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Krankheiten & Symptome

Wässriger Durchfall: Ursachen und Behandlung des Symptoms

Wässrige Diarrhö, die nur wenige Tage andauert und isoliert auftritt, ist meist unbedenklich und hat in vielen Fällen eine unkomplizierte Infektion als Ursache.
Inhalt

Durchfall kann je nach Ursache eine unterschiedliche Konsistenz haben. Wässriger Durchfall entsteht auf zwei verschiedene Arten und tritt sowohl akut als auch chronisch auf.

Mediziner sprechen von osmotischer Diarrhö, wenn sich im Darminneren Stoffe befinden, die nur schlecht in den Körper aufgenommen werden können. Der gesteigerte osmotische Druck im Darm durch die unverdaulichen Stoffe zieht Wasser aus dem Blut in den Darm. Ursachen sind zum Beispiel Medikamente, unverdauliche Teile der Nahrung und Lactose (Milchzucker) bei Laktasemangel.

Handelt es sich um eine sekretorische Diarrhö, sondert die Darmschleimhaut aktiv Salze und Wasser in das Darminnere ab und produziert so einen wässrigen Durchfall. Hier sind die Ursachen weit gestreut und reichen von akuten Infektionen, Vergiftungen und der Einnahme von Abführmitteln bis hin zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Tumoren. Typische Beispiele der Auslöser dieses Mechanismus sind die Bakterientoxine des Cholera-Erregers und von E.coli.

Setzen Sie Medikamente ab, die Sie in Eigeninitiative einnehmen und sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über die Symptome. Tritt der wässrige Durchfall bereits seit mehreren Wochen auf und wird von weiteren Beschwerden begleitet, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Allgemeine Informationen

Allgemeine Informationen zum Thema wässriger Durchfall

  • Liegen bei Ihnen nur gering ausgeprägte wässrige Durchfälle vor, lohnt sich ein Therapieversuch mit einem Hausmittel wie zum Beispiel Flohsamenschalen.
  • über Wochen bestehende wässrige Durchfälle können auf eine chronische Erkrankung: mikroskopischen Kolitis hindeuten
  • Untersuchungen zeigen, dass das Risiko, an einer mikroskopischen Kolitis zu erkranken, für Frauen circa fünfmal höher ist als für Männer. Mit dem Lebensalter steigt das Risiko zudem für beide Geschlechter. Warum sich die Erkrankung so verhält, wird derzeit noch erforscht. Weitere Risikofaktoren sind autoimmune Vorerkrankungen (zum Beispiel Zöliakie, Hypothyreose).
  • Eine spezielle Form der Ernährung oder eine Diät, die die Symptome der mikroskopischen Kolitis lindert, konnte bis jetzt nicht festgelegt werden.
  • Auf den Seiten der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV e.V.) finden Sie auch Informationen und Selbsthilfegruppen für Patienten mit mikroskopischer Kolitis. 
Syndrom der wässrigen Durchfälle

Mikroskopische Kolitis: Das Syndrom der wässrigen Durchfälle

Treten wässriger Durchfall, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen und Gelenkbeschwerden gemeinsam auf, leidet der Patient wahrscheinlich an einer mikroskopischen Kolitis. Wie der Name der Erkrankung schon andeutet, ist die chronische Erkrankung nicht mit dem bloßen Auge während einer Darmspiegelung zu erkennen. Erst eine Gewebeprobe unter dem Mikroskop bringt Aufschluss. Sie zeigt ein verdicktes Kollagenband in der Darmschleimhaut, wenn es sich um die Unterform der kollagenen Kolitis handelt. Die Unterform der lymphozytären Kolitis ist durch eine erhöhte Anzahl an Lymphozyten (speziellen weißen Blutkörperchen) gekennzeichnet. Betroffene Patienten geben bis zu 20 wässrige Durchfälle am Tag an, die bereits über vier Wochen bestehen. Mediziner bezeichnen die Erkrankung daher auch als Syndrom der wässrigen Durchfälle.

Die mikroskopische Kolitis zählt zur Gruppe der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und wird ebenso häufig diagnostiziert wie der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Erst seit wenigen Jahrzehnten sind Mediziner dem Syndrom auf der Spur. Aktuell ist das moderne Kortisonpräparat Budesonid das Mittel der Wahl für die Therapie der mikroskopischen Kolitis. Die Erkrankung tritt bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen immer wieder durch wässrige Durchfälle in Erscheinung. Schwerwiegende Begleiterscheinungen wie ein erhöhtes Darmkrebsrisiko sind dabei nicht zu erwarten.

Ursachen

Ursachen der mikroskopischen Kolitis

Die mikroskopische Kolitis ist eine relativ neue Erkrankung und Gegenstand verschiedener medizinischer Studien. Forscher arbeiten mit verschiedenen Theorien, um die Ursachen der Erkrankung zu erklären.

Die kollagene Kolitis

Eine Form der mikroskopischen Kolitis, für die ein wässriger Durchfall charakteristisch ist, ist die kollagene Kolitis. Studienergebnisse legen nahe, dass die Erkrankung durch eine häufige Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (Schmerzmittel), Cholesterinsenkern oder Mitteln zur Hemmung der Blutgerinnung ausgelöst werden kann.

Eine weitere These ist eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut für Nahrungsbestandteile, die die Funktion des Darms irritieren. Zusätzlich haben Forscher bei vielen Betroffenen einer kollagenen Kolitis Bakterienantikörper gefunden, ohne die auslösenden Bakterien (Yersinien) nachweisen zu können. Es besteht die Möglichkeit, dass die Bakterien zu einem früheren Zeitpunkt Grund einer Infektion waren, die wiederum eine Ursache für die kollagene Kolitis sein könnte.

Unklar ist noch, warum unter dem Mikroskop ein auf den doppelten Normwert verdicktes Kollagenband durch verminderten Abbau von Kollagen auffällt. Ein interessantes Phänomen tritt bei der kollagenen Kolitis in Zusammenhang mit der Anlage eines künstlichen Darmausgangs auf. Im Anschluss an die Operation normalisiert sich der Darm von der ausgeleiteten Stelle bis hin zum natürlichen Darmausgang. Ein gutes Ansprechen der Erkrankung auf Medikamente rechtfertigt eine derart drastische Therapie aber nur selten.

Die lymphozytäre Kolitis

Eine weitere Form des Syndroms der wässrigen Durchfälle ist die lymphozytäre Kolitis. Bei jedem zweiten Patienten, der an dieser Form der Kolitis leidet, lassen sich im Blut Antikörper finden, die gegen den eigenen Darm gerichtet sind. Demnach könnte eine Autoimmunerkrankung die Ursache für den wässrigen Durchfall sein. Warum vermehrt Lymphozyten (Zellen der Immunabwehr) in der Darmschleimhaut beobachtet werden können, ist noch nicht geklärt. Der Wert ist circa vierfach erhöht im Vergleich mit einem gesunden Probanden.

Symptome
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Die Symptome der mikroskopischen Kolitis

Der Gastroenterologe wird hellhörig, wenn sich ein Patient mit starken wässrigen Durchfällen vorstellt, die sich nicht nach wenigen Tagen beruhigen. Selbstverständlich tritt wässriger Durchfall auch bei Infektionen oder im Rahmen anderer Erkrankungen (Tumore, Verdauungsenzymmangel) auf. Im Fall der mikroskopischen Kolitis wird der wässrige Durchfall häufig von weiteren Symptomen begleitet.

Patienten berichten regelmäßig von

Seltener treten folgende Begleiterscheinungen auf:

  • Austrocknung (Dehydratation)
  • Stuhlinkontinenz
  • Abgeschlagenheit

Viele Patienten mit dem Syndrom der wässrigen Durchfälle beurteilen ihre Lebensqualität als erheblich eingeschränkt. Die häufigen Toilettengänge können es sogar unmöglich machen, der gewohnten Arbeit nachzugehen.

Symptome außerhalb des Magen-Darm-Trakts

Die Form der kollagenen Kolitis umschließt auch Symptome, die nicht im Magen-Darm-Trakt entstehen. So treten zum Beispiel rheumatische Gelenkbeschwerden, eine Schuppenflechte oder Schilddrüsenprobleme auf. Jedes dieser Symptome wird individuell vom Facharzt behandelt.

Diagnose

Wie die Diagnose gefunden wird

In einem ersten Gespräch schildern Sie Ihrem Arzt die vorliegenden Symptome und erwecken so bereits den Verdacht auf eine mikroskopische Kolitis oder eine ähnliche chronisch entzündliche Darmerkrankung. In der körperlichen Untersuchung fällt für gewöhnlich höchstens ein Druckschmerz im Bauchraum auf. Nur wenige Patienten, die an einer mikroskopischen Kolitis leiden, weisen infolge des wässrigen Durchfalls Zeichen einer Austrocknung auf.

Laborbefunde

Ein Blutbild zeigt bei den meisten Betroffenen keine Auffälligkeiten. Auch das Ergebnis einer Stuhluntersuchung ist für gewöhnlich nicht pathologisch. Die Normalbefunde aus dem Labor in Kombination mit den typischen Symptomen weisen den behandelnden Arzt weiterhin in Richtung der mikroskopischen Kolitis.

Bildgebende Verfahren bei wässrigem Durchfall

Patienten, die von wässrigen Durchfällen berichten, die sich bereits über mindestens vier Wochen hinziehen, empfiehlt der behandelnde Arzt meist eine Darmspiegelung (Koloskopie). Kann der Untersucher mit dem bloßen Auge keine krankhaften Veränderungen der Darmschleimhaut erkennen, wird er an verschiedenen Stellen im gesamten Dickdarm Biopsien durchführen. Das bedeutet, er entnimmt mit einer kleinen Zange durch das Endoskop Proben der Schleimhaut und betrachtet diese angefärbt unter dem Mikroskop. Das verdickte Kollagenband oder der vermehrte Nachweis von Lymphozyten in der Darmschleimhaut beweist schließlich die Diagnose der mikroskopischen Kolitis. Circa 10 Prozent der Patienten, die aufgrund von wässrigem Durchfall endoskopiert werden und einen makroskopischen Normalbefund erhalten, leiden an einer mikroskopischen Kolitis.

[Außerdem bei DoktorDarm: Darmspiegelung: Vorbereitung, Ablauf, Risiken]

Therapie
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Die Therapie bei wässrigem Durchfall

Die Behandlung des Syndroms der wässrigen Durchfälle wird derzeit in Form von Studien vertiefend untersucht und optimiert. Da die Erkrankung erst seit wenigen Jahrzehnten bekannt ist, stehen kaum traditionelle oder naturheilkundliche Therapieansätze zur Verfügung. Erforscht und aktuell eingesetzt werden die Präparate Budesonid, Prednisolon, Bismut und Weihrauchextrakt. Budesonid ist bereits offiziell international zur Therapie der kollagenen Kolitis zugelassen.

Budesonid 

Das moderne Kortisonpräparat Budesonid wirkt an der Darmschleimhaut und hemmt Entzündungen intensiv direkt vor Ort. Der Patient nimmt den Wirkstoff in Kapselform ein. Das als Granulat enthaltene Budesonid gelangt erst am Beginn des aufsteigenden Kolons aus der Kapsel in den Dickdarm. Das Medikament ist besonders gut verträglich, da nur ein geringer Anteil in den Blutkreislauf übergeht. Circa 90 Prozent der verabreichten Dosis werden vorher in der Leber abgebaut. Budesonid wird von Ärzten zur Behandlung der akuten Phasen der mikroskopischen Kolitis eingesetzt.

Prednisolon 

Der Vorgänger von Budesonid ist das klassische Kortisonpräparat Prednisolon. Es wurde aufgrund seiner stark entzündungshemmenden Wirkung bei Patienten mit mikroskopischer Kolitis eingesetzt. Prednisolon löst allerdings die typischen gefürchteten Nebenwirkungen des Hormons Kortison aus.
Da es fast vollständig über das Blut in den Körper gelangt, können bei den Erkrankten

  • Bluthochdruck,
  • Stammfettsucht,
  • ein Vollmondgesicht,
  • psychische Auffälligkeiten und
  • eine Immunschwäche entstehen. 

Budesonid ist daher Prednisolon bei der Therapie des Syndroms der wässrigen Durchfälle vorzuziehen.

Weihrauchextrakt (Olibanum indicum) 

Boswelliasäuren, die im Harz des Weihrauchbaums enthalten sind, hemmen Entzündungsreaktionen im menschlichen Körper. Sie greifen dazu in die Bildung der Gewebshormone Prostaglandine und der Leukotriene ein. Wird die Wirkung der Hormone blockiert, kann die akute Phase einer mikroskopischen Kolitis gebessert werden. Unter Therapie mit Weihrauch konnte in Studien ein Rückgang des wässrigen Durchfalls beobachtet werden.

Quellen

  • www.klinik-gastroenterologie.de
  • www.docjones.de - Weihrauch
  • Gerd Herold, Innere Medizin, im Selbstverlag, 2012, Köln - Chande N, McDonald JW, MacDonald JK. Interventions for treating lymphocytic colitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 2. Art. No.: CD006096. DOI: 10.1002/14651858.CD006096.pub3
  • Chande N, McDonald JW, MacDonald JK. Interventions for treating collagenous colitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 2. Art. No.: CD003575. DOI: 10.1002/14651858.CD003575.pub5
  • Advances for improved diagnosis of microscopic colitis in patients with chronic diarrhoea. Zabana, Yamile; Ferrer, Carme; Aceituno, Montserrat; Salas, Antonio; Fernández-Bañares, Fernando (2016). Gastroenterologia y hepatologia.
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Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin