig ausgeprägt und bösartige Folgeerkrankungen nicht zu erwarten. Patienten berichten von Beschwerden wie Völlegefühl, Druck im Oberbauch und eventuell Sodbrennen. Selten entwickelt sich ein Magengeschwür oder eine Magenblutung.
Sonderformen der chronischen Gastritis
In seltenen Fällen liegt bei einer chronischen Gastritis keine genannten Typen vor, sondern es handelt sich um eine Sonderform. Denkbar ist zum Beispiel eine sogenannte Crohn-Gastritis. Sie tritt im Rahmen von Morbus Crohn auf, der eigentlich den Darm betrifft, sich aber auch bis in den Magen ausbreiten kann.
 
Allergiker können beispielsweise von einer eosinophilen Gastritis betroffen sein. Die Erkrankung erhält ihren Namen durch bestimmte Blutzellen, die bei einem allergischen Geschehen vermehrt auftreten.
 
Im Zusammenhang mit den Sonderformen der chronischen Gastritis können auch Magenblutungen und Magengeschwüre auftreten.
Diagnose

Diagnose einer chronischen Gastritis

Um eine chronische Gastritis korrekt zu diagnostizieren, führt der Gastroenterologe oder Internist eine Magenspiegelung durch. Während dieser sogenannten Gastroskopie entnimmt der Mediziner Proben aus der Schleimhaut an verschiedenen Stellen des Magens, die später im Labor unter dem Mikroskop auf Veränderungen in ihrer Struktur untersucht werden. Hier lässt sich auch erkennen, wie weit die chronische Entzündung bereits in die Tiefe der Magenwand vorgedrungen ist. Die Diagnostik schließt auch einen Test auf Helicobacter pylori ein.

Der Nachweis von Helicobacter pylori

Neben der Untersuchung der Schleimhautprobe kann der Arzt weitere Verfahren anwenden, um eine Infektion mit dem Bakterium nachzuweisen. Der Atemtest nutzt die Fähigkeit des Helicobacters radioaktiv markierten Harnstoff zu spalten, der in der Atemluft bei der Ausatmung gemessen werden kann. Eine weitere Testmethode ist der direkte Nachweis von Bestandteilen des Bakteriums im Stuhlgang. Im Blut findet der Arzt spezielle Antikörper, die das Immunsystem des Betroffenen gegen den Helicobacter gebildet hat.

Die Diagnose der chronischen Gastritis vom Typ A

Im Blut eines Patienten, der an einer Typ-A-Gastritis leidet, kann der Labormediziner Antikörper des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen nachweisen. Zusätzlich findet er eventuell eine Blutarmut mit unterdurchschnittlich kleinen roten Blutkörperchen, die auf eine Blutarmut (Anämie) hindeuten.

Therapie
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Die Behandlung einer chronischen Gastritis

Nach der korrekten Diagnose folgt im Falle einer Infektion mit Magenbakterien die Behandlung durch eine sogenannte Helicobacter-Eradikation, die der Arzt genau auf den vorliegenden Gastritis-Typ abstimmt. Liegt der häufige Typ B vor, töten Antibiotika in mehr als 90 Prozent der Fälle alle Helicobacter-Bakterien sicher ab. Eine Kombination aus zwei bis drei Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer ist die Standardtherapie. Der Protonenpumpenhemmer reduziert die Produktion von Magensäure und unterstützt so die rasche Abheilung der Magenschleimhaut sowie die Wirksamkeit der Antibiotika.

Gängige Therapieschemata für eine Eradikationsbehandlung sind:

  • Clarithromycin + Amoxicillin + Protonenpumpenhemmer (sog. Französisches Tripleschema)
  • Clarithromycin + Metronidazol + Protonenpumpenhemmer (sog. Italienisches Tripleschema)
  • Tetrazyklin + Metronidazol + Protonenpumpenhemmer + Wismutsubcitrat (Quadrupeltherapie)

Weitere Therapiemöglichkeiten

Patienten mit Vitamin-B12-Mangel und einer autoimmunen Gastritis (Typ A) behandelt der Arzt mit Vitamin-B12-Spritzen (Cobalamin). Diese Therapie kann im Verlauf nicht wieder abgesetzt werden, da es keine heilende Therapie für diese Form der Gastritis gibt. Bei einer Typ-C-Gastritis ist es besonders wichtig, die Medikamente abzusetzen, die die Erkrankung verursachen.

Naturheilkundliche Behandlung der chronischen Gastritis

Medikamente aus der Naturheilkunde können die Symptome einer chronischen Gastritis lindern und die Heilung der entzündeten Magenschleimhaut unterstützen.

Ein traditionelles Heilmittel ist die sogenannte Rollkur, die die heilenden Eigenschaften der Kamille nutzt. Ein Fertigpräparat mit Kamillenextrakt enthält alle wirksamen Bestandteile der Arzneipflanze. Kamillentee ist für die Behandlung nicht geeignet.

Die Rollkur wird mit einem Teelöffel Konzentrat auf eine Tasse warmes Wasser durchgeführt. Der beste Zeitpunkt für die Behandlung ist morgens vor dem Frühstück oder abends vor dem Zubettgehen. Mediziner empfehlen, die Kur bis zu viermal am Tag anzuwenden.

Hat der Patient die Kamillenextraktmischung getrunken, legt er sich erst für zwei bis fünf Minuten auf den Bauch, dann auf die eine Seite, den Rücken und abschließend auf die andere Seite. Er rollt quasi einmal um sich selbst. So verteilt sich das Naturheilmittel gründlich auf der ganzen Oberfläche der Magenschleimhaut.

Verlauf und Prognose

Verlauf und Prognose einer chronischen Gastritis

Viele Patienten bemerken lange Zeit nicht, dass sie an einer chronischen Magenschleimhautentzündung leiden. Symptome sind nur sehr diskret oder gar nicht vorhanden. Schließlich entdeckt der Hausarzt die Erkrankung als Zufallsbefund oder es treten im Verlauf Beschwerden auf, die zur Diagnose führen.

Eine autoimmune Gastritis (Typ A) kann nicht geheilt werden, schränkt aber die Lebensqualität in der Regel nicht merklich ein. Regelmäßige endoskopische Kontrollen sichern eine frühzeitige Diagnose und Therapie von schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Magenkrebs (Magenkarzinom).

Verlauf der chronischen Gastritis vom Typ B

Dieser Gastritis-Typ kann in über 90 Prozent der Fälle geheilt werden. Die notwendige antibiotische Therapie dauert mindestens eine Woche. Nach circa einem Monat bis sechs Wochen untersucht der behandelnde Arzt den Patienten erneut. War der Helicobacter gegen das erste Medikamentenschema resistent, stellt er die Behandlung um. Rückfälle nach der Abheilung der Entzündung kommen nur selten vor. Da das Risiko für Magenkrebs nach einer chronischen Gastritis erhöht ist, empfehlen Gastroenterologen regelmäßige ärztliche Kontrollen.

Verlauf der chronischen Gastritis vom Typ C

Konnte der Arzt die chemische Ursache für diese Form der Gastritis beseitigen, heilt die Magenschleimhaut ab und der Betroffene hat für gewöhnlich keine Folgeerkrankungen oder bleibende Schäden zu erwarten.

Quellen:

  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2012
  • Norbert Suttorp, Infektionskrankheiten : [verstehen, erkennen, behandeln], Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2004
  • Elvira Bierbach, Naturheilpraxis heute: Lehrbuch und Atlas - mit Zugang zum Elsevier-Portal, Elsevier Health Sciences, 2013
  • http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1385
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Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin