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Krankheiten & Symptome

Divertikulitis: Ursachen und Behandlung der Darmkrankheit

In Deutschland haben circa 14 Millionen Menschen kleine Ausstülpungen in der Darmwand ihres Dickdarms, sogenannte Divertikeln. Ärzte sprechen von einer sogenannten Divertikulose. Die meisten Patienten befinden sich in einem höheren Lebensalter, jedoch haben viele Betroffene keinerlei Beschwerden.
Symbolbild Divertikulitis
Zuletzt aktualisiert am: 05.02.2018
Inhalt
Beschreibung

Entzünden sich die Ausstülpungen, entsteht aus einer harmlosen Divertikulose eine Divertikulitis. Bis zu 25 Prozent der Divertikulosepatienten haben mit dieser problematischen Entwicklung zu kämpfen. Die Entzündung kann sich alleine auf die Divertikel beziehen oder sie breitet sich über die Darmwand hinaus bis in das Bauchfell aus. Hauptsächlich von Divertikulose betroffen ist der untere Teil des Dickdarms, das Sigma. So ist die Sigmadivertikulitis die häufigste Diagnose, wenn sich die kleinen Darmausstülpungen entzünden.

Ursachen

Ursachen der Divertikulitis

Mediziner gehen davon aus, dass eine Divertikulitis oftmals infolge einer Verstopfung durch Druckverletzungen der dünnen Divertikelwand entsteht. Unverdaute Teile der Nahrung oder harter Stuhlgang können die Verletzungen verursachen. In einem verstopften Darm nimmt der Innendruck stetig zu und das im Alter oft schwache Bindegewebe stülpt sich leicht nach außen. Harte Stuhlreste fangen sich schneller in den Divertikeln. Bakterien wandern schließlich in das der Verletzung anliegende Bindegewebe ein und können in extremen Fällen sogar eine Entzündung des Bauchfells auslösen.

Symptome

Symptome der Divertikulitis

Eine Entzündung der kleinen Darmausstülpungen äußert sich ähnlich wie eine Blinddarmentzündung (Appendizitis), nur auf der linken Seite des Unterbauches.

Typische Symptome sind:

Liegt dem behandelnden Arzt diese Symptomkombination mit dem Laborbefund vor, kann er bereits die Diagnose Divertikulitis im Hinterkopf haben. Weitere Beschwerden, die Patienten mit Divertikulitis erwähnen können, sind zum Beispiel:

Fisteln und weitere Komplikationen

Spüren Sie Schmerzen beim Wasserlassen, die sich auch nach einer Behandlung mit Antibiotika nicht legen, haben Sie vielleicht eine Divertikulitis. Denn eine bekannte Komplikation ist die Bildung eines kleinen Ganges zwischen Blase und erkranktem Darm. Ärzte sprechen von einer Fistel. Die unnatürliche Verbindung kann Schmerzen beim Absetzen von Urin und den Abgang von Luft aus der Harnröhre verursachen. Fisteln können sich im Rahmen einer Divertikulitis auch zwischen dem kranken Darm und der Vagina bilden.

Bauchfellentzündung und Darmverschluss

Erfolgt die Diagnose der Erkrankung erst spät, sind auch weitere Komplikationen wie der Durchbruch eines entzündeten Divertikels in den Bauchraum sowie die Bildung eines Abszesses möglich. Greift die Entzündung bis auf das Bauchfell über, kann die Situation im Extremfall sogar lebensbedrohlich werden. Verschließt die entzündliche Schwellung den Darm, kann ein Darmverschluss (Ileus) das gefährliche Ergebnis sein.

Stadien der Divertikulitis

Ärzte benutzen eine spezielle Einteilung, um verschiedene Stadien der Divertikulitis zu beschreiben. Die Stufen beziehen sich auf den Schweregrad und die Ausbreitung der vorliegenden Entzündung.

  • Stadium 0: eine unkomplizierte Divertikulose ohne Symptome
  • Stadium 1: eine unkomplizierte Divertikulitis, die die Darmwand nicht überschreitet
  • Stadium 2a bis c: eine komplizierte Divertikulitis, Ausbreitung über die Darmwand hinaus, wobei Stadium 2c dem Durchbruch des Darms entspricht, einer absoluten Notfallsituation
  • Stadium 3: eine wiederkehrende Divertikulitis mit einer verdickten Darmwand, einem verengten Innenraum oder Verbindungen zwischen Darm und Blase bzw. zwischen Darm und Vagina (Fisteln)
Diagnose
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Wie der Arzt die Diagnose Divertikulitis stellt

Im ersten Gespräch (Anamnese) erfragt der behandelnde Arzt Ihre Krankengeschichte. Berichten Sie direkt von einer Divertikulose, führt das den Mediziner früh in die richtige Richtung. In jedem Fall interessiert er sich für die Art Ihrer Schmerzen und den exakten Ort der Beschwerden. Er wird Sie nach Fieber, Ihrem Allgemeinzustand und Vorerkrankungen befragen. Haben Sie eventuell Schmerzen oder einen Abgang von Luft beim Wasserlassen bemerkt? Wie sieht Ihr Stuhlgang aus?

Die körperliche Untersuchung

Nach dem Anamnesegespräch folgt meist eine ausführliche körperliche Untersuchung. Der Arzt sieht sich den gesamten Patienten genau an, achtet aber besonders auf die Auffälligkeiten im Bauchbereich. Sind die entzündeten Divertikel bereits miteinander verwachsen, kann ein erfahrener Mediziner sie durch die Bauchdecke hindurch ertasten. Eine sogenannte „Walze“ fällt hier meist im linken Unterbauch auf. Der Patient kann bei der Untersuchung einen deutlichen Druckschmerz verspüren. Ist das Bauchfell schon entzündet, zeigt eventuell eine Abwehrspannung: Der Bauch schützt sich reflexartig vor dem Druck von außen, indem er seine Muskulatur fest anspannt.

Untersuchungen im Labor

Hat der Arzt aufgrund der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung eine Verdachtsdiagnose gestellt, empfiehlt er Ihnen ausgewählte Laboruntersuchungen zur weiteren Abklärung. Im Rahmen einer Divertikulitis sind meist die Entzündungswerte im Blut erhöht. Im Labor werden das Blutbild, die Blutsenkungsgeschwindigkeit und das C-reaktive Protein (CrP) bestimmt. Auch der Urin wird untersucht, um eine Blasen- oder Nierenbeckenentzündung auszuschließen.

Bildgebende Verfahren

Bestätigt das Labor eine Entzündungsreaktion in Ihrem Körper, interessiert den Arzt, ob Ihre Darmwand verdickt ist, ob Divertikel direkt zu sehen sind, Ihr Darm bereits undicht geworden ist oder ob ein Darmverschluss vorliegt. Zu diesem Zweck stehen die folgenden Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Ultraschall (Sonografie)
  • Röntgenübersichtsaufnahmen des Bauchraums
  • Computertomografie (CT)
  • Magnetresonanztomografie (MRT)

Endoskopische Verfahren

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) kann dem Mediziner helfen, die Diagnose zu sichern und zum Beispiel einen Tumor im Darm auszuschließen. Allerdings birgt diese Methode in der akuten Phase der Entzündung ein erhöhtes Risiko, den kranken Darm zu verletzen. Nach einer erfolgreichen Behandlung der Erkrankung dient das endoskopische Verfahren mit dem direkten Blick in den Darm der Nachkontrolle. So kann der Untersucher den Behandlungserfolg bestätigen und eventuell verbliebene Verwachsungen rechtzeitig erkennen.

Behandlung

Die Behandlung der Divertikulitis

Die Therapie der Divertikulitis richtet sich nach dem individuellen Stadium sowie dem Allgemeinzustand des Patienten. Eine akute unkomplizierte Divertikulitis behandelt der Arzt konservativ, also ohne Operation. Das bedeutet, der Darm wird entlastet, indem der Betroffene keine Nahrung zu sich nimmt, sondern im Krankenhaus Flüssigkeit über die Vene erhält. Ebenfalls über die Vene verabreicht der Mediziner Antibiotika gegen die Bakterien, die die Entzündung verursachen. Sobald die Symptome Besserung zeigen, kann der Kostaufbau beginnen. Die akute unkomplizierte Divertikulitis liegt in etwa 75 Prozent der Fälle vor.

Wenn eine Operation die beste Wahl ist

Ab dem Stadium 2, wenn sich die Divertikulitis nicht mehr auf die Darmwand beschränkt, empfehlen Chirurgen den entzündeten Darmabschnitt circa zwei Monate nach der Abheilung operativ zu entfernen. Bleiben die Schmerzen bis zu einer Woche nach Beginn der antibiotischen Behandlung bestehen, ist die Operation auch sofort möglich. Sind einige Divertikel geplatzt, erfolgt die Operation ebenfalls zügig, um eine Ausbreitung der Entzündung auf das Bauchfell zu verhindern. Auch eine wiederkehrende Bauchfellentzündung (Peritonitis) wird meist operativ behandelt. Bei circa 30 Prozent der Patienten bleibt es nicht bei einer einzigen Episode einer Divertikulitis.

Was bei der Operation passiert

Operiert der Arzt eine Divertikulitis, entfernt er den betroffenen Darmabschnitt und näht die freien Enden wieder zusammen. In einigen Fällen wird zeitweise ein künstlicher Darmausgang angelegt, ein sogenannter Anus praeter. So hat der Darm mehr Zeit zum Heilen. In einer weiteren Operation kann bei vielen Patienten der natürliche Zustand des Darms wiederhergestellt werden. Je nach individueller Situation des Patienten führt der Chirurg die Operation am offenen Bauch aus oder über kleine Schnitte nach dem Schlüssellochprinzip.

Ernährung und Verhaltenstipps
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Ernährung und Verhaltenstipps für Patienten mit Divertikulitis

Wie immer ist auch bei der Divertikulitis Vorbeugen besser als Heilen. Laut einigen medizinischen Studien kann eine ballaststoffreiche Ernährung der Ausbildung von Divertikeln oder der Entzündung dieser kleinen Ausstülpungen des Darms vorbeugen. Nehmen Sie am besten regelmäßig Gemüse, Obst und Vollkornprodukte zu sich. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie extra Ballaststoffe als Nahrungsergänzung einnehmen sollten. Ihr Stuhl bleibt dadurch weich, da die Ballaststoffe ihm ein erhöhtes Volumen verleihen und Flüssigkeit im Darm zurückhalten. Der Darminhalt rutscht so leichter Richtung Ausgang und bleibt weniger in den Divertikeln hängen. Achten Sie auf eine tägliche Trinkmenge von mindestens zwei Litern Wasser, stark verdünnten Saftschorlen oder Kräutertee. Die Flüssigkeit senkt ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Verstopfung. Bewegen Sie sich zudem ausreichend an der frischen Luft, um Ihren Darm in Schwung zu halten und einer Verstopfung vorzubeugen.

Quellen:

  • Gerd Herold, Innere Medizin, im Selbstverlag, Köln 2012
  • Jürgen Ferdinand Riemann, Gastroenterologie in Klinik und Praxis: Das komplette Referenzwerk für Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2007
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