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Darm & Gesundheit

Einlauf selber machen: Gründe, Anleitung, Vorteile

Der Einlauf, auch als Klistier oder Klysma bezeichnet, ist ein gutes Beispiel für traditionelle Behandlungsmethoden, die auch heute noch relevant sind. Medizinkundige und Ärzte nutzen die Methode seit Jahrhunderten zur Diagnostik oder zur Behandlung von Erkrankungen.
Zuletzt aktualisiert am: 07.12.2017 13:47:56
Symbolbild Einlauf

Inhalt

Bei einem Einlauf werden Flüssigkeiten wie Wasser, Kontrastmittel, Medikamente oder Kochsalzlösungen werden über den After rückwärts in den Darm eingebracht und dort für eine Weile gehalten, bevor der Patient sie wieder ausscheidet. Im Zusammenhang mit Heilfasten wenden Patienten Einläufe auch gerne selbstständig an. Erfahren Sie hier mehr über die Vorteile der Behandlung und welche Risiken Sie beachten sollten.

Was ist ein Einlauf?

Woraus ein Einlauf besteht

Ein Einlauf besteht aus einem Plastikbehälter oder einem kleinen Plastikbeutel, der die Flüssigkeit enthält, sowie einem dünnen Schlauch aus Gummi oder Plastik, über den der Einlauf in den Darm geleitet wird. Für den Patienten ist es angenehmer, wenn Wasser, Salzlösung oder Kontrastmittel vor der Anwendung leicht erwärmt werden.

Die empfohlene Menge der Flüssigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der behandelnde Arzt orientiert sich zum Beispiel an Alter und Körpergewicht des Patienten, an seiner individuellen Erkrankung sowie dem Grund für den Einsatz des Einlaufs. Gängige Fertigprodukte aus der Apotheke, die zum einmaligen Gebrauch gedacht sind, beginnen bei circa fünf Millilitern Inhalt als Miniklistier und sind weiterhin in Größen bis zu 300 Millilitern erhältlich.

Wiederverwendbare Systeme können nach dem Gebrauch sterilisiert und vom Anwender selbst befüllt werden. Eine Darmspülung beinhaltet größere Flüssigkeitsmengen als der gewöhnliche Einlauf. Sie wird wiederholt durchgeführt, bis der Darm nur noch klare Flüssigkeit freigibt.

Anwendungsgebiete

Wann ein Einlauf angewendet werden kann

Häufig wird ein Einlauf zur Abhilfe bei akuter Verstopfung (Obstipation) genutzt. Die Maßnahme kann schnelle Abhilfe schaffen, wenn sich zu viel fester Stuhl im Enddarm angesammelt hat. Im weiteren Verlauf empfehlen Ärzte aber die Behandlung der Verstopfung mit Medikamenten, die über den Mund eingenommen werden.

Ein Einlauf sollte die Ausnahme bleiben, da er die zugrundeliegende Problematik nicht lösen kann. Weiterhin wird der Einlauf vor einer Operation oder einer Geburt eingesetzt. Der Patient führt so zum passenden Zeitpunkt ab und muss sich nicht unter Schmerzen noch zusätzlich mit dem Absetzen von Stuhl plagen. Auch nach einer Bauchoperation kann es unter Umständen etwas dauern bis der Darm wieder in Schwung kommt. Mediziner empfehlen in dieser Situation ebenfalls einen Einlauf, um einer akuten Verstopfung vorzubeugen.

Medikamente per Einlauf verabreichen

Ein Einlauf kann Medikamente enthalten, die der Körper über die Darmschleimhaut aufnimmt. Bei Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn bietet sich dieser Weg der Applikation an. Es besteht zudem die Möglichkeit, unerwünschte Stoffe, die sich aufgrund eines Leber- oder Nierenversagens im Blut sammeln, per Einlauf zu entfernen. Im Fall des erhöhten Ammoniaks bei Leberproblemen enthält das Klistier zum Beispiel Lactulose. Das Medikament bindet das überschüssige Ammoniak und scheidet es direkt aus.

Der Einlauf zur Unterstützung diagnostischer Maßnahmen

Ein sauberer Darm ist bei einer endoskopischen Untersuchung besonders wichtig. Während einer Darmspiegelung kann der Arzt die Schleimhaut nur beurteilen, wenn keine Stuhlreste oder Nahrungsbestandteile die Sicht versperren. Zur Vorbereitung auf eine Untersuchung des gesamten Dickdarms erhält der Patient meist ein stark abführendes Medikament, das den Darm über mehrere Tage reinigt. Interessiert sich der Mediziner aber nur für den letzten Teil des Darms, ist die Anwendung eines Einlaufs oder einer Darmspülung sinnvoller.

Eine weitere Funktion findet der Einlauf bei Röntgenuntersuchungen oder im Rahmen einer Magnetresonanztomografie (MRT). Per Klistier füllt der Radiologe den Darm des Patienten mit Kontrastmittel, das verschiedene Strukturen oder Erkrankungen auf der Röntgenaufnahme deutlicher sichtbar machen kann.

Einlauf im Rahmen des Heilfastens
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Der Einlauf im Rahmen der Naturheilkunde und des Heilfastens

Naturheilkundler empfehlen die Darmreinigung per Einlauf im Zusammenhang mit verschiedenen Beschwerden:

Das Heilfasten schließt eine regelmäßige Darmreinigung ebenfalls ein. Naturheilkundler sehen den Vorteil in der Entfernung von Verdauungssäften, krankmachenden Darmkeimen sowie abgeschilferten Darmzellen. Da der Fastende keine feste Nahrung zu sich nimmt, ist der Stuhlreflex deutlich vermindert und der Darm kann sich nicht selbst von den störenden Stoffen befreien.

Neulingen wird sogar jeden zweiten Tag ein Einlauf empfohlen, um den reinigenden Effekt des Fastens zu unterstützen. Schulmediziner halten diese Maßnahme nicht unbedingt für sinnvoll. Die Meinungen gehen hier weit auseinander: Ärzte warnen vor den Risiken, die regelmäßige Einläufe mit sich bringen können. Der Körper kann bei der Behandlung Wasser und Mineralien verlieren.

Es ist sehr wichtig, den Wasser- und Elektrolythaushalt von außen wieder aufzufüllen, wenn man regelmäßig einen Einlauf durchführt. Mineralwasser, Gemüsesäfte sowie Gemüsebrühen eignen sich hier besonders gut. Bei Bedarf stehen auch Mineralien in Tablettenform zur Verfügung. Besprechen Sie diese Punkte am besten mit Ihrem Hausarzt, bevor Sie das Heilfasten beginnen.

Ablauf: Wie man einen Einlauf durchführt

Ablauf: Wie man einen Einlauf durchführt

Jeder Mensch kann mit etwas Übung einen Einlauf durchführen. Es ist jedoch sehr wichtig, sich im Vorfeld von kompetenten medizinischen Fachkräften, wie Ärzten oder Pflegekräften, zu Risiken und der Anatomie des Darms aufklären zu lassen. Führen Sie den Schlauch niemals mit Gewalt oder gegen einen spürbaren Widerstand in den Darm ein. Die Darmschleimhaut kann schnell verletzt werden. Eventuelle Konsequenzen reichen von leichten Blutungen bis hin zu einer Perforation des Darms mit lebensgefährlichen Folgen.

Einlauf im Liegen oder auf den Knien

Führt eine medizinische Fachkraft den Einlauf durch, bittet sie den Patienten meist, sich auf die Seite zu legen. Im Liegen fällt es den meisten Menschen leichter, sich zu entspannen. Zusätzlich bleibt der Kreislauf eher stabil.

Nehmen Sie den Einlauf selbst an sich vor, probieren Sie es mit der sogenannten Knie-Ellenbogen-Position. Knien Sie sich auf den Boden, auf eine bequeme Unterlage und stützen Sie dazu einen Ellenbogen auf den Boden auf. Mit der freien Hand können Sie den Schlauch über den After in den Darm einführen.

Achten Sie darauf, dass der Beutel oder Behälter mit der Flüssigkeit höher liegt als Ihr Darm. So hilft Ihnen die Schwerkraft bei der Anwendung des Einlaufs. Wärmen Sie den Einlauf vor Gebrauch leicht an. Es ist hilfreich, die Spitze des Plastikschlauchs mit Gleitmittel oder einer milden Creme einzureiben. So geht das Einführen einfacher und ist deutlich weniger unangenehm. Ein entspannter Schließmuskel hilft zusätzlich, Druckgefühl oder Schmerzen durch den Einlauf zu vermeiden.

Nachdem der Schlauch mit leichten Drehbewegungen einige Zentimeter tief in den Enddarm eingeführt wurde, wird die Flüssigkeit langsam aus dem Quetschbeutel oder dem Gefäß in den Darm gedrückt. Unter Anspannung des Schließmuskels wird der Schlauch vorsichtig wieder entfernt. Halten Sie nun den Einlauf über einige Minuten (längstens 10 Minuten) und entleeren Sie den Darm dann in die Toilette.

Informieren Sie sich gegebenenfalls beim Pflegepersonal, ob dieses den Stuhl zur weiteren Begutachtung oder Untersuchung noch sehen möchte.

Wann Sie keinen Einlauf durchführen sollten

Eine Spülung des Darms greift in die Darmaktivität ein und kann die empfindliche Darmschleimhaut reizen. Besprechen Sie alle Fragen mit Ihrem Arzt, bevor Sie sich alleine an einen Einlauf heranwagen. Situationen oder Erkrankungen, die gegen einen Einlauf sprechen, sind zum Beispiel:

Risiken und Nebenwirkungen
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Mögliche Nebenwirkungen und Risiken eines Einlaufs

Ein Einlauf ist ein medizinischer Eingriff, der in seltenen Fällen negative Folgen haben kann. Besonders bei Kindern gehört das Klistier in die Hände von Fachpersonal. Bei unsachgemäßer Durchführung kann der Plastikschlauch die Darmschleimhaut verletzen oder gar den Darm durchstechen oder zerreißen.

Eine lebensbedrohliche Infektion oder das Absterben eines Darmabschnitts kann die Folge sein. Ist die angewendete Flüssigkeit zu heiß, kann es zu Verbrühungen kommen. Ein Einlauf kann den Kreislauf belasten und zu Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt führen. Sind Sie sich nach einem eigenständig durchgeführten Einlauf unsicher, ob Sie sich eine Verletzung zugezogen haben, suchen Sie bitte rasch Ihren Hausarzt oder ein Krankenhaus auf. Nehmen Sie den Einlauf inklusive Darmschlauch zur Begutachtung mit.

Quellen

  • Rodeck, B. & Zimmer, K.-P.: Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung, Springer Verlag 2013
  • De Toledo, F. W. & Hohler, H.: Buchinger-Heilfasten, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010
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Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin