Gesundheitsportal für Verdauungsfragen
Anzeige
Krankheiten & Symptome

Essen bei Durchfall: Helfen Salzstangen und Cola?

Hilfreiche Tipps für eine schonende Ernährung während und nach einer Durchfallepisode.
Inhalt

Durchfall (Diarrhö) ist ein Symptom, das im Rahmen verschiedener Grunderkrankungen auftreten kann. Es kommt in der ärztlichen Praxis häufig vor und wird in Deutschland meist von einem banalen Infekt verursacht. Durchfall wird definiert als Stuhlgang von verminderter bis flüssiger Konsistenz, der öfter als drei Mal am Tag auftritt. Die Stuhlmenge beträgt bei Diarrhö mehr als 250 Gramm am Tag.

Hat Ihr Arzt bestätigt, dass der Durchfall keinen akut behandlungsbedürftigen Hintergrund hat, setzt die Therapie zunächst bei Ihrer Ernährung an. Der Ausgleich Ihres Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes steht an erster Stelle. In unseren DoktorDarm Dos and Don'ts bei Durchfall lesen Sie, welche Getränke und Speisen Ihrem Darm gut tun und welche Nahrungsmittel Sie bei Durchfall besser meiden sollten. Wichtig: Bei Säuglingen, Kleinkindern oder Personen höheren Alters ist eine frühzeitige Rücksprache mit dem Kinderarzt oder dem Hausarzt angebracht.

Wie Sie Ihren Darm unterstützen

Die richtige Ernährung: Wie Sie Ihren Darm bei Durchfall unterstützen

Es ist wichtig, beim Essen auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Und das buchstäblich: Hören Sie auf Ihren Körper und probieren Sie vorsichtig aus, welche Nahrungsmittel Ihnen gut tun und welche die Symptome nur verschlimmern. Gastroenterologen sind mittlerweile von der Empfehlung einer strengen Diät abgekommen. Trotzdem gibt es Erfahrungswerte aus der Ernährungswissenschaft, die Ihnen weiterhelfen. Geben Sie Ihrem Darm auf jeden Fall ein paar Tage Zeit sich zu erholen und entlasten Sie ihn mit individueller Schonkost.

Die Teepause zu Beginn

Am ersten Tag des Durchfalls hilft eine Entlastung des Verdauungssystems. Trinken Sie warmen Tee mit einem Teelöffel Traubenzucker und einer Prise Salz auf 150 Milliliter Tee. So ersetzen Sie gleichzeitig Flüssigkeit und Elektrolyte. Je nach persönlichem Geschmack eignet sich Schwarztee oder Kamillentee als Ersthilfe-Hausmittel bei Durchfall am besten. Vertragen Sie den Tee und kommt es nicht zu Übelkeit und Erbrechen, führen Sie den Kostaufbau zügig weiter durch.

Reisschleim mit und ohne Zusätze

Kinder und Senioren sind besonders darauf angewiesen, die Nahrungspause möglichst kurz zu halten. Aber auch gesunde Erwachsene profitieren von einer adäquaten Nährstoffzufuhr, um Krankheitserreger rasch zu bekämpfen. Eine bewährte Form der Schonkost ist der Reisschleim als Grundlage für eine sogenannte Schleimsuppe mit verschiedenen Zusätzen. Reisschleim ist in Pulverform im Handel erhältlich. Greifen Sie dabei am besten zu einem Produkt, das bereits alle lebenswichtigen Elektrolyte in der passenden Dosierung enthält. Alternativ kochen Sie Haferflocken in Wasser mit etwas Salz als Basis für eine Schleimsuppe. Doch ganz so dröge muss Schonkost auch nicht sein. Mit folgenden gut verträglichen Zusätzen lässt sich die Suppe ein wenig aufpeppen:

  • fettarme Milch
  • etwas Pflanzenöl
  • mildes Gemüse oder Obst (Bananen, Karotten, Birnen, Äpfel), das Sie in der Suppe mitkochen
  • gekochtes mageres Fleisch

Achten Sie immer auf die Verträglichkeit einer neuen Zutat und ergänzen Sie die Zutaten von Mahlzeit zu Mahlzeit langsam. Wenn Ihnen ein Nahrungsmittel noch nicht bekommt, gehen Sie wieder einen Schritt zurück. Halten Sie die Portionen zunächst klein und essen Sie über den Tag verteilt immer wieder etwas.

Alternativen zu Schleimsuppe

Nicht jeder Patient isst gerne Haferflockensuppe oder Reisschleim. Selbstverständlich erholt sich Ihr Darm auch mit einer milden und fettarmen Schonkost, die sich aus anderen Nahrungsmitteln zusammensetzt.

Gut verträgliche Nahrungsmittel

Nahrungsmittel, die sich bei Durchfall besonders eignen

  • Reis
  • Kartoffelbrei
  • gekochte oder geriebene Möhren
  • Bananen
  • geriebener Apfel
  • Apfelmus
  • Zwieback

Gut verträgliche Getränke

  • stilles Wasser
  • milde Säfte (Karotte, Johannisbeere) als Schorlen
  • Schwarztee
  • Kamillentee
  • Hühnerbrühe
  • Gemüsebrühe

Wertvolle Pektine: Apfel gegen Durchfall

Äpfel sind natürlicher Bestandteil eines gesunden Speiseplans, aber sie bieten noch mehr als einen frischen Vitaminschub. Der Pflanzenstoff Pektin machen den Apfel zu einem wirksamen Mittel gegen Durchfall. Pektine sind Polysaccharide, die im Darm als Ballaststoffe fungieren. Sie werden nicht verdaut und in den Körper aufgenommen, sondern unverändert wieder ausgeschieden. Besonders sehr reife Äpfel verfügen über einen hohen Anteil an Pektin. Dieses befindet sich übrigens vor allem in der Schale – setzen Sie daher unbedingt auf Bio-Äpfel und essen die Schale mit! Pektin bindet Giftstoffe im Darm und wirkt beruhigend auf die überschießenden Darmbewegungen. Der Durchfall wird auf diese Weise gehemmt. Verwenden Sie fein geriebene Äpfel, kochen Sie Apfelmus oder nehmen Sie ein hoch konzentriertes Extrakt aus der Apotheke oder dem Reformhaus ein. Ein bis zwei Äpfel am Tag reichen zur Behandlung aus, denn die Früchte enthalten Fruchtzucker – und der entwickelt bei zu hoher Zufuhr wiederum eine abführende Wirkung.

Welche Lebensmittel Sie meiden sollten

Welche Lebensmittel Sie bei Durchfall besser meiden sollten

Jeder Darm ist unterschiedlich. Welche Nahrungsmittel im Krankheitsfall vertragen werden, kann sich daher von Mensch zu Mensch unterscheiden. Probieren Sie bei ersten Anzeichen der Besserung vorsichtig aus, was Sie vertragen. Eher zurückhaltend sollten Sie bei folgenden Speisen sein, da der angegriffene Darm noch keine Extreme (Fett, Temperaturen, scharfe Gewürze) toleriert:

  • sehr fettige Speisen
  • frittierte Gerichte
  • Milchprodukte
  • blähendes Gemüse
  • Rohkost
  • frische Zitrusfrüchte
  • extrem temperierte Speisen (sowohl heiß als auch kalt)
  • Kaffee
  • Alkohol und Nikotin
  • scharfe Gewürze
  • Produkte, die Vollkorn enthalten
Schritte zu einer gesunden Vollkost
Anzeige

Zurück zur gesunden Vollkost

Je mehr sich die Konsistenz des Stuhlgangs normalisiert, desto freier können Sie sich in der Auswahl Ihrer Nahrungsmittel fühlen. Die Darmschleimhaut regeneriert sich langsam und mit ihr die Verdauungsenzyme. Milchprodukte führen Sie besser nur langsam und in kleinen Portionen wieder ein, da erst genügend Laktase (Enzym, das den Milchzucker verdaut) aufgebaut werden muss. Bereiten Sie Ihre Mahlzeiten sorgfältig vor und bevorzugen Sie gekochte, gedämpfte oder gedünstete Speisen, bis sich Ihr Darm ganz erholt hat.

Salzstangen und Cola gegen Durchfall? Ein wichtiges Update

Salzstangen und Cola werden nicht mehr als ideale Ernährung bei Durchfall propagiert. Cola enthält einen sehr hohen Zuckeranteil, der dem Körper zusätzlich Wasser entzieht. Salzstangen führen dem Betroffenen sehr viel Natrium zu, aber kaum Kalium. Sie haben höchstens in Kombination mit kaliumreichen Bananen eine Daseinsberechtigung, wenn dies der einzige Weg ist, ein an Durchfall erkranktes Kind zum Essen zu bewegen.

Austrocknung und Salzverlust vorbeugen: Elektrolytlösungen selbst herstellen

Bei Durchfall droht immer die Gefahr einer Austrocknung und eines Salzverlustes. Wirken Sie dieser Situation entgegen, indem Sie fertige Elektrolytlösungen in der Apotheke kaufen, oder mixen Sie sich die Lösung einfach selbst. Angelehnt an die WHO-Empfehlung rühren Sie hierzu eine Prise Salz und vier Gramm Traubenzucker in 150 Milliliter Wasser oder Tee ein. Trinken Sie bei akutem Durchfall zwei bis drei Portionen täglich. Handelt es sich bei dem Patienten um einen Säugling oder ein Kleinkind, besprechen Sie die adäquate Dosis bitte mit Ihrem Kinderarzt.

Quellen

  • Illing, Klinikleitfaden Pädiatrie, Urban & Fischer
  • Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2015, Köln Gerd Herold
  • Robert Koch-Institut (RKI), http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/infekt_node.html
  • Schönau und Mitarbeiter: Pädiatrie integrativ, Urban & Fischer
  • http://assets.dge.de/epaper/dkompakt/epaper/DGE_Diaetetik_kompakt.pdf
  • http://dgk.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-bei-magen-darm-erkrankungen.html
Weiterlesen

Mehr zum Thema

Liebe Leser,
die Inhalte, die Sie auf DoktorDarm.de finden, dienen ausschließlich Ihrer Erstinformation und sollten keinesfalls die Diagnose und Therapie Ihres Haus- oder Facharztes ersetzen. Bitte besprechen Sie jegliche (Selbst-)Medikation mit einem Arzt oder Apotheker.
Ihre Jessica Kilonzo, Fachärztin und Autorin