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Krankheiten & Symptome

Völlegefühl im Magen: Ursachen & Behandlung

Vor allem fettiges Essen stellt die Verdauung vor ernste Probleme, doch Völlegefühl kann auch andere Ursachen haben.
Zuletzt aktualisiert am: 12.04.2017
Inhalt

Jeder kennt es, meist als Konsequenz deftiger Mahlzeiten: Der Magen ist voll, der Darm zusätzlich mit Luft gefüllt und schon stellt sich ein unangenehmes Völlegefühl ein. Das Symptom hat in diesem Fall keine krankhafte Ursache. Der Magen reagiert empfindlich auf Nahrungsbestandteile wie Fett, Zucker und blähende Speisen. Völlegefühl und Druck im Oberbauch kann aber auch durch übermäßiges Verschlucken von Luft oder eine ungewöhnlich starke Bildung von Darmgasen entstehen. Der aufgeblähte Bauch spannt und erzeugt ein unangenehmes Gefühl von Überlastung. Wird das Gefühl durch eine Krankheit verursacht, wird es meist von weiteren Symptomen begleitet. Im Zusammenhang mit einer Verdauungsstörung, auch Dyspepsie genannt, handelt es sich hier zum Beispiel um Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeitsgefühl, Erbrechen, Durchfall, Sodbrennen oder Appetitlosigkeit.

Praktische Tipps bei Völlegefühl

  • Vergessen Sie bei der Ernährungsumstellung auch Genussmittel nicht. Alkohol, Nikotin und Softgetränke können ebenso zu einem Völlegefühl führen wie das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi.
  • Wenn Sie zu Völlegefühl neigen, lassen Sie enge Hosen und Gürtel weg.
  • Ausdauersport entspannt den Magen-Darm-Trakt und hilft gegen das Völlegefühl.
  • Nehmen Sie ein warmes Entspannungsbad, wenn Sie akut an einem Völlegefühl leiden.
  • Da die Psyche ebenfalls ein Auslöser für die Beschwerden sein kann, probieren Sie es doch mal mit Entspannungsmethoden wie dem autogenen Training. Entspannung und Abbau von negativem Stress im Alltag fördert gleichzeitig die Gesundheit von Körper und Geist.
Ursachen

Wie entsteht Völlegefühl?

Wenn einen das Völlegefühl plagt, hängt dies oft mit dem persönlichen Essverhalten zusammen. Eine zu große Mahlzeit, die ungesunde Mengen an Fett, Zucker oder blähenden Nahrungsmitteln enthält, kann ganz schön aufblähen: Der Magen wird überlastet, die Verdauung gebremst und der Darm kann zusätzlich mit Blähungen reagieren, die wiederum das Gefühl eines übervollen Bauchs unterstützen. Weitere mögliche Ursachen für Völlegefühl sind ein übermäßiger Konsum von Nikotin oder Alkohol und psychische Ausnahmesituationen wie negativer Stress, Depressionen oder Angstzustände.

Krankheiten als Ursache für Völlegefühl

Wenn Sie nach einem opulenten Essen mal das Gefühl haben, Ihr Bauch sei einfach zu voll, dann haben diese Beschwerden alleine noch keinen Krankheitswert. Tritt das Völlegefühl aber regelmäßig in Ihrem Alltag auf, ist eventuell eine der folgenden Erkrankungen dafür verantwortlich:

  • Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut)
  • Reizmagen (funktionelle Dyspepsie)
  • Reizdarmsyndrom
  • Magengeschwür
  • Infektion des Darms durch Pilze oder Bakterien
  • Allergie auf Nahrungsmittel
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Laktasemangel, Fruktoseintoleranz, etc.)
  • Störung der Darmflora
  • gestörte Gallensäureproduktion
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Tumor, Entzündung)
  • Diabetes mellitus
  • Zwerchfellhernie (Lücke im Zwerchfell, die einen Teil des Magens in den Brustkorb rutschen lässt)

Hormonelle Ursachen für Völlegefühl

Der gesunde weibliche Hormonhaushalt unterliegt zyklischen Schwankungen, die sich in Ausnahmesituationen wie einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren noch intensivieren. Das Völlegefühl kann in diesem Zusammenhang in Kombination mit ähnlichen Symptomen des Magen-Darm-Trakts auftreten. Bestimmte Hormonumstände erhöhen das Risiko für Völlegefühl, so tritt es zum Beispiel in der Schwangerschaft häufiger auf. Bedenken Sie also, dass das Völlegefühl häufig ein harmloses Symptom ist, aber auch einmal einen behandlungsbedürftigen Hintergrund haben kann. Planen Sie einen Besuch bei Ihrem Hausarzt ein, wenn sich die Beschwerden häufen und Sie darunter leiden.

Schwangerschaft

Die Schwangerschaft, speziell das erste Drittel, ist eine Zeit der Umstellung. Der Darm wird aufgrund einer entspannten Muskulatur träge, was zusätzlich zu Blähungen, Verstopfung und einem Völlegefühl führen kann. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft hängt das Völlegefühl eher mit dem Platzmangel des Magens zusammen, da Baby und Gebärmutter den Bauchraum ausfüllen. Daher treten die Beschwerden nun bevorzugt nach dem Essen auf. Viele kleine Mahlzeiten können dieses Problem lösen.

PMS 

Viele Frauen kennen das Völlegefühl auch als Symptom des prämenstruellen Syndroms (PMS) während der Tage vor der nächsten Regelblutung.

Während der Periode 

Im Zusammenhang mit der Menstruationsblutung berichten weitere Frauen von einem unangenehmen Völlegefühl in der Magengegend.

Wechseljahre

Die hormonelle Situation in den Wechseljahren ist die Ursache verschiedenster Beschwerden. Auch hier gehört das Völlegefühl dazu. Mediziner vermuten eine Interaktion der sinkenden Hormonspiegel mit der Darmschleimhaut. Einige Lebensmittel werden eventuell schlechter vertragen als vor den Wechseljahren und unterstützen das Gefühl eines übermäßig gefüllten Oberbauchs noch.

Was passiert im Körper?

Das Symptom Völlegefühl

Häufig verbirgt sich hinter dem Symptom Völlegefühl lediglich ein übervoller Magen nach einer ausschweifenden Mahlzeit. Aber was passiert in Ihrem Körper, wenn Sie zu viel essen?

In den Magen eines Erwachsenen passt circa ein Liter Nahrungsbrei oder Flüssigkeit. Nehmen Sie mehr Nahrung auf, dehnt sich der flexible Magen weiter aus und übt Druck auf die benachbarten Organe aus. Sie empfinden daher ein Völlegefühl. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Luft, die Sie beim Essen schlucken. Hastiges Herunterschlingen einer Mahlzeit oder der Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken dehnt den Magen zusätzlich aus und bläht den Darm, der nun seinerseits von unten gegen den Magen drücken kann. Die Magenfülle wird regelrecht sichtbar, wenn sich der Bauch nach außen wölbt, angespannt ist und die Hose zu eng wird.

Häufige Begleitsymptome des Völlegefühls

Ist eine Verdauungsstörung oder eine ähnliche Erkrankung die Ursache für ein Völlegefühl, wird das Symptom von weiteren Beschwerden begleitet.

Betroffene berichten häufig von:

Diagnose
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Wie die Diagnose zum Symptom Völlegefühl gefunden wird

Haben Sie unabhängig von der Nahrungsaufnahme ein Völlegefühl oder leiden Sie ständig an diesem Symptom? Lassen Sie Ihre Beschwerden von Ihrem Arzt abklären. Dann können Sie sicher sein, welche Ursache für das Völlegefühl verantwortlich ist und bei Bedarf die entsprechende Therapie beginnen. Leiden Sie nur nach ausschweifenden Mahlzeiten an Völlegefühl, ist das kein Grund zur Sorge.

Das Patientengespräch

Erste Informationen sammelt der Arzt stets im Patientengespräch. Bereiten Sie sich darauf vor, um möglichst rasch die richtige Diagnose zu erhalten. Der Mediziner wird Sie zum Beispiel bitten, Ihre Beschwerden zeitlich im Tagesablauf einzuordnen und Sie fragen, wie lange das Völlegefühl jeweils anhält. Hat es Bezug zu den Mahlzeiten? Welche Begleitsymptome haben Sie beobachtet? Beschreiben Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten. Es kann hilfreich sein, ein Tagebuch anzulegen, in dem Sie sowohl Ihre Beschwerden als auch Ihre Ernährung im Detail und mit Uhrzeit dokumentieren. Ihr Arzt wird Sie zu Vorerkrankungen und Allergien befragen und zu den Medikamenten, die Sie regelmäßig einnehmen.

Die körperliche Untersuchung

Nach der Erhebung der sogenannten Anamnese (Krankengeschichte) wird Ihr Arzt Sie körperlich untersuchen. Durch Abtasten des Bauches kann er zum Beispiel feststellen, ob Blähungen vorliegen, ob möglicherweise Organe wie Leber und Milz vergrößert sind und ob Sie Druckschmerzen in der Magengegend haben.

Der Mediziner wird sich ein Bild von Ihrem Allgemeinzustand machen und Gewicht, Blutdruck sowie Puls beurteilen. Regt sich nach dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung der Verdacht, dass eine Erkrankung hinter Ihrem Symptom stecken könnte, wird er Ihnen weitere Untersuchungen empfehlen.

Weiterführende Diagnostik

Die nächsten Schritte zur grundlegenden Diagnostik im Rahmen des Symptoms Völlegefühl beinhalten eine Blutuntersuchung (Entzündungswerte, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, Blutzucker) und eine Untersuchung des Stuhls auf Krankheitserreger (Bakterien, Pilze, Parasiten, Viren) sowie Auffälligkeiten des Verdauungsprozesses und der Darmflora. Hat der Arzt den Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelallergie, setzt er spezielle Tests (Atemtest, Hauttest, Blutuntersuchung) zur Diagnostik ein.

Bildgebende Verfahren

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur richtigen Diagnose kann der Einsatz bildgebender Verfahren sein. Zunächst kann sich der Mediziner bei Bedarf per Ultraschall in Ihrem Bauch orientieren. Fällt hier eine Unregelmäßigkeit auf oder bleiben die Symptome trotz Normalbefunden weiter bestehen, kann eine der folgenden Untersuchungen hilfreich sein:

  • Magenspiegelung (Gastroskopie): Über einen Schlauch mit integrierter Optik und Kamera (Gastroskop) kann sich der Untersucher direkt Ihre Speiseröhre und Ihren Magen ansehen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit Schleimhautproben zu entnehmen und diese auf Bakterien (zum Beispiel Helicobacter pylori) und Tumorzellen zu untersuchen.
  • Endoskopie (Spiegelung) des Gallengangs
  • Computertomografie (CT) des Bauchraums
  • Magnetresonanztomografie (MRT) des Bauchraums
Behandlung

Behandlung bei Völlegefühl

Die Therapie des Völlegefühls Wie das Völlegefühl behandelt wird, hängt immer von seiner Ursache ab. Ist es ernährungsbedingt, reicht es oft schon aus, auf verträgliche Nahrungsmittel zu achten und ein paar Tipps zu einem gesunden Essverhalten zu beherzigen. Hausmittel können ebenso helfen wie Medikamente aus Naturheilkunde und Schulmedizin. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welche Therapie in Ihrem Fall angezeigt ist. Begleitet das Völlegefühl eine Grunderkrankung wie ein Magengeschwür oder ein Reizdarmsyndrom, ist die gezielte Behandlung dieser Erkrankung der Weg zur Beschwerdefreiheit.

Ernährung 

Ernährung bei Völlegefühl

Vermeiden Sie ein unangenehmes Völlegefühl, indem Sie viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen statt weniger Hauptmahlzeiten. Auch an Feiertagen wie Weihnachten können Sie Festessen magenfreundlich gestalten. Verteilen Sie das Menü auf mehrere Gänge und legen Sie immer wieder eine Verdauungspause ein. Kauen Sie gründlich und essen Sie langsam. Probieren Sie aus, welche Nahrungsmittel bei Ihnen ein Völlegefühl auslösen und führen Sie eventuell ein Ernährungsprotokoll. Detaillierte Aufzeichnungen helfen auch Ihrem Arzt bei der Diagnose weiter.

Nahrungsmittel, die häufig Beschwerden hervorrufen:

  • Rohkost
  • Spargel
  • Hülsenfrüchte
  • Kohl
  • Zwiebeln
  • Lauchgemüse
  • Bananen
  • Feigen
  • Weintrauben
  • Trockenobst
  • Süßigkeiten
  • Industriezucker
  • künstlicher Süßstoff
  • Eier
  • Alkohol
  • kohlensäurehaltige Getränke

Gehen Sie auch mit Ballaststoffen vorsichtig um. Nicht jeder Magen und Darm verträgt diesen eigentlich gesunden Nahrungsbestandteil problemlos. Geben Sie Ihrem Verdauungssystem etwas Zeit.

Hausmittel

Hausmittel gegen Völlegefühl

Auch wenn Sie sich umsichtig ernähren, kann es zu einem akuten Völlegefühl kommen. Lindern Sie das Symptom zunächst mit Hausmitteln, bevor Sie zu stärkeren Medikamenten greifen. Probieren Sie es zum Beispiel mit einer Wärmflasche oder einem warmen Kirschkernkissen, die sie sich auf den Oberbauch legen. Auch ein strammer Spaziergang an der frischen Luft kann gegen Völlegefühl helfen.

Medikamente aus der Schulmedizin

Einige Patienten benötigen trotz Ernährungsumstellung und natürlicher Therapie Medikamente aus der Schulmedizin. Ihr Arzt wird Sie individuell beraten. Medikamente gegen Völlegefühl sind auch gegen Blähungen wirksam, können akut eingesetzt werden und setzten mit ihrer Wirkung direkt im Darm an. Die Wirkstoffe Simeticon und Dimeticon sind verwandt und haben vergleichbare Effekte und Nebenwirkungen. Sie reduzieren die Oberflächenspannung von Gasblasen. Auf diesem Weg entschäumen und entspannen sie den überdehnten Magen und lindern das Völlegefühl. Einen Großteil der freigesetzten Gase aus Magen und Darm kann der Körper über die Lunge abatmen. Wenden Sie Simeticon und Dimeticon als Weichkapseln, Kautabletten, Flüssigkapseln, Granulat oder Suspension an. Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Die Wirkstoffe werden nicht in den Blutkreislauf aufgenommen. Nehmen Sie die Medikamente nach Anweisung im Beipackzettel bei Bedarf mit oder nach der Mahlzeit ein.

Quellen

  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2012
  • Helmut Messmann, Klinische Gastroenterologie: Das Buch für Fort- und Weiterbildung plus DVD mit über 1.000 Befunden, Thieme Verlag, Stuttgart 2011
  • http://www.docjones.de/krankheiten/blaehungen-voellegefuehl#Nat%C3%BCrliche%20Hilfe%20bei%20Bl%C3%A4hungen (am 5.9.2016 abgerufen)
  • Effects of Proton Pump Inhibitors on the Gastric Mucosa-Associated Microbiota in Dyspeptic Patients; Francesco Paroni Sterbini, Alessandra Palladini, Luca Masucci, Carlo Vittorio Cannistraci, Roberta Pastorino, Gianluca Ianiro, Francesca Bugli, Cecilia Martini, Walter Ricciardi, Antonio Gasbarrini, Maurizio Sanguinetti, Giovanni Cammarota, and Brunella Posteraro; Appl. Environ. Microbiol. AEM.01437-16; Accepted manuscript posted online 2 September 2016, doi:10.1128/AEM.01437-16
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