Gesundheitsportal für Verdauungsfragen
Anzeige
Ernährung & Diät

Schonkost ist angesagt: Gönnen Sie Ihrem Magen eine Pause!

Oft tut es gut, einige Tage Schonkost einzulegen. Zum Beispiel bei einer Magen-Darm-Grippe.
Zuletzt aktualisiert am: 20.02.2018 13:39:45

Inhalt

Erbrechen und Durchfall sind Symptome, die im Rahmen verschiedenster Krankheiten auftreten können. Sind Magen und Darm erkrankt, liegt es nahe, die Ernährung der veränderten Situation anzupassen. Subjektiv tut es den meisten Erkrankten gut, zum Beispiel bei einer Magen-Darm-Grippe oder bei Reizdarm ein paar Tage Schonkost einzulegen. Appetit ist bei ihnen ohnehin nur wenig vorhanden. Eine streng reglementierte Diät wird heute von Gastroenterologen aber nicht mehr empfohlen. Mediziner legen den Betroffenen nahe, einfach selbst auszuprobieren, welche Nahrungsmittel sie im Krankheitsfall vertragen. Trotzdem kann man auch hier einige Regeln beachten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hilft mit Empfehlungen weiter.

Schritt für Schritt

Schonkost Schritt für Schritt: Von der Teepause zurück zur Vollkost

Schonkost wird häufig aufgrund einer bakteriellen oder viralen Infektion von Magen und Darm eingesetzt. Die Erkrankung tritt meist aus heiterem Himmel auf. Beginnen Sie am besten mit einer Entlastung des Magen-Darm-Trakts in Form einer „Teepause“. Die Idee dahinter ist folgende: Je weniger Sie Ihr Verdauungssystem reizen, desto schneller wird Ihr Körper mit dem Virus fertig. Gönnen Sie Ihrem Magen-Darm-Trakt also etwas Ruhe und nehmen Sie zunächst nur warmen Tee schlückchenweise zu sich. Besteht die Gefahr der Austrocknung, weil Sie deutlich an Erbrechen und/oder Durchfall leiden, fügen Sie dem Tee Traubenzucker und etwas Salz hinzu. Denn Ihr Körper verliert nicht nur Wasser, sondern auch wertvolle Elektrolyte.

Rezept für eine Rehydratationslösung (angelehnt an die Empfehlung der WHO):

150 ml Wasser oder Tee (Schwarztee, Kamillentee) + 4 g Traubenzucker + 1 Prise Salz

 

Was sollte man als erstes essen?

Vertragen Sie Flüssigkeit, können Sie die Schonkost in Richtung Nahrung erweitern. Besonders bei Kindern ist es wichtig, den Nahrungsaufbau nicht zu langsam durchzuführen. Der Körper benötigt die Zufuhr von Nährstoffen, um die Erkrankung erfolgreich zu bekämpfen. Der nächste Schritt kann zum Beispiel eine Schleimsuppe aus Haferflocken, Wasser und etwas Salz oder aus Reisschleim sein. Reisschleim erhalten Sie in Pulverform, bereits mit Elektrolyten versetzt, im Handel. Sobald Sie diese Ernährung vertragen, ergänzen Sie die Schleimsuppe um

  • Milch,
  • etwas Öl,
  • gekochtes mildes Obst oder Gemüse (z.B. Bananen, Birnen, Äpfel, Karotten),
  • mageres gekochtes Fleisch.

Bleiben Sie in den ersten Tagen bei der Breiform. Hören Sie auf Ihren Magen-Darm-Trakt und passen Sie den Kostaufbau schrittweise an. Eine Schonkost ist natürlich nur ein Ersatz für eine normale Vollkost und enthält nicht alle notwendigen Nährstoffe und Kalorien. Verteilen Sie die Mahlzeiten in kleinen Portionen gleichmäßig über den Tag.

Was darf ich essen und was nicht?
Anzeige

Was darf ich essen und was nicht?

Falls Sie sich nicht so recht mit einer Schleimsuppe anfreunden können, achten Sie auf eine milde und fettarme Kost. Gut verträglich und leicht verdaulich sind im Allgemeinen stilles Wasser, milde verdünnte Säfte, Schwarztee, Kamillentee und Brühe. Essen Sie dazu Bananen, Apfelmus oder geriebenen Apfel, geriebene oder gekochte Karotten, Reis oder Kartoffelbrei.

Nahrungsmittel, die Sie meiden sollten:

  • Milchprodukte
  • fettige Speisen
  • Alkohol, Nikotin und Kaffee
  • sehr heiße und besonders kalte Speisen
  • blähendes Gemüse
  • Rohkost
  • frische Zitrusfrüchte
  • Vollkornprodukte
  • scharfe Gewürze

Der alte Mythos von Cola und Salzstangen ist überholt. Der Zuckergehalt von Cola ist zu hoch und verstärkt die Gefahr der Austrocknung. Salzstangen enthalten zu viel Salz und dabei fehlt das wichtige Kalium. Sinnvoll ist höchstens die Kombination aus Salzstangen und Bananenscheibchen (hoher Kaliumgehalt) für Kinder, die sich eventuell so dazu verlocken lassen, überhaupt etwas zu essen.

Leichte Vollkost

Leichte Vollkost: zurück zu einem normalen Essverhalten

Sobald Sie auf dem Weg der Besserung sind und die Schonkost gut vertragen, also weder Erbrechen noch Durchfall weiter auftreten, können Sie einen Versuch mit leichter Vollkost wagen. Achten Sie einfach weiterhin auf Ihren Darm und gehen Sie einen Schritt zurück, wenn Sie die Vollkost noch nicht vertragen. Es kann etwas dauern, bis Sie Milchprodukte wieder problemlos genießen können. Die Zellen der Darmschleimhaut werden nur langsam wieder aufgebaut und mit ihnen die erforderlichen Verdauungsenzyme. Kochen, dünsten oder dämpfen Sie Ihre Speisen zunächst. Viele Menschen vertragen frittierte, gebratene und geröstete Mahlzeiten erst, wenn sich der Darm ganz erholt hat.

Gesunder Darm durch Ballaststoffe

Gesunder Darm durch Ballaststoffe

Hat sich der Magen-Darm-Trakt von der Erkrankung erholt, sorgen Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung. Steigern Sie den Anteil an unverdaulichen Nahrungsbestandteilen auf Ihrem Speiseplan langsam und fördern Sie so Ihre Gesundheit. Ballaststoffe sind zum Beispiel Pektine, Zellulose, Hemizellulose und Pentosane. Sie quellen im Darm in der Kombination mit Wasser auf, erhöhen das Stuhlvolumen und regen die Darmbewegungen (Peristaltik) an. Sie unterstützen die gesunde Darmflora und binden Schadstoffe, Cholesterin sowie Gallensäuren. Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen bleiben lange im Magen und steigern so das Sättigungsgefühl. Greifen Sie regelmäßig zu Obst, Gemüse, Produkten aus Vollkorn und Getreiden (ganzes Korn). Vergessen Sie nicht, mindestens 1,5 Liter Wasser am Tag zu trinken, da den Ballaststoffen sonst nicht genügend Flüssigkeit zum Quellen zur Verfügung steht.

Grenzen der Schonkost

Grenzen der Schonkost: Chronische Magen-Darm-Erkrankungen

Erkrankungen, die von längerer Dauer sind, können nicht mit wenigen Tagen Schonkost behandelt werden. Das Reizdarmsyndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, der gastroösophageale Reflux und Lebensmittelunverträglichkeiten haben einen anderen Anspruch an die Ernährung. Gehören Sie zu den Betroffenen, wird Ihr Arzt Ihnen eine umfassende Ernährungsberatung empfehlen. Auch wenn sich Ihre akuten Beschwerden nicht nach wenigen Tagen deutlich bessern, kann Ihr Arzt Ihnen weiterhelfen.

Quellen:

Weiterlesen

Mehr zum Thema

Liebe Leser,
die Inhalte, die Sie auf DoktorDarm.de finden, dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin