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Krankheiten & Symptome

Übelkeit (Nausea) und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen sind Schutzmechanismen des Körpers, die von verschiedenen Ursachen hervorgerufen werden können. Meist stecken Erkrankungen der Bauchorgane dahinter.
Zuletzt aktualisiert am: 12.04.2017
Inhalt

Durch Übelkeit (med. Nausea)  muss es nicht notwendigerweise zum Erbrechen kommen. Da akutes Erbrechen aber eine Reinigungsfunktion des Organismus darstellt, sollte es zunächst nicht unterdrückt werden. Oft geht es nach kurzer Nahrungspause vorüber. Hält es an, kann das Erbrechen mithilfe von Medikamenten aufgehalten werden, eine schonende Ernährung hilft dem Magen, sich zu beruhigen.

Warum kommt es zum Erbrechen?

Der Körper reagiert zunächst mit Übelkeit, bevor der Reflex zu Erbrechen ausgelöst wird. Dieser Mechanismus dient dem Selbstschutz und befördert Giftstoffe aus dem Körper. Ist das Brechzentrum im Gehirn einmal in Gang gesetzt, kann das Erbrechen nicht mehr aufgehalten werden. Es reguliert die Aktivität der Muskulatur von Magen, Darm, Zwerchfell und Speiseröhre. Der Magen-Darm-Trakt baut einen hohen Druck auf, um den Mageninhalt wieder nach oben zu transportieren. Die begleitenden Symptome Blässe, Schwindel, Kaltschweißigkeit und verstärkter Speichelfluss werden vom vegetativen Nervensystem ausgelöst. Damit Erbrochenes nicht eingeatmet werden kann (Aspiration) hält das Brechzentrum für einen kurzen Moment die Atmung an und verschließt den Rachenraum.

Ursachen

Ursachen für Übelkeit und Erbrechen

Die Ursachen für die Symptome sind breit gestreut. Physische Auslöser sind ebenso bekannt wie psychische. Liegt der Ursprung der Erkrankung im Magen-Darm-Trakt, kommen

  • Schmerzen,
  • Infektionen,
  • Passagehindernisse,
  • entzündliche Erkrankungen und
  • Tumoren infrage.

Außerhalb des Magen-Darm-Trakts handelt es sich zum Beispiel um

  • einen Herzinfarkt,
  • eine Nierenkolik,
  • eine Hodentorsion,
  • eine Ovarialzyste,
  • eine Migräne oder
  • einen Glaukomanfall.

Ist das zentrale Nervensystem involviert, kann die Ursache für Übelkeit und Erbrechen beispielsweise

  • ein erhöhter Hirndruck,
  • ein Gehirntumor,
  • eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder
  • eine Hirnhautentzündung (Meningitis) sein.

Weitere Auslöser sind:

  • die Reisekrankheit (Kinetose),
  • eine Vergiftung,
  • Medikamente,
  • Stoffwechselerkrankungen wie ein Diabetes mellitus,
  • Lebensmittelunverträglichkeiten,
  • eine Schwangerschaft,
  • hohes Fieber,
  • starke Schmerzen,
  • eine Strahlentherapie,
  • psychische Erregungszustände und Erkrankungen (Anorexie, Bulimie, Angsterkrankungen)
Reisekrankheit

Die Reisekrankheit (Kinetose) als Ursache für Übelkeit und Erbrechen

Ein häufiger Auslöser für die Symptome Übelkeit und Erbrechen ist die Reisekrankheit, medizinisch als Kinetose bezeichnet. Betroffene kämpfen bei der Reise mit dem Auto, dem Flugzeug, dem Zug oder dem Schiff mit Schweißausbrüchen, Schwindel, Herzrasen und Übelkeit. Im Extremfall folgt das Erbrechen. Die Symptome basieren auf dem paradoxen Zusammenspiel widersprüchlicher Reize im zentralen Nervensystem. Die Augen registrieren eine Bewegung, das Gleichgewichtsorgan nicht. Da im Hirnstamm, wo auch das Brechzentrum sitzt, alle Information zusammenlaufen, kann bei anfälligen Menschen ein Brechreiz entstehen. Sind Sie Kinetosepatient, beugen Sie besser vor. Akupressurarmbänder stimulieren Druckpunkte am Handgelenk und Medikamente wie Dimenhydrinat oder Ingwerpräparate zielen auf das Brechzentrum im Gehirn.

Diagnose

Wie die Diagnose gefunden wird

Wie bereits dargestellt haben Übelkeit und Erbrechen sehr viele unterschiedliche Ursachen. Zu Beginn der Diagnose steht das Patientengespräch, das den Arzt meist auf die richtige Fährte führt. Er erfragt Begleitsymptome und den zeitlichen Bezug der Übelkeit zu Mahlzeiten oder Medikamenteneinnahmen. Sind Sie weiblich, wird der Mediziner Sie auch zur Möglichkeit einer Schwangerschaft befragen. Waren Sie kürzlich im Ausland, insbesondere in den Tropen? Haben Sie Fieber? Achten Sie auch auf die Farbe des Erbrochenen und auf mögliche Blutbeimengungen. Sind Sie gut auf das Gespräch vorbereitet, gelangt Ihr Arzt deutlich rascher zur richtigen Diagnose.

Der Zeitpunkt des Erbrechens

Wie wichtig Ihre Auskünfte sind, erkennen Sie daran, dass allein aufgrund der Tageszeit des Erbrechens einige mögliche Diagnosen naheliegen. Treten die Symptome morgens im nüchternen Zustand auf, spricht das für einen erhöhten Hirndruck, eine Schwangerschaft oder übermäßigen Konsum von Alkohol am Vorabend. Tritt das Erbrechen auf, ohne dass Ihnen vorher übel war, liegt die Ursache wahrscheinlich im zentralen Nervensystem. Schwallartiges Erbrechen spricht für eine Verengung des Magenausgangs. Ist eine Lebensmittelvergiftung die Ursache, ist ab circa drei bis zu 36 Stunden nach Genuss der verdorbenen Speise mit dem plötzlichen Auftreten von Symptomen zu rechnen.

Sekundäre Anzeichen: Was Begleitsymptome bedeuten können

Beispiele für wichtige Begleitsymptome zeigen, dass Sie auch hier wichtige Hinweise für Ihren Arzt liefern können. Leiden Sie an Schwindel, ist eventuell das Gleichgewichtsorgan oder das entsprechende Zentrum im Gehirn erkrankt. Begleitendes Fieber ist ein deutliches Zeichen für eine infektiöse Erkrankung. Leiden Sie an Erbrechen und Durchfall, liegt eine Erkrankung des gesamten Magen-Darm-Trakts nahe. Treten Schmerzen auf, weist die Lokalisation den Weg. Übelkeit und gürtelförmige Bauchschmerzen haben häufig eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) zur Ursache. Ihr Arzt vermutet einen Herzinfarkt, wenn Ihre Übelkeit in Kombination mit Schmerzen im Brustbereich und im oberen Bauchraum auftritt. Kopfschmerzen sind ein Anzeichen für einen Migräneanfall und begleitende Augenschmerzen legen schließlich einen Glaukomanfall im Rahmen des grünen Stars nahe.

Die körperliche Untersuchung

Es folgt die körperliche Untersuchung. Falls Sie bereits mehrfach erbrochen haben, wird Ihr Arzt auf Zeichen der Austrocknung achten. Sind Ihre Schleimhäute noch feucht und wie elastisch sind die Hautfalten am Bauch? Besonders bei kleinen Kindern und älteren Menschen besteht die Gefahr, rasch zu viel Flüssigkeit und Blutsalze zu verlieren. Weitere Schwerpunkte der Untersuchung liegen auf dem Bauchraum und dem zentralen Nervensystem. Der Arzt erhält weitere wichtige Anhaltspunkte für seine Diagnose.

Laboruntersuchungen

Erachtet Ihr Arzt eine Blutuntersuchung als notwendig, stehen verschiedene Werte zur Verfügung, die im Zusammenhang mit Übelkeit und Erbrechen sinnvoll sein können. Ein Blutbild, das C-reaktive Protein, Elektrolyte, Leberwerte, Nierenwerte und die Blutgasanalyse gehören dazu.

Bildgebende Verfahren

Der nächste diagnostische Schritt beinhaltet den Einsatz der sogenannten bildgebenden Verfahren. Sie sind besonders dann gefragt, wenn der Verdacht auf eine chronische Erkrankung besteht. Zur Verfügung stehen zum Beispiel:

  • der Ultraschall (die Sonographie)
  • das Röntgen
  • die Endoskopie mit einer Magenspiegelung

Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen die entsprechende Diagnostik empfehlen, wenn Gespräch und körperliche Untersuchung einen Verdacht auf eine bestimmte zu behandelnde Grunderkrankung geben. Häufig liegt einer Übelkeit aber lediglich eine harmlose Virusinfektion oder eine kurzfristige Stressepisode zugrunde, die keine weitere Diagnostik notwendig machen.

Wann zum Arzt?

Wann zum Arzt?

Erbrechen, das nur in einem kurzen Zeitraum auftritt, hat meist keinen besorgniserregenden Hintergrund. Halten die Symptome über mehrere Tage an und verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Betroffenen eher, ist es Zeit, einen Arzt um Rat zu fragen. Ist eine Behandlung der Ursache angezeigt, kann diese rasch beginnen. Achten Sie besonders darauf, Säuglinge, kleine Kinder und Senioren rechtzeitig zum Arzt zu bringen, da diese besonders gefährdet sind, zu viel Flüssigkeit und Salze zu verlieren. Alarmzeichen sind weiterhin:

  • Fieber
  • starke Schmerzen
  • Schläfrigkeit
  • Bewusstseinsstörungen
  • trockene Schleimhäute
  • stehende Hautfalten am Bauch und eine eingesunkene Fontanelle, speziell bei Säuglingen

Blutiges Erbrechen

Ist der erbrochene Mageninhalt blutig verfärbt oder sieht schwarz wie Kaffeesatz aus, besteht der Verdacht auf eine Blutung. Entsteht sie in der Speiseröhre durch druckbedingte Einrisse der Schleimhaut, ist das Blut eher rot und als solches zu erkennen. Ist die Blutung schwallartig, sollten Sie sich direkt in einem Krankenhaus vorstellen oder gegebenenfalls einen Notarzt rufen. Gleicht das Erbrochene Kaffeesatz, liegt die Blutung wahrscheinlich im Magen, da die Reaktion des Blutes mit der Magensäure das Blut schwarz färbt. Es kann eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür vorliegen.

Behandlung
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Therapie bei Übelkeit und Erbrechen

Die Symptome dienen als Schutzfunktion für den Organismus. Daher ist es zunächst sinnvoll, das Erbrechen nicht medikamentös zu unterdrücken, sondern erst einmal eine kurze Nahrungspause einzulegen. Ruhen Sie sich aus und nehmen Sie nur schluckweise stilles Wasser oder Tee zu sich. Hält die Übelkeit an und ist ärztlich abgeklärt, haben Sie die Wahl zwischen altbewährten Hausmitteln und Medikamenten aus Naturheilkunde und Schulmedizin.

Naturheilmittel als sanfte Alternative

Häufig sind Übelkeit und Erbrechen nicht sehr stark ausgeprägt und haben keine Ursache, die dringend behandelt werden müsste. Behandeln Sie die Symptome daher zunächst mit pflanzlichen Medikamenten. Die Natur bietet gut verträgliche Wirkstoffe, die in den meisten Fällen keine unerwünschten Nebenwirkungen auslösen.

Ingwer

Ingwer speichert in seinem Wurzelstock Wirkstoffe wie Gingerole und Shogaole. Diese Naturstoffe hemmen den Brechreiz direkt im Hirnstamm, indem sie Rezeptoren für Dopamin und Serotonin blockieren. Nebenbei regt Ingwer die Sekretion von Speichel und Magensaft an und bringt die Darmtätigkeit auf Trab. Ingwer-Arzneimittel sind in der Apotheke in Kapselform oder als Tee erhältlich. Zusätzlich können Sie sich einen frischen Ingerwee aufbrühen: Hierzu zwei bis drei Scheiben frischen Ingwer mit einer Tasse kochendem Wasser aufbrühen und nach 15 Minuten Ziehen in kleinen Schlucken trinken.

Pfefferminze

Leichte Übelkeit kann mit der Kraft der Pfefferminze gelindert werden. Die Wirkstoffe finden sich in Blättern sowie Öl der Pflanze und beruhigen die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts. Eine desinfizierende Wirkung ist den enthaltenen Gerbstoffen, den Flavonoiden und dem Menthol zu verdanken. Die Pfefferminze lässt sich in der Form von Öl, Tee, Extrakten oder Kapseln anwenden.

Melisse

Melisse ist eine traditionelle Heilpflanze zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen. Melissenblätter enthalten ätherische Öle, Cumarine, Gerbstoffe sowie Phenolkarbonsäuren, die die Magenschleimhaut beruhigen, Krämpfe lösen und antibakteriell wirken können. Wenden Sie Melisse in der Form von Tee oder Melissengeist an.

Engelwurz

Die ätherischen Öle der Engelwurz wirken entspannend auf die Muskulatur von Magen und Darm, regulieren die Sekretion von Gallensaft und Magensekret und können Entzündungen hemmen. Meiden Sie bei der Einnahme von Engelwurz Sonnenbäder und Besuche im Solarium. Die Heilpflanze steigert die Lichtempfindlichkeit der Haut. Engelwurz ist als Fertigpräparat und als Tee erhältlich.

Schulmedizinische Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

  • Dimenhydrinat ist das Mittel der Wahl bei Erbrechen. Das Antihistaminikum stoppt die Symptome und beruhigt zusätzlich. In der Apotheke haben Sie die Wahl zwischen Zäpfchen, Retardkapseln, Dragees und Sirup in unterschiedlichen Dosierungen. Die Maximaldosis für gesunde Erwachsene entspricht dreimal täglich 150 Milligramm. Mögliche Nebenwirkungen sind starke Müdigkeit, Hautausschläge und Entleerungsstörungen der Harnblase.
  • Metoclopramid hemmt den Brechreiz im Stammhirn und regt die Darmbewegungen an. Wählen Sie in der Apotheke zwischen Tabletten, Tropfen, Kapseln und Zäpfchen. Die empfohlene Maximaldosis für gesunde Erwachsene beträgt dreimal täglich 10 bis 20 Milligramm. Mögliche Nebenwirkungen können Durchfall und Störungen des zentralen Nervensystems sein. Für Kinder unter zwei Jahren hat Metoclopramid keine Zulassung.
  • Domperidon ähnelt Metoclopramid und kann in Form von Tropfen und Tabletten eingenommen werden. Störungen des zentralen Nervensystems können auftreten.
  • Gegen Erbrechen in der Schwangerschaft werden auch die Vitamine B1, B6 und B12 eingesetzt.
Allgemeine Tipps und Hausmittel

Allgemeine Tipps und Hausmittel bei Übelkeit und Erbrechen

  • Legen Sie sich ein angewärmtes Heublumenkissen auf den Bauch und ruhen Sie für eine halbe Stunde. Die Wärme beruhigt den gereizten Magen.
  • Ein Kamille-Bauchwickel setzt sich aus einem Baumwolltuch, das in warmem Kamillentee getränkt wurde und einem trockenen Tuch, das den Wickel bedeckt, zusammen. Ruhen Sie nach Anlage des Wickels für circa 20 bis 30 Minuten und lassen Sie die Wärme entspannend auf den Magen wirken.
  • Probieren Sie es nicht nur bei Kindern mit Medikamenten in Zäpfchenform. Der gereizte Magen wird so umgangen und der Darm kann den Wirkstoff schnell in den Körper aufnehmen. Bei begleitendem Durchfall sind Zäpfchen nur bedingt geeignet.
  • Besteht die Gefahr der Austrocknung, können Sie sogenannte orale Rehydratationslösungen anwenden. So nehmen Sie verlorene Flüssigkeit in Kombination mit ebenfalls durch das Erbrechen vermehrt ausgeschiedenen Salzen wieder auf. Lösen Sie das Fertigpulver aus der Apotheke nach der Gebrauchsanweisung in Wasser auf.
  • Rezept für eine Elektrolytlösung zum Selbermachen: 150 Milliliter Wasser oder Tee + 4 Gramm Traubenzucker + 1 Prise Salz

Quellen

  • Gerd Herold, Innere Medizin, Selbstverlag, Köln 2014
  • Schönau et al., Pädiatrie integrativ, Urban & Fischer, München 2005
  • http://klinikum.uni-muenster.de/fileadmin/ukminternet/daten/zentren/cccm/pdf/Ernaehrung_bei_UEbelkeit_und_Erbrechen.pdf
  • http://www.docjones.de/krankheiten/erbrechen/erbrechen-pflanzliche-wirkstoffe
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