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Ernährung & Diät

Laktoseintoleranz – Milchzuckerunverträglichkeit mit Folgen

Mmh, ein leckerer Milchshake! Doch plötzlich sind da wieder diese Magenschmerzen. Und die kommen in letzter Zeit ganz schön häufig, immer wenn Sie Milchprodukte zu sich nehmen? Dann steckt vielleicht eine Laktoseintoleranz dahinter. Lesen Sie, was Betroffene wissen sollten.
Wegen einer Laktoseintoleranz hält sich eine Frau den schmerzenden Bauch.
Zuletzt aktualisiert am: 10.01.2020
Inhalt

Kurz und knapp

  • Symptome: Bauchschmerzen, Durchfall, Blähbauch, Darmwinde, Völlegefühl, Übelkeit, unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen
  • Ursache: Mangel des Enzyms Laktase; körpereigene Bakterien produzieren Gase im Dickdarm
  • Diagnose: via H2-Atemtest, Messung des Glukosespiegels im Blut, Diät-/Expositionstest
  • Behandlung: Ernährungsanpassung/Diät, das heißt vor allem Verzicht auf Milchprodukte und eventuell Einnahme von Laktase-Präparaten
  • Formen: Mediziner unterscheiden zwei Formen, die primäre und die sekundäre Laktoseintoleranz
Ernährung

Diese Nahrung bei Laktoseintoleranz besser vermeiden

Wenn bei Ihnen eine Unverträglichkeit gegenüber Laktose diagnostiziert wurde, ist es ratsam, auf Milchzucker enthaltende Lebensmittel zu verzichten, um die Beschwerden nicht immer neu aufkommen zu lassen. Doch was ist vielleicht ungeeignet? Allem voran verständlicherweise Milchprodukte, also beispielsweise:

  • Milch
  • Sahne
  • (junger) Käse
  • Joghurt
  • Quark
  • Butter
  • Kondensmilch
  • Schmelz- und Frischkäse

Für alle Freunde der Milch und Molkereiprodukte…

…sei jedoch noch gesagt: Die Lebensmittelindustrie hat auf die zunehmende Anzahl der von Unverträglichkeiten Betroffenen reagiert und so bieten Supermärkte mittlerweile viele als „laktosefrei“ deklarierte Nahrungsmittel an.

Außerdem gibt es noch Milch-Alternativen. Diese Drinks werden gewonnen aus:

  • Kokosnuss
  • Mandeln
  • Hafer
  • Reis
  • Soja
  • Cashew

Aber auch folgende Lebensmittel können mitunter Spuren von Laktose enthalten:

  • Brot und Backwaren: Brot- und Kuchenbackmischungen, Milchbrötchen, Waffeln, Kuchen, Kekse, Knäckebrot, Kräcker
  • Fertiggerichte: Pizza, Tiefkühlfertiggerichte, Konserven
  • Süßwaren: Eiscreme, Schokolade, Sahne- und Karamellbonbons, süße Riegel, Nuss-Nougat-Creme, Pralinen
  • Fleisch und Wurstwaren: Würstchen, Leberwurst, fettreduzierte Wurstwaren, Wurstkonserven
  • Instant-Erzeugnisse: Instant-Suppen und -Soßen, Instant-Cremes, Kartoffelpüreepulver, Knödelpulver, Bratlingmischung
  • Fertigsoßen: Gourmetsoßen, Grillsoßen, Salatsoßen
  • Mayonnaise
  • Müslimischungen und Streichcremes

Weitere Bezeichnungen für Laktose

Wenn Sie einen Blick auf die Liste der Inhaltstoffe eines Lebensmittels werfen, um zu prüfen, ob dieses Laktose enthält, sollten Sie genau hinsehen. Es gibt zahlreiche Begriffe, die synonym verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise: Milchzucker, Sahnepulver, Süßmolke, Süßmolkenpulver, Molkenpulver, Molkenerzeugnis, Süßmolkenerzeugnis, Laktosemonohydrat, Milchpulver oder Magermilchpulver.

Gut verträgliche Lebensmittel

Einige Lebensmittel enthalten von Natur aus keinen oder kaum nachzuweisenden Milchzucker. Dazu zählen unter anderem:

  • naturbelassenes Fleisch und Fisch
  • Kartoffeln, Reis, Getreide, Zwieback, Polenta
  • dunkle Zartbitter-Schokolade
  • Salate mit Essig-Öl-Dressing
  • Obst und Gemüse
  • Soja-Produkte
  • die meisten Margarine-Sorten
  • Marmelade
  • Honig
  • Kräuter
  • häufig Hartkäse (durch natürliche Reifung laktosefrei)

Keine Sorge, Sie müssen jetzt fortan auch nicht nur zu Wasser greifen. Trinken können Sie zum Beispiel:

  • Sojadrinks
  • Kaffee
  • Tee
  • Gemüse- und Fruchtsäfte

Probieren geht über studieren

Jeder Mensch ist individuell und es gibt verschiedene Formen einer Laktoseintoleranz. Und so kann es sein, dass der eine Patient mit Milchzuckerunverträglichkeit etwas Bestimmtes (in geringen Mengen) verträgt und der andere nicht. Daher gilt es, auch für sich Nahrungsmittel auszutesten. Gehen Sie dabei aber mit Bedacht vor, tasten Sie sich jeweils im Anschluss an eine Karenzzeit (Milchzuckerverzichtszeit) von etwa zwei Wochen nach und nach vor.1 Schrittweise probieren Sie so in kleinen Mengen die Verträglichkeit einzelner Lebensmittel aus (Reexposition). Über den genauen Ablauf und die Dauer der einzelnen Phasen dieses Diät- beziehungsweise Expositionstests informieren Sie sich bitte bei Ihrem behandelnden Arzt.

Wichtig:

Wer sich laktosefrei ernährt, sollte auf eine ausreichende Kalzium-Zufuhr achten. Andernfalls droht schnell ein Mangel. Gute Kalziumlieferanten sind unter anderem Gemüse wie

 

  • Brokkoli,
  • Spinat,
  • Fenchel oder
  • Grünkohl.
Symptome
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Symptome: Woran Sie eine Milchzuckerunverträglichkeit erkennen

Sie haben auffällig oft nach dem Essen Beschwerden? Dann lässt dies den Verdacht auf eine Unverträglichkeit zu. Bei einer Laktoseintoleranz treten unter anderem folgende Symptome auf:

  • Bauchschmerzen und -geräusche
  • Blähbauch und vermehrte Darmgasbildung
  • Breiiger Stuhl und Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Luftaufstoßen

Da diese Anzeichen aber auch ähnlich bei anderen Intoleranzen, wie Histamin- oder Fructoseunverträglichkeit auftreten, bedarf es einer vom Arzt gestellten Diagnose. Im Anschluss ist dann auch eine zielgerichtete Therapie möglich.

Wenden Sie sich bei den aufgelisteten Anzeichen am besten erst einmal an Ihren Hausarzt (Allgemeinmediziner). Dieser wird Sie bei Bedarf an einen Facharzt weiterleiten. Der Gastroenterologe ist Spezialist in Sachen Magen-Darm-Gesundheit. Er wird der Ursache für Ihre Beschwerden auf den Grund gehen.

Ursache

Ursache einer Laktoseintoleranz

Warum kommt es eigentlich zu diesen unangenehmen Symptomen wie Durchfall und Blähungen? Damit Laktose, also Milchzucker, im Körper verwertet werden kann, muss sie in die beiden Einzelzucker Glukose und Galaktose aufgespalten werden. Für die Aufspaltung zuständig ist das Enzym Laktase, welches direkt in den Schleimzellen des Dünndarms gebildet wird. Ist Laktase gar nicht oder in unzureichender Zahl vorhanden, besteht eine Unverträglichkeit gegenüber Laktose. Denn in diesem Fall machen sich erst im Dickdarm körpereigene Darmbakterien über den Milchzucker her und bilden bei seiner Zersetzung unter anderem Vergärungsprodukte wie Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff. So kommt es zu einer Gasansammlung, die Blähungen begünstigt. Zudem bindet Milchzucker Wasser, was für einen erhöhten Flüssigkeitseinstrom in den Dickdarm sorgt und so zu Durchfall führen kann.

Übrigens:

Eigentlich ist eine zunehmende Milchzuckerunverträglichkeit im Erwachsenenalter gar nicht so ungewöhnlich. Beispielsweise sind 65 bis 95 Prozent der Erwachsenen in Afrika und Asien von einer Laktoseintoleranz betroffen.2 Doch woran liegt das?

Das Enzym Laktase ist bei Säuglingen vorwiegend dazu da, die Muttermilch, die auch sehr viel Laktose enthält, zu spalten. Nach der Stillphase nimmt die Bildung des Enzyms ab. Nordeuropäer haben sich jedoch im Laufe der Evolution an den weiteren Verzehr von Milchprodukten gewöhnt, wohingegen Afrikaner und Asiaten als Erwachsene weniger Milchzucker zu sich nehmen. Und wenn keine Laktase zur Milchzuckerspaltung gebraucht wird – bildet sich deren Produktion im Körper zurück.

Diagnose

Und wie stellt der Arzt die Diagnose?

Häufig sind sich Betroffene bei den doch eher unspezifischen Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit unsicher, welche Verdauungsstörung genau dahintersteckt. Und so ist es ratsam, bei wiederkehrenden, anhaltenden und stark ausgeprägten Beschwerden einen Mediziner aufzusuchen.

Diese Erkrankungen können mit ähnlichen Symptomen einhergehen:

Zunächst wird der Gastroenterologe die Krankheitsgeschichte des Patienten genauer erfragen und erfassen (Anamnese), zudem findet eine körperliche Untersuchung (Abtasten und Abhören des Bauchs mit einem Stethoskop) statt. In manchen Fällen ordnet der Arzt auch eine Magen- und/oder Darmspiegelung an, um organische Schäden auszuschließen. Bei der Gelegenheit wird häufig noch eine Biopsie durchgeführt: Entnommene Proben aus dem Gewebe sollen Aufschluss auf eine Unverträglichkeit geben.

Zur Überprüfung eines Laktasemangels gibt es den Wasserstoff-Atemtest: Der nüchterne Patient (er hat seit dem Abend davor keine Nahrung zu sich genommen) erhält eine Laktose-Flüssigkeit zum Trinken. Wenn eine Laktoseintoleranz besteht, verstoffwechseln die Dickdarmbakterien Laktose teilweise zu Wasserstoff, der ins Blut übertritt und dann über die Lunge bis in die Ausatemluft gelangt. Mit einem Atemtest ermittelt der behandelnde Arzt den Wasserstoff-Wert. Zusammen mit den möglicherweise auftretenden Symptomen kann so eine Milchzuckerunverträglichkeit bestätigt werden.

Des Weiteren gibt es noch die Möglichkeit, einen Laktasemangel durch eine Messung des Blutzuckerspiegels nachzuweisen: Auch hier wird Laktose im nüchternen Zustand als Flüssigkeit zugeführt. Es erfolgen mehrere Kontrollen des Zuckerspiegels (erst nüchtern und dann nach 30, 60, 90 und 120 Minuten) über eine Blutentnahme.3 Wurde der Milchzucker im Dünndarm gespalten und resorbiert, steigt der Blutzuckerspiegel erheblich an — konnte die Laktose im Dünndarm nicht gespalten werden, erhöht sich der Blutzuckerspiegel gering bis überhaupt nicht.

Auch ein Gentest zur Ermittlung einer Intoleranz ist möglich. Hierfür wird lediglich eine Blutprobe oder ein Wangenschleimhautabstrich benötigt, der dann in einem speziellen Labor ausgewertet wird.

 

Behandlung
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Behandlung einer Laktoseintoleranz

Wie sieht nach der gestellten Diagnose Milchzuckerunverträglichkeit die Therapie aus? In erster Linie geht es darum, den Konsum von Milchzucker enthaltenden Lebensmitteln einzustellen. Denn erst dann kann sich der Darm wieder von der langen Belastung durch den unspaltbaren Milchzucker erholen und die Symptome nehmen ab. Dies dauert auch schon einmal mehrere Wochen.

Aha! Wer hat sich denn da versteckt?!

Leider ist es nicht immer so einfach, Milchzucker zu umgehen, denn häufig wird Lebensmitteln aus verschiedenen Gründen Laktose zugesetzt (zum Beispiel als Bindemittel oder Aromaträger). Und so können ebenso Fertigprodukte, Wurstwaren sowie Gebäck den „Problemstoff“ beinhalten. Selbst bei Medikamenten kommt zuweilen Milchzucker vor. Daher informieren Sie sich gut und studieren Sie die Inhaltsstoffe sowie die Beipackzettel. Ihr behandelnder Arzt, beratender Apotheker oder ein Ernährungscoach wird Sie bei Unklarheiten sicher auch gerne unterstützen.

Für den Fall, dass Sie sich in einer Situation befinden, in welcher Sie sich bezüglich der Inhaltsstoffe Ihres Essens unsicher sind und nicht nachfragen können oder wollen – beispielsweise beim Geschäftsessen, im Ausland oder bei der Schwiegermutter – und Sie sich vor Symptomen bewahren möchten, ist die kurzfristige Einnahme von Laktase-Präparaten möglich. Diese gibt es in Form von Pulver, Kautabletten oder Kapseln in der Apotheke oder auch mal in Drogeriemärkten (für gewöhnlich aber von geringerer Qualität). Sie reichern den Dünndarm mit dem notwenigen Enzym zur Verdauung des Milchzuckers an. Die Präparate sind jedoch nicht für eine Dauermedikation geeignet. Langfristig ist es notwendig, eine entsprechende Laktose-Diät zu halten.

 

Formen

Die verschiedenen Typen einer Laktoseunverträglichkeit

Laktoseintoleranz ist nicht gleich Laktoseintoleranz. Letztlich ist zwar immer ein Mangel des Enzyms Laktase für die Unverträglichkeit verantwortlich, aber dieser kann auf unterschiedliche Weisen zustande kommen.

Medizinier unterscheiden daher in der Regel zwei Arten:

  • Primäre Milchzuckerunverträglichkeit (Hypolaktasie): Mit steigendem Alter werden Milchprodukte immer schlechter vertragen, weil sich die Produktion des Enzyms Laktase zunehmend verringert. Der Laktase-Mangel ist angeboren, genetisch bedingt, vererbbar und bleibt ein Leben lang bestehen. Die primäre Laktoseintoleranz ist die weitaus häufigere der beiden Formen.
  • Sekundäre Milchzuckerunverträglichkeit: Hier tritt die Intoleranz infolge einer anderen Erkrankung auf, beispielsweise Zöliakie, Morbus Chron, Colitis Ulcerosa oder anderen Entzündungen im Magen-Darm-Bereich. Wichtig: Die Laktoseintoleranz muss bei dieser Form nicht lebenslang bestehen bleiben.

Quellen

Weiterlesen

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