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Krankheiten & Symptome

Steißbeinfistel: Was ist das und was hilft?

Die Steißbeinfistel, der sogenannte Sinus pilonidalis, ist ein unangenehmes Krankheitsbild, über das nur wenige sprechen mögen, das aber viele Menschen betrifft. Hier lesen Sie, wie Sie die Steißbeinfistel erkennen können, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was Sie selber tun können.
Symbolbild Steißbeinfistel
Zuletzt aktualisiert am: 20.12.2017
Inhalt

Die Schmerzen am Steiß werden stärker, das Sitzen immer schwieriger und selbst die Kleidung beginnt langsam bei jedem Schritt schmerzhaft zu scheuern, hinzu kommt die langsam größer werdende Schwellung am Gesäß. Die Steißbeinfistel, der sogenannte Sinus pilonidalis, ist ein wahrlich unangenehmes Krankheitsbild, über das nur wenige sprechen mögen.

Ursachen

Ursachen: Wie genau entsteht eine Steißbeinfistel?

Bei der Entstehung der Steißbeinfistel werden verschiedene Ursachen diskutiert. Vermutlich kommt es am häufigsten durch nach innen wachsende Haare zur Bildung der Fistel. Dabei brechen Haare, die im Bereich der Gesäßfalte wachsen, z. B. durch Reibung beim Gehen ab und beginnen anschließend unter die Haut zu wachsen. Es entsteht der sogenannte Fistelgang. Das ist eine Verbindung zur Hautoberfläche, an der so eine oder mehrere kleine Vertiefungen (Pori) sichtbar werden. Das eingewachsene Haar nimmt der Körper unter der Haut als Fremdkörper wahr und reagiert mit einer Entzündung.

Die eingewachsenen Haare bilden darauf zusammen mit abgestorbenen Hautzellen und Abwehrzellen ein abgekapseltes Haarnestgrübchen. Ein Knötchen, das man teilweise unter der Haut ertasten kann. Von diesem Knötchen aus können sich weitere Gänge in Richtung Haut oder in Richtung Steißbein bilden. Es bleibt in vielen Fällen symptomlos, kann sich im Verlauf aber auch infizieren. Dadurch entsteht ein Abszess.

Ein Abszess ist ein mit Eiter gefüllter, nicht natürlich entstandener Hohlraum und muss behandelt werden. Anhand der unterschiedlichen Verläufe werden drei Stadien der Steißbeinfistel unterschieden, die man unterschiedlich behandelt.

Symptome

Symptome: Wie macht sich eine Steißbeinfistel bemerkbar?

Die Symptome einer Steißbeinfistel können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei der asymptomatischen Form haben die Betroffenen häufig keine oder nur leichte Beschwerden, wohingegen es bei der akuten Form zu starken Schmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl kommen kann.

Zu den Symptomen zählen:

  • Schmerzen in der Gesäß- und Steißbeinregion, die unabhängig vom Stuhlgang auftreten
  • Schmerzen beim Sitzen, Liegen oder anderem Druck auf das Steißbein
  • Rötung, Schwellung und Überwärmung der Haut
  • Eiteraustritt aus der infizierten Fistelöffnung
  • Es kann spontan zum Aufplatzen des Abszesses kommen, wobei unangenehm riechender Eiter austritt
  • Fieber
  • allgemeines Krankheitsempfinden

Steißbeinfistel ohne Symptome

Eine Steißbeinfistel kann ganz ohne Symptome verlaufen, ist dann häufig ein Zufallsbefund und muss so auch nicht behandelt werden. Kommt es allerdings zu einer Infektion mit plötzlich einsetzenden Symptomen wie Fieber, starken Schmerzen und Eiteraustritt aus dem Fistelgang, muss die Fistel umgehend operiert werden, da eine Ausbreitung der Infektion droht.

Welcher Arzt stellt die Diagnose und wer behandelt eine Steißbeinfistel?

Beim Auftreten der ersten Symptome sollte nach Möglichkeit direkt ein Arzt aufgesucht werden. Als erste Anlaufstelle dient hier in der Regel der Hausarzt, der häufig schon die erste Verdachtsdiagnose stellen kann. Bei einer Steißbeinfistel kann allein anhand der typischen Symptome auf die Erkrankung geschlossen werden und es müssen keine weiteren Untersuchungen mehr durchgeführt werden.

Die Behandlung der Fistel erfolgt anschließend durch einen Chirurgen bzw. einen Proktologen. Dafür braucht es in der Regel eine Überweisung vom Hausarzt. Treten plötzlich starke Beschwerden und Fieber auf sollte im Zweifel direkt ein Chirurg bzw. eine chirurgische Notaufnahme aufgesucht werden.

Stadien

Stadien: Drei Verlaufsformen der Steißbeinfistel werden unterschieden

Die drei Verlaufsformen des Sinus pilonidalis unterscheiden sich zum einen in ihren Symptomen und zum anderen in der Art, wie sie behandelt werden. Dabei kann ein Stadium ins nächste übergehen oder aber sich eigenständig und unabhängig von den anderen Verlaufsformen entwickeln.

Asymptomatische Form

Bei der asymptomatischen Form haben die Betroffenen in der Regel keine Beschwerden. Gelegentlich kann es im Bereich der Zyste zu Druckschmerzen beim Sitzen kommen. Häufig wird der Porus auf der Hautoberfläche nur durch Zufall überhaupt entdeckt. Da sich die Steißbeinfistel nicht von alleine wieder zurückbilden kann, bleibt die Fistel theoretisch ein Leben lang. So lange es zu keiner Infektion kommt und keine stärkeren Beschwerden auftreten, kann die asymptomatische Form auch problemlos über Jahre unbehandelt bleiben.

Akute Verlaufsform

Bei der akuten Verlaufsform kommt es zu einer Infektion der Fistel mt Abszessbildung. Innerhalb kurzer Zeit kommt es zu starken Symptomen wie Schmerzen, Schwellung und Eiterfluss. Diese Verlaufsform muss unbedingt schnell operiert werden, da sich die Infektion ausbreiten kann und es im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung, der Sepsis, kommen kann. Hierzu wird der Abszess in der Regel mit einem kleinen Schnitt zunächst eröffnet, um den Eiter abfließen zu lassen. Die eigentliche Operation erfolgt dann etwas später in einem zweiten Schritt, nachdem die akute Entzündung abgeklungen ist.

Chronische Verlaufsform

Im chronischen Stadium leiden die Betroffenen dauerhaft oder immer wiederkehrend unter eitrig-blutigem Ausfluss aus der Fistelöffnung. Es hat sich auch hier ein Abszess gebildet, die Beschwerden sind aber nicht so ausgeprägt wie bei der akuten Form des Sinus pilonidalis. Die chronische Verlaufsform muss ebenfalls operiert werden, jedoch erfolgt dies nicht notfallmäßig, sondern kann geplant einige Zeit später durchgeführt werden.

Risikofaktoren
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Risikofaktoren: Wer bekommt eine Steißbeinfistel?

Bei der Steißbeinfistel handelt es sich um ein häufig auftretendes Krankheitsbild. Prinzipiell kann jeder Mensch an einer Steißbeinfistel erkranken, es gibt aber gewisse Faktoren, welche die Entstehung begünstigen können. So sind zum Beispiel zwei Drittel der Betroffenen Männer und nur ein Drittel Frauen.

Weitere Risikofaktoren einer Steißbeinfistel sind:

  • starke Körperbehaarung
  • Übergewicht
  • übermäßiges Schwitzen
  • enge, luftundurchlässige Kleidung
  • sitzende Tätigkeit und häufiges Sitzen auch im Alltag
  • eine verhältnismäßig tiefe und lange Gesäßfalte
  • eine dicke Schicht Unterhautfettgewebe über dem Steißbein
  • mangelnde Körperhygiene

Aufgrund dieser Risikofaktoren entstand auch der Begriff „Jeep’s disease“ für die Steißbeinfistel, da im zweiten Weltkrieg viele der männlichen Soldaten nach langen Fahrten im Auto an einer Steißbeinfistel litten.

Behandlung

Behandlung: Wann ist eine Operation notwendig und wie wird eine Steißbeinfistel behandelt?

Fakt ist, dass sich eine einmal gebildete Steißbeinfistel nicht von alleine wieder zurückbildet und sie nur operativ vollständig entfernt werden kann. Wie bereits erwähnt, hängt die Art der Behandlung aber von der Verlaufsform der Steißbeinfistel ab. Bei der asymptomatischen Form muss zunächst keine Operation erfolgen, da es sich mit einer nicht infizierten Fistel beschwerdefrei leben lässt.

Es ist lediglich darauf zu achten, dass es zu keiner Infektion der Fistel kommt. Anders ist es bei der akuten und der chronischen Verlaufsform. Beide müssen in jedem Fall operiert werden. Hierfür stehen unterschiedliche OP-Verfahren zur Verfügung:

Minimal-invasive Verfahren

Minimal-invasive Verfahren

Minimal-invasive Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Der Chirurg darauf achtet, nur wenig gesundes Gewebe mit zu entfernen. Die minimal-invasiven Verfahren eignen sich aber überwiegend nur für kleine Fisteln mit kleinen Abszessen.

Vorteile der Minimal-invasiven Operationen

  • Durch die kleineren Wunden ist der Heilungsverlauf wesentlich kürzer als bei den offenen Operationstechniken.
  • Da nur wenig gesundes Gewebe entfernt wird, sind die entstehenden Wunden deutlich kleiner und es bilden sich unauffälligere Narben.
  • Eine Vollnarkose ist bei den minimal-invasiven Operationen nicht notwendig und der Patient kann direkt im Anschluss nach Hause gehen.

Pit picking

Die Operation beim Pit picking dauert häufig nur wenige Minuten, in denen der Patient auf dem Bauch liegt. Sie wird ambulant durchgeführt und der Patient kann direkt danach wieder nach Hause gehen. Der Chirurg entfernt bei dieser Methode sparsam nur den Fistelgang, der zur Hautoberfläche führt. Zusätzlich wird seitlich ein kleiner „Entlastungsschnitt“ gesetzt, ein Schnitt, welcher dazu dient, möglichen Eiter aus dem Abszess abfließen zu lassen. Die Wunde ist so klein, dass sie innerhalb weniger Wochen von alleine zuheilt.

Sinusektomie

Bei der Sinusektomie wird ähnlich wie beim Pit picking lediglich jeder einzelne Fistelgang entfernt. Anders als bei der vollständigen Entfernung mit offener Wundheilung wird also das betroffene Gebiet nicht im Ganzen entfernt. Auch hier entstehen nur kleine Wunden mit einer kurzen Heilungsdauer.

Operation

Operation: Vollständiges Herausschneiden der Fistel mit offener Wundheilung

Insbesondere bei größeren Abszessen und bei Rezidiven, also Rückfällen, ist diese Operation die Methode der Wahl. Die OP erfolgt in Vollnarkose. Während der Operation färbt der Operateur die Fistelgänge zunächst mit einer blauen Lösung an, um diese sichtbar zu machen. Anschließend wird der gesamte Bereich um die angefärbten Fistelgänge herausgeschnitten, um auch alle Gänge der Steißbeinfistel sicher zu entfernen.

Die nun entstandene Wunde wird nicht wie bei anderen Operationen im Anschluss mit einer Naht wieder verschlossen, sondern wird lediglich mit einem Verband versorgt. Die Wunde soll so langsam von unten nach oben heilen, bis sie vollständig verschlossen ist.

Dieses Verfahren hat einige Vorteile gegenüber den anderen Methoden, weswegen es aktuell die häufigste Art der operativen Versorgung einer Steißbeinfistel darstellt.

Zu den Vorteilen der offenen Wundversorgung zählen:

  • Es kommt zu weniger Komplikationen durch Infektionen nach der OP. Da die Wunde offengelassen wird, kann sie regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Die Gefahr, dass Keime in die Wunde eindringen können, ist geringer als nach Verschluss mit einer Naht.
  • Die Haut kann sich bei einer offenen Wunde langsam von unten nach oben nachbilden und es entsteht später keine unangenehme Spannung auf der Narbe.
  • Die nachwachsende, neue Haut besitzt keine Haare, d.h. auch die Gefahr, dass es in diesem Bereich erneut zur Bildung einer Steißbeinfistel kommt, wird deutlich verringert.

Insgesamt ist es aber so, dass durch das langsame Nachwachsen der Haut der Heilungsprozess bei der offenen Wundheilung deutlich länger dauert als bei den minimal-invasiven Techniken oder beim Verschluss mit einer Naht.

Lappenplastik

Eine sogenannte Lappenplastik wird angewendet, wenn die Fistel sehr groß ist und auch die Wunde somit sehr groß werden würde. Hierbei wird ein Hautlappen seitlich der OP-Wunde freigeschnitten, mit dem die Wunde abgedeckt und vernäht wird. Dieses Verfahren kommt aber nur selten zum Einsatz. „Nicht jede Steißbeinfistel muss mit einer umfangreichen OP, großer Narbe und langem Heilungsverlauf behandelt werden. Gehen die Patienten rechtzeitig zum Arzt, können in vielen Fällen minimal-invasive Verfahren angewandt werden, bei denen in örtlicher Betäubung in kurzer Zeit nur wenig Gewebe und Haut entfernt wird.“

Nachbehandlung

Nachbehandlung: Wie geht es nach der Operation weiter?

Der Verlauf nach einer Operation der Steißbeinfistel ist sehr unterschiedlich. Die Heilungsdauer kann zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten betragen. Wesentlich für den Heilungsverlauf ist diesorgfältige Pflege der Wunde. Um die Wunde möglichst sauber und keimfrei zu halten, sollte einiges beachtet werden:

  • Sport und andere schweißtreibende Aktivitäten sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
  • Die Operationswunde muss morgens, abends sowie nach jedem Stuhlgang mit klarem Wasser gründlich ausgeduscht werden.
  • Nach jedem Ausduschen sollte ein frischer, steriler Verband angelegt werden.
  • Der Verlauf muss nach der Operation regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden.

Um eventuelle Schmerzen zu lindern, können vom Arzt Schmerzmittel verordnet werden. Gerade weil sich die Steißbeinfistel in einem Bereich des Körpers befindet, in dem sich viele Keime sammeln, ist eine sorgfältige Hygiene das A und O in der Nachsorge der Steißbeinfistel.

Vorbeugen
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Vorbeugen: Was Sie selber tun können

Bei den akuten und chronischen Fällen der Steißbeinfistel lässt sich eine Operation nicht vermeiden. Trotzdem können Sie positiv zum Heilungsverlauf beitragen und durch geeignete Maßnahmen eine erneute Operation vermeiden.

  • Um den Prozess der Wundheilung nicht zu verzögern, sollten Sie auf Rauchen und Alkohol in der Zeit nach der Operation verzichten.
  • Viele Patienten haben Angst, dass sie nach einer Operation mit offener Wundheilung nicht mehr sitzen können oder dürfen. Doch genau das sollten Sie regelmäßig, aber in Maßen tun. Denn Be- und Entlastung fördert den Wundheilungsverlauf.
  • Zu Beginn kann der Stuhlgang nach einer Operation noch unangenehm sein. Um Verstopfungen vorzubeugen, die diese Symptome noch verstärken würden, sollten Sie auf die richtige Ernährung achten. Viel Trinken, viel Obst und Gemüse und wenig helles Brot ist hier optimal.
  • Insbesondere bei stark behaarten Menschen sollte, um einer erneuten Steißbeinfistel vorzubeugen, eine dauerhafte Haarentfernung mittels Laserbehandlung in Betracht gezogen werden.

Bei der Selbsttherapie der Steißbeinfistel ist Vorsicht geboten.

Kühlende Cremes und entzündungshemmende Salben können zwar die Symptome kurzfristig lindern, beheben aber nicht die Ursache. Manipulationen, wie das Ausdrücken eines akuten Abszesses sollten ganz unterlassen werden, da sie den Zustand noch verschlimmern können

Quellen:

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